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Historische Ortsbezeichnungen und Straßennamen

Amselgrund

Blick vom Turm der Giebichenstein auf die Saale, Amselgrund, ca. 1900Blick vom Turm der Giebichenstein auf die Saale, Amselgrund, ca. 1900Das Naturdenkmal Amselgrund und Kreuzer Teiche, vom Hohen Weg bergab in den Amselgrund, umfasst wechselfeuchte Wiesen, Teiche, Schluchtwälder, Porphyrhänge, Trocken- und Halbtrockenrasen. Heimische Vögel wie Amsel und Fink nisten dort und gaben dem Gebiet seinen Namen.

 

Am Bauhof

Die Stadtmauer an der Ecke Am Bauhof zum Waisenhausring. Aquarell, unbekannter Künstler. Um 1890Die Stadtmauer an der Ecke Am Bauhof zum Waisenhausring. Aquarell, unbekannter Künstler. Um 1890Die Straße ist benannt nach dem im Jahre 1488 ins Leben gerufenen städtischen Bauhof, der sich auf dem Gelände zwischen der heutigen Leipziger und Rannischen Straße hinter der Befestigungsmauer der Stadt befand. Ziel war es, dort Materialien für städtische Bauprojekte zu lagern sowie auch Zimmerarbeiten durchzuführen. Neben Gerüsten für Gebäude wurden dort auch die Galgen gezimmert, die in periodischen Abständen erneuert werden mussten. Der Chronist Olearius berichtet, dass an diesem Ort („Neuer Bauhof“) die Almosen in Form von Brot und Geld täglich nach vorherigem Gebet an die Armen ausgegeben wurden. 1785 wurde am Bauhof die erste von mehreren nacheinander dort wirkenden Armenschulen eröffnet. 

 

Am Hagedorn

Straße in Halle-Torna; keine Bilder vorhanden, nur Stadtplan von Tornau und Umgebung Ausschnitt mit Darstellung der späteren Straße Am Hagedorn aus dem Plan der Stadt Halle. 19131951 als Dorfstraße bezeichnet, erhielt sie im Rahmen der Umbenennung zahlreicher bedingt durch die Eingemeindungen von 1950 mehrfach im Stadtgebiet vorhandener Straßennamen die neue Bezeichnung Am Hagedorn. Hagedorn bezeichnet im weiteren Sinn allgemein dornige, heckenbildende Büsche und Sträucher; ein Hag ist ein meist von einer Hecke eingehegtes Gelände und weist als verbreiteter Flurname oft auf diese frühe Siedlungsform hin, bei der dornige Sträucher (Hagedorn, Hagerose, Hagebutte) verwendet wurden. Dies kann zur Straßenbenennung gedient haben.

 

Am Hagelsberg

Straße in Halle-Seeben; keine direkten Bilder der Straße vorhanden Ausschnitt mit Darstellung der späteren Straße Am Hagelsberg aus dem Plan der Stadt Halle. 1913Am 12.04.1995 wurde diese Straße im Stadtteil Seeben durch den Stadtrat neu benannt. Die Wortherkunft ist eventuell slawisch wie beim Hagelberg im Fläming vom slawischen Wort Chabua – Berg oder slawisch Chabov – Berge, die mit Gestrüpp bewachsen sind. Siedler aus dem deutschsprachigen Raum formten die Worte um, so wurde aus Chabua Habicht, mittelniederdeutsch Havek. Als das „v“ schließlich wegfiel blieb ein „Haalberg“ zurück, der von den sächsischen Ämtern durch ein „g“ ergänzt wurde, woraus „Hagelsberg“ entstand. Der Begriff steht also in keiner Beziehung zu „Hagel“ als Wettererscheinung.

 

Am Mönchsholz

Ausschnitt aus der Karte „Die Dölauer Heide“ von Prof. Dr. Edler, 1912Ausschnitt aus der Karte „Die Dölauer Heide“ von Prof. Dr. Edler, 1912, keine direkten Bilder vorhandenDie Bezeichnung „Mönchsholz“ deutet auf ein Eigentumsverhältnis eines Klosters hin. Das hier bezeichnete Mönchsholz wurde 1470 erstmals urkundlich erwähnt und trug später auch den Namen „Pauler-Holz“. Daraus ist zu schließen, dass es sich im Besitz des alten Dominikanerklosters St. Pauli befand, aus dem der heutige Dom hervorging.

 

An der Hulbe

Blick auf zwei Lastkähne, die an der Hulbe zum Be- und Entladen festgemacht haben. 1892Blick auf zwei Lastkähne, die an der Hulbe zum Be- und Entladen festgemacht haben. 1892Das  Grimmsche Wörterbuch bezeichnet eine Hulbe als Riegel oder Balken, mit deren Hilfe Ständer oder Pfähle verbunden wurden, z. B. Jochträger bei Brücken. Die Schieferbrücke befindet sich in unmittelbarer Nähe; von der Hulbe hat man gute Sicht auf deren Brückenkonstruktion. Beim Bau 1505 erhielt die Brücke tatsächlich ein starkes Holz- und Hängewerk.

 

An der Schwemme

Blick von der Straße "An der Schwemme" auf die Schwemmsaale im Mühlgraben. Im Hintergrund der Kirchturm der Pfarrkirche St. Georgen. Blickrichtung Südost, um 1890Blick von der Straße "An der Schwemme" auf die Schwemmsaale im Mühlgraben. Im Hintergrund der Kirchturm der Pfarrkirche St. Georgen. Blickrichtung Südost, um 1890Am Rande des alten Strohhofviertels gelegen, befand sich dort eine Pferdeschwemme für die bäuerlichen Höfe des Strohhofs, die Ausspanngasthöfe und die vielen Brauereien, die es in dieser halleschen Vorstadt gab. 1848 wurde die Schwemme an der Ostseite durch eine hohe Flutmauer begrenzt. Der Brauch, die Pferde dort zu baden und zu pflegen, erlosch mit Kriegsende 1945.

