zur Startseite
Seite durchblättern:
Seite 6 / 10

Chronik 18. Jahrhundert

Jahr Ereignis
1702 Georg Friedrich Händel wird zum Organisten der Hof- und Domkirche zu Halle ernannt. Das ist von entscheidender Bedeutung für Händel, der dadurch veranlasst wird, die Juristerei an den Nagel zu hängen und sich ganz der Musik zu widmen. Schon im Frühjahr 1703 allerdings wendet Händel sich nach Hamburg.
1702 März. Der Grundstein zum (Süd)Flügel des Rathauses zur Leipziger Straße hin wird gelegt. Dieser Rathausflügel bleibt im 2. Weltkrieg unzerstört, wird aber dennoch zusammen mit der "restlichen" Ruine des Rathauses Ende der vierziger Jahre abgerissen.
1702 30. Dezember. König Friedrich I. von Preußen bestätigt die Stiftungsurkunde für das Jena'ische adlige Fräuleinstift in der halleschen Rathausstraße. Neun adlige Fräulein, einer Äbtissin unterstellt, sollen Unterkunft und Verpflegung erhalten. Zugleich sollen auch 20 arme Leute der Stadt aus dem Stiftungsvermögen verpflegt werden. Zu diesem Zwecke vererbte der Stifter, Gottfried von Jena, dem Stift sein gesamtes Vermögen, einschließlich des Hauses und Grundstückes in der Rathausstraße. Wenige Tage darauf (8. Januar 1703) verstirbt Gottfried von Jena. Er wird in der Domkirche bestattet.
1704 Das alte Kornhaus der Stadt (Speicher für Getreide für Notzeiten) stürzt wegen des schlechten Untergrunds ein. Das Gelände heißt bis heute "der Sandberg". Wenige Jahre darauf errichtet die Stadt dort ein Zuchthaus.
1706 Erste Armenordnung der Stadt Halle. Dem Vorbild August Hermann Franckes folgend werden alle Bürger zu Armenspenden verpflichtet. Die Höhe ist jedem selbst überlassen. 
1709 Die erste hallesche Feuerordnung tritt in Kraft. Schwerpunkt ist die Verhütung von Bränden. Ein aus fünf Personen bestehendes Kontrollorgan kontrolliert einmal im Quartal die Feuerstätten, gleich wem sie gehören.
1721 Die Königliche Saline auf der Salinehalbinsel nimmt als zweite Salzproduktionsstätte den Betrieb auf. Diese Saline ist moderner als die Saline der Pfännerschaft auf dem Hallmarktgelände und kann somit kostengünstiger produzieren.
1726 Auch in Halle wird die "Allgemeine Salzkonskription" eingeführt. Infolge dieser königlichen Bestimmung muss jeder Untertan ab neun Jahren preußisches Salz kaufen. So genannte "Salz-Seller" sind die Ausgabestellen, wo man sein Maß Salz entsprechend der Ausgabelisten abzuholen hat. Bei Verweigerung des Salzkaufes gibt es eine Strafbestimmung, die den 3,5-fachen Kaufpreis als Strafgeld abverlangt.
1740 Der Winter 1740 ist sehr streng, sogar die Saale ist zugefroren. Die Hallenser müssen auf Befehl des Stadtkommandanten ständig für eine eisfreie Rinne in der Flussmitte sorgen. Dies soll weitere Desertionen von Soldaten verhindern. Auch in den Kirchen war es sehr kalt. Bei Gottesdiensten wird mit glühender Kohle in Kohlebecken geheizt. Ein solches Kohlebecken wird am 6. Januar in der Kirche vergessen und entzündet das Gestühl. Die alte Georgenkirche brennt vollständig ab. Vom Inventar bleibt fast nichts erhalten.
1744 In Halle beginnt die Seidenproduktion. In den Franckeschen Stiftungen werden 60 aus der Lombardei eingeführte Maulbeerbäume gepflanzt. Aus diesem Grundstock entwickelt sich eine regelrechte Plantage, die eine Seidenproduktion von 50 kg pro Jahr und 1753 sogar die Einstellung eines "Seidencultivateurs" ermöglichte. Dennoch erliegt man letztlich der billigeren Konkurrenz aus dem Ausland.
1754 12. Juni. An der Medizinischen Fakultät der halleschen Friedrichs-Universität promoviert, nach heftigem Kampf um die Zulassung, die Tochter eines Quedlinburger Arztes, Dorothea Christiane Erxleben. Da Frauen zu solchen akademischen Qualifikationen bis dahin keinen Zugang hatten, muss sie die ihrige erst beim preußischen König erwirken. Ihre Promotion ist die erste einer Frau und auch für längere Zeit die einzige.   
1759 Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges wird die preußische Grenzstadt Halle mehrfach von den kaiserlichen Truppen des Hauses Habsburg besetzt. Halle gilt als eine durch den Salzhandel reiche Stadt und kann daher nach Auffassung der Besatzer kräftig zur Kasse gebeten werden. Die Stadt wird mit einer "Brandsteuer" belegt – in Höhe von 300.000 Talern, die natürlich nicht aufgebracht werden können. Für den Fall der Nichtzahlung droht die Brandschatzung. Nach langem Hin und Her gibt man sich zunächst mit 44.000 Talern zufrieden.
1766 Auf dem Marktplatz wird der "Soldatengalgen" errichtet. Sieben Jahre vorher war der alte Galgen von Reichstruppen im Siebenjährigen Krieg als Symbol (scheinbar) gebrochener preußischer Macht verbrannt worden. Wie der Name verrät, dient dieser Galgen nur zur Hinrichtung von Militärpersonal. 1807 verschwindet der Galgen auf Befehl des französischen Kommandanten.
1778 Zu Beginn des Jahres gibt es noch 93 Siedekote, in denen Sole zu Salz versotten wird. Noch im gleichen Jahr wird die Pfännerschaftliche Saline umgestaltet. Es bleiben „nur" noch 63 Kote in Betrieb. Weitere 33 Siedekote werden 1783 stillgelegt. 
1789 Der Magistrat fasst den Beschluss zum Abbruch des erst 1696 errichteten Turmes der Moritzkirche. Der Baugrund in unmittelbarster Nachbarschaft der Hallsaale sorgt nicht für eine ausreichende Standfestigkeit. Gleich nach dem Beschluss beginnen die Abbrucharbeiten. Doch bevor diese beendet werden können, stürzt der Rest des Turmes in die Hallsaale. Für das Volk ist dies Anlass, die alte Sage vom Schellenmoritz, dem "Erbauer" der Kirche und Mörder seiner Schwester, zu erweitern und seiner ruhelosen Seele den Einsturz des Turmes zuzuschreiben.

 

Anzeige HWG

Anzeige Dorint Hotel - Charlottenhof Halle (Saale)