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Bildende Kunst in Halle

In der einstigen erzstiftisch-magdeburgischen Residenzstadt Halle (bis 1680) war die vormoderne bildende Kunst den Repräsentationen (Architektur, plastische Bildwerke, höfisches und religiöses Bildprogramm) landesfürstlicher Herrschaft unterworfen. Deren Einfluss auf die städtische Oberschicht fand ihren Niederschlag in der bürgerlichen Hochrenaissance mit der Ausstattung einer Reihe von Profanbauten (z. B. Rathaus, Talamt, Schöffenstuhl, Wohn- und Geschäftshäuser) und zudem auch in der städtischen Sepulkralkultur (Kirchen, Epitaphien, Stadtgottesacker). Das Kunstbedürfnis der halleschen Bürgerschaft spiegelte sich nachfolgend, wenn auch nur in bescheidenem Maße, in barocker Baukunst (Ausmalung, Stuckdecken, Treppengeländern, Schnitzereien), Porträtmalerei, herausragenden Gold- und Silberschmiedearbeiten, zudem in einer ungewöhnlich ausgeprägten Sammelleidenschaft (Kunst- und Naturaliensammlungen) wider.

Illusionistisches Wandbild von Hans-Joachim Triebsch aus dem Jahr 1988 in der Großen KlausstraßeNach dem Ausbau der Moritzburg zum städtischen Museum gelang es unter der Leitung von Max Sauerlandt (1908-1919) und Alois Schardt (1926-1935), ergänzend zum älteren Kunstbestand, Werke namhafter Künstler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des Expressionismus anzukaufen. Der Verlust dieser herausragenden und einmaligen Sammlung, als "entartete Kunst" 1937 von den Nazis beschlagnahmt und versteigert, konnte zwar nicht ausgeglichen werden, jedoch war es möglich, seit 2001 mit der Dauerleihgabe der "Brücke"-Sammlung von Hermann Gerlinger, einer der bedeutendsten Privatsammlungen der deutschen Moderne, wieder an das einstige Museumsprofil anzuknüpfen.

Die Entwicklung des Museums zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschaffte zugleich der bildenden Kunst in Halle einen deutlichen Aufschwung. Mit der Berufung Paul Thierschs 1915 als neuer Direktor der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Halle – die spätere Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – entstand ein bis heute weit ausstrahlender Quellpunkt der Kunst- und Designproduktion. Der Hamburger Architekt Thiersch zog in seiner Funktion als Schuldirektor namhafte Künstler seiner Zeit nach Halle, darunter auch den Berliner Bildhauer und Medailleur Gustav Weidanz, der als Begründer für die Etablierung einer halleschen Bildhauereischule gilt. Insbesondere nach der Schließung des Bauhauses in Weimar kamen Absolventen und Lehrende vom Bauhaus an die damals noch städtische staatliche Kunsthandwerksschule. Dazu zählen bedeutende Künstler wie Gerhard Marcks (Bildhauerei), Marguerite Friedländer (Keramikerin und Porzellangestalterin) oder Heinrich Koch (Fotograf). Letzterer übernahm in Nachfolge von Hans Finsler – einem der bedeutenden Vertreter der Fotografie des Neuen Sehens – die Fotografieklasse bis 1933.

Plastikgruppe „Rufen und Hören“ von Wolfgang Dreysse in der Neustädter Passage aus dem Jahr 1989 Während der Zeit der Weimarer Republik erlangte die Kunsthochschule und mit ihr die bildende und angewandte Kunst in Halle einen hohen Stellenwert mit überregionaler Bedeutung. Bis heute ist die Kunsthochschule Burg Giebichenstein, die seit Jahrzehnten überregionale, sogar internationale Bekanntheit erlangte, der wichtigste Kristallisationsort für die Relevanz und Weiterentwicklung bildender Kunst in Halle.

 

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