 

Bechershof

Blick in die alte, sehr schmale Gasse Bechershof, um 1960.Blick in die alte, sehr schmale Gasse Bechershof, um 1960.Der Straßenzug Bechershof beginnt auf der westlichen Seite der Schmeerstraße, zweigte einst im rechten Winkel wieder nach rechts ab und führte zum Markt. Er wurde nach einer angesehenen alten halleschen Patrizierfamilie Becher benannt, die dort ihren Sitz hatte, und ist erst nach 1450 namentlich in den Schöffenbüchern nachweisbar.

 

Bierrain

Ausschnitt aus dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung mit Darstellung des Bierrains. 1913 Ausschnitt aus dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung mit Darstellung des Bierrains. 1913 Kurz vor Büschdorf verlief in dieser Gegend bis nach den Befreiungskriegen 1813/1815 die Landesgrenze zwischen den Königreichen Preußen und Sachsen. Büschdorf und Reideburg waren „sächsisches Ausland“. Erst nach dem Wiener Kongress trat Sachsen diese Gebiete ab, sie gehörten somit nun zum Saalkreis. Die nahe Grenze und der lebhafte Messeverkehr von Halle nach Leipzig förderten Schmuggel und Handel vieler Waren und Güter; von Bedeutung ist hier der seit dem 18. Jahrhundert wachsende Bierkonsum. Bier der halleschen Brauerei wurde als qualitativ mangelhaft empfunden. Vor allem Studenten zog es in die „ausländischen“ Dörfer, um dort schmackhaftes und v. a. günstigeres Bier zu trinken, z. B. das Merseburger.

 

Blumenau

Luftbildaufnahme der entstehenden  Stahlhelmsiedlung von Walter Bönig. 1936Luftbildaufnahme der entstehenden Stahlhelmsiedlung von Walter Bönig. 1936Der Blumenauweg wurde 1970 in Kuhbergweg umbenannt, nach der gleichnamigen Erhöhung in der Dölauer Heide. Er trägt nun wieder den Namen Blumenauweg. Von dort zweigt eine Straße mit Namen „Blumenau“ ab. Die Heiderandsiedlung wurde Ende der 1920er Jahre von Mitgliedern des „Stahlhelm“ errichtet und trug bis 1945 den Namen „Stahlhelmsiedlung“. Sie bildet heute einen Teil des Stadtteils Heide-Nord/Blumenau.

 

Bölbergasse

Die Bölbergasse von der Großen Ulrichstraße aus gesehen, um 1890.Die Bölbergasse von der Großen Ulrichstraße aus gesehen, um 1890.Der Name ist vermutlich aus der ursprünglichen Bölgergasse (nach der halleschen Familie Belger) hervorgegangen. Bereits um 1300 wurde ein Berthold (Betzold) von Belgern erwähnt.-Im Laufe des 17. Jahrhunderts, nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem großen Peststerben, wurde durch neu einströmende Bevölkerung der Straßenname womöglich in Belbergasse in Anlehnung an das nahegelegene Dorf Böllberg entstellt.

 

Brandberge

Blick von den Brandbergen aus auf Lettin. Februar 1882. Aus Hans Richard von Volkmanns Skizzenbuch mit 108 Aquarellen aus Halle und seiner Umgebung aus den Jahren 1875-1882. Blick von den Brandbergen aus auf Lettin. Februar 1882. Aus Hans Richard von Volkmanns Skizzenbuch mit 108 Aquarellen aus Halle und seiner Umgebung aus den Jahren 1875-1882.1. Theorie: Es handelt sich um eine ehemalige Stätte der Hexenverbrennung, an der Ortsteilgrenze von Kröllwitz. Zu solchen Richtstätten zählen drei Porphyrhöhen (Galgenberg, Röderberg [Räderberg] und Brandberge), wo im Laufe des 16., 17. und 18, Jahrhunderts, teilweise bis ins 19 Jahrhundert, die wegen Mordes zum Tode Verurteilten hingerichtet wurden. Auf dem kleinen Brandberg wurde am 27. September 1850 die letzte öffentliche Hinrichtung in Halle vollzogen.
2. Theorie (wahrscheinlicher): Der Name ist von dem Wort branni, bronnen, brenti = Sumpf, Moor, Morast abgeleitet. Vergleiche zu Brandenburg: Brannibor = Sumpfwald, im nördlichen Saalkreis die Wüstung Brentenburg oder Brandenburg oder Brinzenburg liegen nahe, da das Gebiet um die Brandberge sehr feucht, in Regenzeiten oder Schneeschmelze uferloser Morast war.

 

Brunoswarte

Ansicht des Tores zur Brunoswarte zwischen An der Moritzkirche Nr. 20 und Nr. 21, um 1900Ansicht des Tores zur Brunoswarte zwischen An der Moritzkirche Nr. 20 und Nr. 21, um 1900Sie hat ihren Namen nach dem alten halleschen Patriziergeschlecht Brun (im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts wiederholt in den Schöffengerichtsbüchern nachweisbar) erhalten, welches auf diesem Gebiet einen befestigten Hof besaß, der als „Warte“ Verteidigungsfunktionen zu erfüllen hatte. Er existierte wohl schon vor der Stadtwerdung Halles. 1286 verkauften die Herren von Brun diesen Besitz, der größte Teil wurde von halleschen Bürgern erworben. Die Gasse Brunoswort“ oder „brunswurt“, vom Chronist Olearius um 1667 als „Braunens Warte“ und von Dreyhaupt als „Brauns-Warte“ bezeichnet, wurde in hallescher Umgangssprache „Braune Schwarte“.

