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Chronik des 19. Jahrhunderts

Jahr Ereignis
1806 17. Oktober. Morgens tauchen die ersten französischen Truppen südwestlich von Passendorf auf. Infolge mangelnder und teilweise widersprüchlicher Informationen trifft der die preußischen Verteidigungstruppen kommandierende Herzog eine fehlerhafte taktische Entscheidung. Viel zu spät gehen die Preußen zu einer wirksamen Verteidigung über. Im Ergebnis der "Schlacht an der Hohen Brücke" erobern die Franzosen unter hohen preußischen Verlusten Halle. 
1807 14. Dezember. Eine hallesche Delegation, bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung, der Geistlichkeit, der Universität und der Franckeschen Stiftungen, reist nach Kassel, der Hauptstadt des "Königreichs Westfalen" (im November 1807 durch Kaiser Napoleon per Erlass gegründet). Dort leisten sie den Huldigungseid auf den König Jerome Bonaparte (Bruder Kaiser Napoleons). Als Zeichen der Zugehörigkeit zum neuen Königreich wird auf dem Marktplatz ein Obelisk errichtet.
1813 24. April bis 2. Mai. Russische und vor allem preußische Truppen treffen in der Stadt ein. Ihre Aufgabe ist es, die Stadt gegen den erwarteten Angriff der Franzosen zu verteidigen. Die Franzosen werden trotz eines heftigen Artilleriebeschusses auf breiter Front abgewehrt. Nach den erfolglosen Bemühungen, Halle im Direktangriff zurückzuerobern, versuchen die Franzosen eine Zangenoperation von Süden und Norden. Um einer Umzingelung zu entgehen, müssen die alliierten Russen und Preußen am 2. Mai das Terrain wieder räumen. Halle kommt erneut unter französisch-westfälische Besatzung.
1813 Oktober/November. Zahlreiche Verletzte werden aus der Völkerschlacht nach Halle in die Lazarette gebracht. Viele von ihnen jedoch erliegen ihren Verletzungen. Ihrem heldenhaften Kampf gedenken die Hallenser durch die Errichtung mehrerer Denkmäler, die noch heute in der Stadt zu finden sind.
1814 Im Frühjahr wird die Hallische Singakademie, später in Robert-Franz-Singakademie umbenannt, durch Johann Gebhard Ehrenreich Maaß (1766-1823) und Johann Friedrich Naue (1787-1858) als gemischter Chor begründet.
1817 Die hallesche Universität wird mit der traditionsreichen Universität Wittenberg zusammengeschlossen.
1817 Erste Stadterweiterung seit dem 12. Jahrhundert. Mit der Eingemeindung der beiden Amtsstädte Glaucha im Süden und Neumarkt im Norden erhöht sich die Einwohnerzahl von 14282 auf 20921. Zunächst bleibt die Erweiterung noch ohne wesentliche Folgen für die Stadt, doch stellt sie die Weichen bereits in Richtung späterer Großstadtentwicklung. Erstes und unmittelbares Ergebnis der Stadterweiterung ist der weitgehende Abriss der alten Stadtmauern und -tore.
1828 Eine "Verschönerungskommission" wird gebildet. Sie ist verantwortlich für den Abbruch der alten Stadtbefestigungsanlagen und die Errichtung von Straßen und Parkanlagen an diesen Stellen. Aus der Tätigkeit dieser Kommission geht später der "Verschönerungsverein" hervor, der sehr viel für die Begrünung der Stadt getan hat.
1834 Der "Hallesche Kunstverein" konstituiert sich. Seine Mitgliederzahl beläuft sich auf 218, bis 1863 waren es 490 zum Teil namhafte Persönlichkeiten der Stadt. Aus den Einnahmen durch Beiträge und Ausstellungen werden Kunstankäufe und neue Ausstellungen finanziert. Außerdem erfolgen gelegentliche Versteigerungen der gekauften Kunstgegenstände. Auf diese Weise gelingt dem Verein die Eigenfinanzierung.