 

Dautzsch

Am Dautzsch. Aquarell von Georg Krös, Oktober 1962Am Dautzsch. Aquarell von Georg Krös, Oktober 1962Hier handelt es sich um eine Hügelgruppe und einen gleichnamigen Ortsteil von Diemitz. Er ist ein Ausläufer des Rothenburg-Petersberger Hochplateaus, einst von Sumpf umgeben, und besteht aus dem Großen Dautzsch (108 Meter über dem Meeresspiegel) und dem Kleinen Dautzsch oder Jauchen-Dautzsch. In älteren Urkunden ist auch von „Dautz“ oder „Teutschfeld“ die Rede, in der Chronik von Dreyhaupt „Dautz“, auf Karten des 18. und 19. Jahrhunderts „Dautschfeld“ oder „vorderes und hinteres Dautzschfeld“. Eine lateinische Schrift des Gelehrten Jacob von Stetten von 1679 berichtet von einer Ausgrabung 1675 auf dem Dautzschberge, auch Teutschberge genannt.

 

Donnersberg

Blick vom Ochsenberg in nördlicher Richtung auf die Straße am Donnersberg. um 1920Blick vom Ochsenberg in nördlicher Richtung auf die Straße am Donnersberg. um 1920Der Donnersberg verdankt seinem Namen Donar, dem westgermanischen Donner- und Wettergott (gleichbedeutend mit Thor der Nordgermanen), dem hier ein Hain und eine Kultstätte geweiht waren, welche die slawischen Sorben für ihren Gott Prove weiter nutzten. Bei Ausgrabungen wurde hier slawische Keramik zutage gefördert. Der Name des Berges erfuhr eine späte Bestätigung durch die Tatsache, dass bereits seit 1851 Wetterbeobachtungen von dort vorgenommen wurden.

 

Eigene Scholle

Luftaufnahme der Siedlung Gesundbrunnen. um 1930Luftaufnahme der Siedlung Gesundbrunnen. um 1930Im Jahre 1921 gründete sich die Siedlungsgenossenschaft „Eigene Scholle e. GmbH“, in der sich etwa 70 Angehörige des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen des Ersten Weltkrieges mit dem Ziel der Bekämpfung der grassierenden Wohnungsnot in der wachsenden Industriestadt Halle zusammenschlossen. Mithilfe eines Kredits der Mitteldeutschen Heimstätte und der Zurverfügungstellung von Bauland für 25 Wohnungen durch den Magistrat konnte am 1. Mai 1922 der erste Spatenstich durchgeführt werden. Die ursprüngliche Zielgruppe der Kriegsopfer wurde 1925 erweitert, um möglichst vielen minderbemittelten Familien den Zugang zu preiswertem Wohnraum zu erleichtern. In mehreren Bauabschnitten wurden Wohnbauten im Ammendorfer Weg, An der Eigenen Scholle, Benkendorfer Weg, in der Diesterwegstraße, am Rattmannsdorfer Weg, Rockendorfer Weg, Sonnenweg und Wachtelweg errichtet.

Forstwerder

Blick auf die 1928 erbaute Brücke zum Forstwerder, die die Saale überspannt. Die Schiffe, die zur Schleuse wollen, müssen durch diese Brücke fahren. Wegen ihrer Form wird diese Brücke am Wehr auch "Katzenbuckel" genannt. (ca. 1960)Blick auf die 1928 erbaute Brücke zum Forstwerder, die die Saale überspannt. Die Schiffe, die zur Schleuse wollen, müssen durch diese Brücke fahren. Wegen ihrer Form wird diese Brücke am Wehr auch "Katzenbuckel" genannt. (ca. 1960)Es handelt sich um eine Waldinsel zwischen dem Hauptarm der Saale und dem Schleusengraben in Trotha, auf alten Karten oft Saalwerder genannt und mit dichtem Gestrüpp bewachsen. Die älteste urkundliche Erwähnung der Flussinsel stammt aus dem Jahre 1371, als Erzbischof Peter von Magdeburg den Herren von Trotha dieses Gebiet nahe der Burg des Geschlechts als Lehngut bestätigte. Es wurde als Jagdrevier genutzt.

 

Frohe Zukunft

Blick über die Grube Frohe Zukunft, wo Braunkohle abgebaut wurde, rechts im Bild befinden sich Kleingärten. (ca. 1940)Blick über die Grube Frohe Zukunft, wo Braunkohle abgebaut wurde, rechts im Bild befinden sich Kleingärten. (ca. 1940)Es war ursprünglich der Name einer Braunkohlegrube „Konsolidierte Frohe Zukunft“ (neben einer weiteren Grube „Carl-Ernst“ in diesem Gebiet), um 1845 dann „Frohe Zukunft“. Um 1885 wurde eine dritte Grube am nördlichen Mühlrain kurz vor Mötzlich abgeteuft. Die Straße „Frohe Zukunft“ wurde bei Errichtung eines modernen Siedlungsviertels Mitte der 1920er Jahre benannt, sie bildete den Fahrweg zur Braunkohlengrube.

 

Fuchsbau

Blick durch einen Baum auf den Fuchsberg in Kröllwitz. Foto: Walter Danz, 1937Blick durch einen Baum auf den Fuchsberg in Kröllwitz. Foto: Walter Danz, 1937Im Jahre 1945 erfolgte die Vergabe von Land an Neusiedler am Fuchsberg in Kröllwitz, welches Gebiet auf diese Weise urbar gemacht wurde. Die zuvor dort lebenden und auch namensgebenden Füchse verloren dabei ihr bisheriges Domizil, ihren „Fuchsbau“.

 

Gesundbrunnen

Luftaufnahme der Vorstadt Gesundbrunnen. Foto: Walter Bönig, vor 1936Luftaufnahme der Vorstadt Gesundbrunnen. Foto: Walter Bönig, vor 1936Schon vor 1100 lag auf dem Feldgelände zwischen Glaucha und Böllberg, östlich der Landstraße, die beide Orte verband, ein Brunnen. Man stellte fest, dass das zur Saale abfließende Wasser einen gelben Niederschlag hinterließ und säuerlich schmeckte. 1310 schenkte der Erzbischof Burchard III. von Magdeburg den Brunnen dem Moritzkloster. Im Frühling und Sommer wurden dort Feiern abgehalten, Kranke zum Brunnen gefahren. Donnerstags nach Pfingsten veranstalteten Halloren und Bornknechte eine Wallfahrt zum Gesundbrunnen. Der Brauch schlief nach der Reformation ein; nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurde man erst 1696 wieder auf die Heilkraft des Wassers aufmerksam. Die heutige Gestalt erhielt die Heilstätte im Jahre 1901.

 

Graseweg

Blick in den Graseweg, Ecke Große Klausstraße. Foto: Walter Danz, 1959Blick in den Graseweg, Ecke Große Klausstraße. Foto: Walter Danz, 1959Für die Entstehung des Namens, welcher seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar ist, sind zwei Theorien überliefert: In den Quellen erscheint bereits 1318 eine Notiz zum „Grashof“, welcher schon im 12. Jahrhundert einem nach diesem benannten Rittergeschlecht gehört habe. Verwilderte und außer Gebrauch gekommene Friedhöfe wurden als „Grasehof“ (lat. Viridarium) bezeichnet. Im 12. und 13. Jahrhundert entstammten dem Geschlecht „de Viridario“ einige Personen von Rang und Einfluss wie Heidenricus de Viridario Prokonsul von Halle, sein Nachfahre Busso vomme Grasehove besaß Lehmgruben auf dem Martinsberg. Das Geschlecht verlor den Grashof an die Familie Baldewin. Die 2. Theorie berichtet die Sage, als 1350 die Pest in Halle hauste, wollte man sich durch Absperrungen vor Ansteckung schützen, alle Ausgänge des Weges, in dem die Pest aufgetreten war, wurden vermauert, die Anwohner mussten verhungern. Erst nach zehn Jahren wurden die Mauern niedergerissen, hohes Gras überwucherte nun die Straße, zwischen dem die Skelette der Verhungerten lagen. So nannte man den Ort „Graseweg“.

 

Großer Berlin

Blick über den Großen Berlin, heute Jerusalemer Platz, Richtung Osten, im Hintergrund die Türme der Synagoge in der Kleinen Brauhausstraße (1880-1925)Blick über den Großen Berlin, heute Jerusalemer Platz, Richtung Osten, im Hintergrund die Türme der Synagoge in der Kleinen Brauhausstraße (1880-1925)Der Große und Kleine Berlin wurden mit der zweiten Befestigung nach 1120 in das Siedlungsgebiet Halles einbezogen. Die Bezeichnung ist ein Flurname slawischen Ursprungs und besagt soviel wie Wildgatter, Brühl oder umzäuntes Gebüsch, in dem vielleicht Pferde gehalten wurden. Das altslawische bruleni, tschechisch brlen, sorbisch barlén, berlén mit Akzent auf der zweiten Silbe bedeutete ursprünglich Wasserrechen, Floßrechen, Floßholzfang und erweiterte sich zu Schutzgatter oder Stangenzaun. Der Große Berlin war eine morastige, von einem Bach durchflossene Gegend mit Gebüsch bewachsen. Ein von Osten herabkommender Alluvialstreifen deutet auf einen kleinen Sickerbach hin, der sich vielleicht zu einem Teich erweiterte. Die häufige Nennung in den Schöffenbüchern an 1266 „uppe deme berline“ deutet auf einen dicht besiedelten Wohnplatz hin, nach dem sich eine Patrizierfamilie nannte. Nach einem verheerenden Brand 1683 wurden viele Häuser nicht wieder aufgebaut, wodurch die Platzanlage entstand.

 

Harz

Harz - Blick nach Westen. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Harz - Blick nach Westen. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Die nicht genau geklärte Namensherkunft steht nicht in Beziehung zum Harzgebirge, sondern gehört zu Flurbezeichnungen, welche die ursprüngliche Bodenbeschaffenheit widergeben. Es war ein einst feuchtes sumpfiges, saures Gelände in der Nähe der Faulen Witschke, des Weidenplans und der Lucke. Möglich ist eine Ableitung als dem althochdeutschen Wort horo (mittelhochdeutsch Hor), was schmutziger, kotiger Boden bedeutet. Das slawisch-polnische Wort harc bedeutet dagegen Tummelplatz der Pferde. Die Besiedlung und Bebauung ist unklar, begann jedoch wohl erst nach 1480 durch Arbeiter, die Erzbischof Ernst von Wettin für den Bau der Moritzburg und von Wallanlagen anwarb.

 

Holzplatz

Das alte Kraftwerk und Gaswerk am Holzplatz. Foto: Max Strauch um 1930Das alte Kraftwerk und Gaswerk am Holzplatz. Foto: Max Strauch um 1930Holzplatz ist ein alter Name, der an die mittelalterliche Stadt- und Wirtschaftsgeschichte erinnert. Der Stadtplan aus der Chronik von Olearius 1667 nennt den „Holzplatz vor dem Klaustor“. Er diente jahrhundertelang der Saline als Stapelplatz für das Holz, das der Betrieb als Brennmaterial zum Heizen der Siedepfannen benötigte. Als das Holz der Umgebung zur Neige ging, wurde Holz aus Thüringen geflößt, was durch die Lage am Fluss begünstigt wurde.