1834 Die Universität zieht in das neue Hauptgebäude am Schulberg. Im Jahre 1868 setzt man links und rechts der Freitreppe die Löwen vom inzwischen entfernten alten Marktbrunnen. Daher stammt der noch heute geläufige Name "Löwengebäude". 
1836 Der neue Teil des Stadtgottesackers wird eingeweiht. Da der 1529 geweihte Stadtgottesacker auf dem Martinsberg nicht mehr ausreicht, wird das Gelände nordwestlich des Friedhofes (zur Magdeburger Straße hin) in den Gottesacker einbezogen. Ende des 19. Jahrhunderts wird das Gelände erneut umgestaltet – zu einem Park zum Spazierengehen.
1837 Das neue Schauspielhaus wird eingeweiht. Es ist der Vorläufer des heutigen Opernhauses. 1875 werden Schauspielhaus, der dahinter liegende alte Kirchhof der Petrikapelle und die Kapelle selbst wegen des Baues eines neuen Stadttheaters abgerissen. Der "Kapellenberg" hinter dem Opernhaus erinnert heute noch daran.
1840 17. Juli. Aus Magdeburg kommend trifft der erste Eisenbahnzug in Halle ein. Damit ist eine neue Ära in der Verkehrsgeschichte der Stadt angebrochen. Die Anbindung an die Strecke verdankt Halle dem Stadtrat Ludwig Wucherer. Ursprünglich sollte die Streckenführung von Magdeburg über Dessau nach Leipzig führen und Halle gar nicht berühren.
1844 Die "Provinzial-Irrenanstalt" nahe der Heide wird eröffnet. 
1846 Halle erhält einen richtigen Bahnhof mit Bahnhofsgebäuden. Das ermöglicht die neue "Thüringer Eisenbahn" von Halle nach Erfurt-Eisenach. Nach geltenden Bestimmungen durften nur die jeweiligen Endpunkte einer Eisenbahnlinie einen Bahnhof haben. Die 1840 eröffnete Strecke Magdeburg-Leipzig hat Halle deshalb nur als "Haltepunkt" akzeptiert.
1848 Die erste Telegraphenstation wird eingerichtet. Ab 1849 dürfen auch Privatpersonen dieses bis dahin dem Militär vorbehaltene Medium nutzen. 
1851 Halle erhält einen neuen Friedhof, den "Nordfriedhof". Der Stadtgottesacker in der Innenstadt entspricht nicht mehr den Notwendigkeiten einer wachsenden größeren Stadt.
1851 Die "Feuer-Ordnung für die Gesamtstadt Halle" tritt in Kraft. Noch ist, wie schon in den sieben Feuerordnungen zuvor, das Prinzip der Freiwilligkeit beim Feuerlöschen vordergründig. Erst 1856 wird eine Hilfepflicht für alle 18 bis 40 Jährigen festgeschrieben.
1854 Eine Kabinetts-Order lässt die IDUNA zum Geschäftsbetrieb zu. Die Gesellschaft bietet Lebensversicherungen und ist Vorbild für andere deutsche Versicherungen. 
1855 Die neue Hausnummern-Einteilung tritt in Kraft. Bisher wurden die Häuser fortlaufend, also nach der jeweiligen Erbauung, durchnumeriert. Das ist bald zu unübersichtlich. Jetzt erhält jede Straße eine eigene, mit der Nummer 1 beginnende Zählung.
1868 31. Mai. Auf dem Markt wird zum ersten Mal der neue Brunnen mit Wasser gefüllt. Eine Fontäne spritzt das Trinkwasser aus dem neuen Beesener Wasserwerk empor. Der alte Löwenbrunnen wird im September des gleichen Jahres abgerissen.
1869 Der als "Musikantenturm" bekannte alte Turm der Stadtbefestigung am Hansering wird vom Magistrat als Quartier für Obdachlose umfunktioniert. Die gravierende Wohnungsnot in der Stadt hat die Stadtverwaltung zu diesem Schritt gezwungen. In dem dreigeschossigen, nicht sehr umfänglichen Turm sind bis zu 51 Familien mit 115 Kindern zusammengepfercht. Zudem müssen sie für diese Unterkunft noch unentgeltliche Arbeit für die Stadt verrichten.