 

Karzerplan

Der Karzerplan, Blick von der damaligen Post-Straße, dem heutigen Hansering. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Der Karzerplan, Blick von der damaligen Post-Straße, dem heutigen Hansering. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Hier wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts der Musikantenturm als einer von 50 Wehrtürmen der Stadtbefestigung errichtet. Er erhielt seinen Namen nach den Stadtpfeifern, welche nach 1711 dort untergebracht waren. Zuvor wurde er von der 1694 gegründeten Universität als Karzer (lat. carcer – Umfriedung, Kerker) für disziplinlose Studenten genutzt, da ein bisher zu diesem Zweck genutzter Raum in der Waage nicht mehr ausreichte. Die Bestrafung im Turm war wegen Feuchtigkeit und Kälte sehr hart und wurde 1711 aufgegeben. Der Straßenname lautete ursprünglich „Katzenplan“, weil dort ein Geschütz („Katze“) der Stadtverteidigung aufgestellt war und ging begrifflich eine Verbindung mit dem Studentenkarzer ein.

 

Kaulenberg

Blick auf die Nordseite des Kaulenberges. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Blick auf die Nordseite des Kaulenberges. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Der erstmal 1462 überlieferte, aber wohl ältere Name ist unklar, bedeutet mit größter Wahrscheinlichkeit aber das hier einst gelegene morastige Gelände, eine Kaule oder Kuhle, durch die ein von der Vorstadt Petersberg kommender Bach floss und hier versickerte. 1462 erfolgte die Trockenlegung und Aufschüttung des Geländes.

 

Kleiner Berlin

Blick auf den Kleinen Berlin und die Große Märkerstraße 10, das Christian-Wolff-Haus. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Blick auf den Kleinen Berlin und die Große Märkerstraße 10, das Christian-Wolff-Haus. Foto: Gottfried Riehm, um 1890Der Kleine und Große Berlin wurden erst mit der zweiten Befestigung nach 1120 in das Siedlungsgebiet Halles einbezogen. Die Bezeichnung ist ein Flurname slawischen Ursprungs und heißt so viel wie Wildgatter, Brühl oder umzäuntes Gebüsch, in dem vielleicht Pferde vor den Toren der Stadt gehalten wurden. Die halleschen Schöffenbücher erwähnen seit 1266 den Namen sehr häufig: „uppe dem wenigen berline“. Der Kleine Berlin ist im Gegensatz zum Großen Berlin wohl immer ein freier Platz gewesen.

 

Kleinschmieden

Blick vom Marktplatz in die belebte Straße Kleinschmieden. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Blick vom Marktplatz in die belebte Straße Kleinschmieden. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Es handelt sich um einen Straßennamen nach einer Berufsbezeichnung. Vermutlich siedelten sich wenige Jahrzehnte nach der großen Stadterweiterung nach 1120 die ersten Bürger an, wohl Handwerker wie Schlosser, Klempner, Kupfer- und Goldschmiede unter der Sammelbezeichnung Kleinschmiede. Die Ersterwähnungen der Straße lauteten ca. 1280 „in den klensmeden“, 1380 „in den kleynsmeden“, 1455 „in den cleinsmeden“, 1476 „in den kleinschmiden“. Die vorher gebräuchliche Bezeichnung bis ca. 1250 war Lamprechtsgasse nach der Lambertikapelle westlich der Straße.

 

Kolkberg

Der Kolkberg in der Dölauer Heide: einseitig gerodeter Hügel mit Spitze vom Kolkturm hinter den Bäumen.Der Kolkberg in der Dölauer Heide: einseitig gerodeter Hügel mit Spitze vom Kolkturm hinter den Bäumen.Im Jahre 1869 wurde im Hotel „Goldener Ring“ am Marktplatz die gesellige Vereinigung gegründet, welche zu ihrer Bezeichnung das Wort „Kolk“ wählte (ulken oder kolken – sich die Zeit mit Witz und Humor vertreiben). Diese schuf den Plan, am Rand des Bischofsberges in der Dölauer Heide einen Aussichtsturm zu errichten.

 

Kolkturm

Kolkturm in der Heide aus einem Sammelalbum mit 20 Halle-Ansichten. um 1910Kolkturm in der Heide aus einem Sammelalbum mit 20 Halle-Ansichten. um 1910Die Kolkgesellschaft legte am 15. Mai den Grundstein für das Gebäude, den Kolkturm als Aussichtsturm und ein Wärterhäuschen zur Einnahme der Gebühr der Turmbesteigung. Beide wurden nach dem Ersten Weltkrieg verwüstet und 1921 abgerissen. Der heute wieder bestehende Kolkturm wurde im April 1976 eingeweiht.

 

Kreuzer Teiche

Plan von Halle-Cröllwitz mit Darstellung der drei Kreuzer Teiche, welche südlich des Vorwerks lagen. 1902Plan von Halle-Cröllwitz mit Darstellung der drei Kreuzer Teiche, welche südlich des Vorwerks lagen. 1902Es handelt sich um drei Teiche im Amselgrund, welche die Verbindung zwischen dem Kreuzvorwerk und dem Amselgrund herstellen. Der Name des ehemaligen Gestütes Kreuz (Königliches Landesgestüt Kreuzvorwerk) resultiert einerseits aus der kreuzförmigen symmetrischen Anordnung der Zugänge zu den Gebäuden (Kreuz) und andererseits aus der ursprünglichen Bezeichnung für eine große landwirtschaftliche Hofanlage als Vorwerk, woraus sich die Bezeichnung Kreuzer Teiche in unmittelbarer Nähe zum Gestüt Kreuz (jetzt als Wohnanlage genutzt) ableitet.

 

Lerchenfeld

Halloren beim Aufbruch zum Lerchenstreichen. Zeichnung von Hermann Schenck (1829-1912), um 1900.Halloren beim Aufbruch zum Lerchenstreichen. Zeichnung von Hermann Schenck (1829-1912), um 1900.Die Flurbezeichnung Lerchenfeld in der Glauchaer Gemarkung (schon 1310 nachweislich) kennzeichnet einen reichen Vogelbestand auf fruchtbarem und wasserreichem Gelände, insbesondere Lerchen u.a. Singvögel. Neben reichen Solgutbesitzern und reichen Bürgern Halles besaßen auch die Halloren das Privileg der niederen Jagd, mithilfe von Spiegeln und Netzen Lerchen zu „streichen“, d.h. zu fangen. Dies diente als willkommene Nebeneinnahme in Zeiten des „Kaltlagers“, wenn die Salzproduktion im Thal ruhte. Die Hallorenfrauen boten die gefangenen Tiere noch um 1870 auf einem speziellen Lerchenmarkt am Waagegebäude an. Die heutige Lerchenfeldstraße erinnert an Brauchtum und Flurnamen.

 

Malderitzstraße

Ausschnitt mit der späteren Malderitzstraße aus dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 8. 1931Ausschnitt mit der späteren Malderitzstraße aus dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 8. 1931Sie erinnert an das ehemalige 1184 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Malderitz (andere Schreibweisen auch Malteritz oder Maltritz), eine Wüstung, welche sich 500 m nordwestlich von Beesen auf dem rechten Elsterufer nahe der Mündung in die Saale in einer kleinen Ackermulde, dem Malderitz-Grund, auch Hohle genannt befand. Eine Familie von Malderitz wurde erstmals 1248 erwähnt. Der Ort wurde in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts verlassen, schon 1479 nur noch als Malderitz Mark, später „Wüste Mark Maltritz“ bezeichnet.

 

Matzwinkel

Ausschnitt mit dem späteren Matzwinkel aus dem Plan der Stadt Halle und Umgebung, 1930Ausschnitt mit dem späteren Matzwinkel aus dem Plan der Stadt Halle und Umgebung, 1930Im Verlauf der Einführung von Straßennamen in der Gemeinde Mötzlich in den 1920er Jahren erhielt diese Straße den Namen Boelckering nach Oswald Boelcke, dem 1891 in Giebichenstein geborenen Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, der 1916 an der Westfront den Tod fand. Im Rahmen der Beseitigung militaristischer und nationalsozialistischer Straßenbezeichnungen erfolgte nach 1945 die Umbenennung in Matzwinkel. Der neue Name ist 1948 erstmals aktenkundig. Die Bezeichnung Winkel entstammt dem althochdeutschen winkil, mittelhochdeutsch und mittelniederdeutsch winkel und kennzeichnet eine von Bergen oder Wald umschlossene Gegend. Mit dem Wort „Matz“ wird im mitteldeutschen Raum geronnene Milch bezeichnet. Es handelt sich um die einzige Straßenbezeichnung dieser Art in Deutschland.

 

Packhof

Das Zollamt mit dem Packhof von der Wasserseite. Blick von Schieferbrücke nach Norden. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Das Zollamt mit dem Packhof von der Wasserseite. Blick von Schieferbrücke nach Norden. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Der Name Packhof bezeichnet einen Lagerplatz für steuerpflichtige Waren, welche in diesem Gebäude bis zum Verkauf oder Weitertransport gelagert werden konnten. Der ältere oder „Kleine Packhof“ befand sich auf der Ostseite des Domplatzes und dem Grundstück Kleine Klausstraße 12 (heute Nr. 6-7). Er wurde vom preußischen Fiskus betrieben und 1837 dem Verein für den hallischen Handel überlassen. Dieser errichtete in der Ankerstraße 2 einen neuen Packhof, günstiger zum Sophienhafen hin gelegen. 1901-1902 wurde an diesem Ort das neue Hauptzollamt errichtet. Die heutige Packhofgasse erinnert an diesen alten Standort des Handelsverkehrs auf der Saale.

 

Pfingstanger

Darstellung des Pfingstangers auf dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 6. 1913Darstellung des Pfingstangers auf dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 6. 1913Flurbezeichnungen wie Pfingstwiese oder Pfingstanger erinnern an das Brauchtum des alten heidnischen Frühlingsfestes, welches mit dem christlichen Pfingstfest verbunden wurde. Hier fanden Tanzveranstaltungen, Vogelschießen, Glücksspiel und andere Volksbelustigungen, neben dem Pfingstanger bei Wörmlitz, z.B. auch auf der Würfelwiese statt. Nach dem Fest wurden die Wiesen dann als Weideflächen für die Tiere des jeweiligen Dorfes genutzt.

 

Priemitzstraße

Die Dörfer Reideburg, Burg, und Kapellenende, von Büschdorf aus gesehen. Halle, am Karfreitag, den 11. April 1879. Aus Hans Richard von Volkmanns Skizzenbuch mit 108 Aquarellen aus Halle und seiner Umgebung aus den Jahren 1875-1882.Die Dörfer Reideburg, Burg, und Kapellenende, von Büschdorf aus gesehen. Halle, am Karfreitag, den 11. April 1879. Aus Hans Richard von Volkmanns Skizzenbuch mit 108 Aquarellen aus Halle und seiner Umgebung aus den Jahren 1875-1882.Die Priemitzstraße und die Straße An der Priemitzer Mark erinnern an das Dorf Priemitz (andere Schreibweise Primitz), dessen Standort sich etwa 750 m südöstlich des Kapellenberges von Reideburg befand. Der Ort ist wohl schon um 800 an einem Quellbach (Priemitzgraben) der Reide entstanden, allerdings erst 1347 urkundlich ersterwähnt. Der Beginn seiner Wüstwerdung wird um ca. 1450 angesetzt.