1869 Der Siedebetrieb auf der alten "Thalsaline" endet. Die Salzproduktion wird nur noch in der moderneren Saline am Ufer der Saale aufrecht erhalten. Das Gelände der jahrhundertealten Saline im Herzen der Stadt wird später verkauft und mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut. 
1872 Das Teilstück Halle-Könnern der im Bau befindlichen Eisenbahnverbindung Leipzig-Halle-Halberstadt ist fertig gestellt.
1878 Die deutsche Akademie der Naturforscher "Leopoldina" nimmt ihren ständigen Sitz in Halle.
1882 Als achte Stadt in Deutschland nimmt in Halle die Pferdebahn ihren Betrieb auf. Die "Hallesche Straßenbahn" betreut zunächst die Strecken vom Riebeckplatz/Bahnhof über die Leipziger Straße, den Markt bzw. den Hansering, die Geiststraße, den Mühlweg nach Giebichenstein. Noch gibt es keine Haltestellen, und der Wagenführer hält auf Zuruf.
1884 Halle wird an die Kettenschleppschifffahrt angeschlossen. Von der Saalemündung in die Elbe bis nach Halle liegt eine Kette auf dem Grund des Flusses. Der Schlepper nimmt die Kette an seinem Bug auf, leitet sie über ein Zahnrad, so dass er sich an der Kette "entlang zog" und lässt sie am Heck wieder in den Fluss gleiten. Bis zu Beginn der 1920-er Jahre gibt es diese Art der Schifffahrt auf der Saale, ehe sie von wirtschaftlicheren Methoden abgelöst wird.
1885 Am "Großen Berlin" wird die Kunstsammlung der Stadt Halle eröffnet.
1886 Das neue Stadttheater (... heute Oper Halle) wird eröffnet.
1889 Die zweite Straßenbahngesellschaft nimmt ihren Fahrbetrieb auf. Die "Stadtbahn Halle" verfügt über grün gestrichene Wagen, weshalb sie "Grüne Bahn" genannt wurde. Das Unternehmen entwickelt sich schnell zur ernsthaften Konkurrenz für die "Hallesche Straßenbahn", wegen ihrer roten Wagen "Rote Bahn" genannt. Die "Stadtbahn Halle" schließt 1890 mit AEG einen Vertrag zur Elektrifizierung, die 1891 Realität wird.
1890 Der neu erbaute hallesche Hauptbahnhof wird eröffnet. Bisher war es so, dass man nach Berlin, Erfurt oder Leipzig jeweils von einem anderen Bahnhof abfahren musste. 1886 beginnt der Neubau eines zentralen Hauptbahnhofes mit acht Bahnsteigen. Im Zuge des Hauptbahnhofbaus wird der Güterverkehr vom Personenverkehr gleismäßig separiert. Schon weit vor dem Bahnhofsgebäude trennen sich die Streckenführungen und Güterzüge werden am Hauptbahnhof vorbeigeleitet. Aus anderen deutschen Städten kommen Vertreter nach Halle, um sich hier zu eigenen, sicher auch größeren Bahnhofsbauten inspirieren zu lassen. 
1891 24. April. Die erste elektrische Straßenbahn Deutschlands nimmt in Halle ihren ständigen Betrieb auf der Strecke Roßplatz-Riebeckplatz-Schmiedstraße auf.
1894 Der innere Saalearm, die alte Hallsaale (auch Gerbersaale genannt) wird überwölbt. Ein Kanal mit 5,50 m lichter Weite und 3,30 lichter Höhe kanalisiert fortan den Flusslauf zwischen der Moritzbrücke (heute Glauchaer Platz) und der Klausbrücke. Im Zusammenhang mit dem Bau der Hochstraßenbrücke nach Halle-Neustadt wird der Saalearm verlegt und die Moritzbrücke entfernt. Das Gewässer unterhalb des Straßenzugs "Hallorenring" ist seitdem ein stehendes. Beim Bau der Straßenbahntrasse zum Bahnhof kommt im Winter 2002/2003 der alte Saalearm und seine Ummauerung kurzzeitig an's Tageslicht.

  

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