 

Pulverweiden

Das Flussbad und die Pulverweiden. Luftbild von Walter Bönig. vor 1936Das Flussbad und die Pulverweiden. Luftbild von Walter Bönig. vor 1936Die Gegend wird in den Urkunden seit 1172 als „Morastteich der Saale bei der Hohen Brücke“, „Gegend am Morastteich“ oder „Weiden zwischen der steinernen Brücke und dem Morastteich“ bezeichnet. Diese Angaben deuten auf ein morastiges, lachenübersätes Wiesenstück hin. Die Lage zwischen Wilder Saale und Schiffsaale machte sie für den Betrieb von Mühlen wichtig. Eine vom Kloster Neuwerk 1172 errichtete Mühle musste nach Beschwerden der Stadt jedoch 1225 abgebrochen werden. Der Rat der Stadt ließ Anfang des 16. Jahrhunderts hier eine Pulvermühle errichten, welche mehrfach durch Explosionen zerstört wurde und der Gegend den Namen „Pulverweiden“ eintrug. Nach einer Brandstiftung 1706 wurde die Pulvermühle nicht wieder aufgebaut.

 

Rabeninsel

Blick von der Rabeninselbrücke zur Böllberger Mühle. Foto: Heinrich Renner, 1966 Blick von der Rabeninselbrücke zur Böllberger Mühle. Foto: Heinrich Renner, 1966 Die Rabeninsel wurde als bewaldeter Werder schon Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt, jedoch noch nicht unter dieser Bezeichnung. Der Chronist Dreyhaupt nennt 1750 den Namen „Krähen-Holtz“ aufgrund der zahlreichen dort nistenden Saatkrähen. Der Name „Rabeninsel“ ist somit sachlich irreführend, jedoch für den schon im 19. Jahrhundert einsetzenden Ausflugsverkehr der Hallenser werbewirksamer. In den 1880er Jahren wurde die Beseitigung der Krähenpopulation, die sich zu einer Plage entwickelt hatte, massiv in Angriff genommen, dass „Hallesche Tageblatt“ meldete so z.B. für das Jahr 1885 insgesamt 4153 geschossene Krähen.

 

Ratswerder

Blick auf den Ratswerder von der Genzmerbrücke. Im Hintergrund die Fünftürmegruppe des Marktplatzes. 1987Blick auf den Ratswerder von der Genzmerbrücke. Im Hintergrund die Fünftürmegruppe des Marktplatzes. 1987Der Name bezeichnet den kleineren südwestlichen Teil der ehemaligen Strohhofinsel, welche durch die Kanalisierung der Gerbersaale zu Festland wurde. Die Insel wurde 1325 vom Rat der Stadt aus dem Besitz des Erzbischofs Burchard III. von Magdeburg erworben und erhielt durch das neue Besitzverhältnis ihren Namen. Eine ältere Bezeichnung war „Bussenwerder“ nach einem hallischen Patrizier Busso. Die Straße trug im Gegensatz zur Insel ursprünglich den Namen „Werdergasse“.

 

Röderberg

Der Röderberg mit der Einmündung der Körnerstraße vor seinem Ausbau. 1927 Der Röderberg mit der Einmündung der Körnerstraße vor seinem Ausbau. 1927 Der Name entstand aus der ursprünglichen Form „Räderberg“ und bezieht sich auf eine der Hinrichtungsstätten des Amtes Giebichenstein, wo mithilfe des Rades, aber auch mit dem Schwert Todesurteile vollstreckt wurden. Der Name erscheint 1304 zum ersten Mal. Eine andere Bezeichnung solcher Örtlichkeiten war auch „Rabenstein“.

 

Saalwerder

Blick von der Trothaer Straße in die Saalwerderstraße in Trotha, ca. 1908Blick von der Trothaer Straße in die Saalwerderstraße in Trotha, ca. 1908Der Name Saalwerder gibt die Tatsache wider, dass es sich bei dem Terrain um eine ehemalige Saaleinsel handelt, welche durch einen heute verlandeten Flussarm auf seiner südwestlichen Seite vom Festland abgeschnitten war. Ein Wassergraben bezeichnet heute noch den alten Flusslauf. Eine frühere Bezeichnung der Insel war „St. Paulswerder“. Am östlichen Saaleufer ist die Saalwerderstraße nach der ehemaligen Insel benannt, deren Häuser das alte Unterdorf Trotha bildeten und zunächst Lindenstraße, später bis 1903 Köthener Straße genannt wurden.

 

Schenkteich

Darstellung der Straße Am Schenkteich auf dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 6. 1913Darstellung der Straße Am Schenkteich auf dem Plan der Stadt Halle a/S und Umgebung; Blatt 6. 1913Namen mit der Silbe „Schenk-„ wie Schenkbreite oder Schenkfeld in der Nähe der Broihanschenke in Beesen deuten auf ein Besitzverhältnis zu einem Gastwirt oder Gastwirtschaft hin. Auch bei „Am Schenkteich“ ist dies die naheliegende Erklärung des Namens.

 

Schülershof

Passanten am Schülershof mit Spitze vom Roten Turm im Hintergrund. Foto: Ernst von Brauchitsch, 1895Passanten am Schülershof mit Spitze vom Roten Turm im Hintergrund. Foto: Ernst von Brauchitsch, 1895Es handelt sich ursprünglich um eine recht wohlhabende Ökonomie, welche ab 1266 („hinder des scoleres hove“) häufig in den Schöffenbüchern erwähnt wird und ihren Namen einer Familie Schüler verdankt. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sich das Gebiet durch weitere Ansiedlungen zu einer Straße, welche den Namen der ursprünglichen Niederlassung weiterführte. Die Familie Schüler stellte mit Burghard Schüler 1523 den Oberbornmeister, 1531 mit Lewin Schüler einen Ratsmeister, Thomas Schüler spielte eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Reformation in Halle. Das Geschlecht starb im 17. Jahrhundert aus.

 

Tafelwerder

Blick auf die ehemalige Wasserglasfabrik in Halle Trotha in der Nähe des Tafelwerder, um 1900Blick auf die ehemalige Wasserglasfabrik in Halle Trotha in der Nähe des Tafelwerders, um 1900Der Tafelwerder wurde in mittelalterlichen Lehnbüchern als Werder bei Franzig bezeichnet, der Wüstung, welche der Franzigmark ihren Namen gab. Seine heutige Bezeichnung basiert auf der tafelebenen Oberfläche des Geländes sowie auf der Tatsache, dass der Werder bis 1876 von einem Saalearm umflossen war, der durch die Begradigung des Flusslaufs abgeschnitten wurde.

 

Thaerviertel

Feldarbeiten vor dem Hintergrund der Genossenschaftsbauten der Thaerviertels, um 1930Feldarbeiten vor dem Hintergrund der Genossenschaftsbauten der Thaerviertels, um 1930Das 1863 gegründete Landwirtschaftliche Institut der hallischen Universität (ältestes seiner Art in Preußen) legte zu Forschungszwecken 1866 die noch heute bestehenden Versuchsfelder an. Die Straßen des südwestlich anschließenden neuen Stadtviertels wurden nach Universitätsprofessoren benannt, so dem Chemiker Jacob Volhard (1834-1910), dem Ökonomen Johannes Conrad (1839-1915) und dem Begründer der Argarwissenschaft Albrecht Thaer (1752-1828), dessen Namen das gesamte Viertel erhielt.

 

Töpferplan

Blick in den Töpferplan, um 1900Blick in den Töpferplan, um 1900Der Töpferplan gehört zu den nur noch wenigen erhaltenen Straßen und Plätzen, welche nach Handwerksberufen benannt sind. Das Gebiet um den Töpferplan war um 1660 bereits vollständig bebaut; hier siedelten die Töpfer und übten ihr Handwerk aus. 1706 erwarben sie vom Rat der Stadt den Platz, um ihn zum Trocknen ihrer Produkte zu nutzen, woraus der Name des Platzes hervorging.

 

Trödel

Blick aus der Vogelperspektive vom Schülershof über den Trödel bis zum Marktplatz. um 1920Blick aus der Vogelperspektive vom Schülershof über den Trödel bis zum Marktplatz. um 1920Der Trödel, als schmale Gasse beginnend, die in einen kleinen Platz mündete,  bildete zusammen mit Bechershof und Schülershof eine gehobene Wohngegend der Patrizierfamilien des Mittelalters. Im Zuge der Umgestaltung des Marktplatzes ab 1509 zog der Trödelmarkt in eine Ausbuchtung dieser Straße um. Der damit verbundene Verlust an Ansehen des Viertels bewog die vornehmen Geschlechter zum Wegzug aus dem Terrain, dem der Name Trödel abgeleitet vom Marktgeschehen dort als Bezeichnung verblieb. Der Chronist Olearius zählt den Trödel zu die vier halleschen Marktplätzen neben Alter Markt, Großer Markt und Hallmarkt.

 

Tuchrähmen

Blick auf den Flutgraben am Tuchrähmen. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Blick auf den Flutgraben am Tuchrähmen. Foto: Gottfried Riehm, um 1895Der Name des kurzen, schmalen Weges geht auf das hallesche Handwerk der Tuchmacher zurück. Trotz ungünstiger Verhältnisse durch solehaltiges Wasser bot das reichlich vorhandene Holz gute Bedingungen für den Bau von Webstühlen und die Herrichtung von Rahmenstrecken zum Trocknen der Tuche. Tuchrähmen bedeutet also Trockenplatz, der in der Nähe einer alten Walkmühle lag.

 

Unterplan

Blick in den Unterplan im alten Wohnviertel Glaucha, um 1965Blick in den Unterplan im alten Wohnviertel Glaucha, um 1965Der Name „Plan“ bezeichnet einen kleinen runden Platz in oft noch ländlichem Ambiente, hier handelt es sich um die hintere tiefer gelegene von zwei Ausbuchtungen von Oberglaucha (Glauchaer Straße) im Gegensatz zum oberen Plan. Der Platz wird 1750 durch den Chronisten Dreyhaupt zunächst als Hinterplan bezeichnet. Er berichtet, dass zu dieser Zeit die kleine Amtsstadt Glaucha nicht mehr in drei Wachen eingeteilt sei, sondern nur noch in Glaucha selbst und Oberglaucha, zu letzterem gehörten die Straßen und Gassen Mittelreihe, Oberplan, Hinterplan, das Lerchenfeld und Am Oberglauchaischen Tore.

 

Vogelherd

Luftaufnahme der Vogelweide. Der Vogelherd verläuft in nördlicher Richtung von der Mitte der Vogelweide, um 1935Luftaufnahme der Vogelweide. Der Vogelherd verläuft in nördlicher Richtung von der Mitte der Vogelweide, um 1935Der Name „Vogelherd“ wie auch „Vogelweide“ bezeichnet im ursprünglichen Wortsinn einen Ort, an dem Vögel gefangen werden und war in verschiedener Form sehr verbreitet (siehe auch „Habichtsfang“). Unser Vogelherd ist Bestandteil einer Siedlung, welche bis 1930 durch die Kleinwohnungsbau Halle AG errichtet wurde und ihren Namen jedoch nach Walther von der Vogelweide erhielt und deren Straßen sämtlich nach Vogelarten benannt wurden.

 

Wiedtkenweg 

Luftaufnahme von Reideburg. Der Wiedtkenweg verläuft am oberen Bildrand in nördlicher Richtung, um 1940Luftaufnahme von Reideburg. Der Wiedtkenweg verläuft am oberen Bildrand in nördlicher Richtung, um 1940Der Name „Wiedtken“ entstammt der niederdeutschen Mundart und bezeichnet kleine Weidenbäume. Er bezieht sich hier auf die zahlreichen Weiden, welche den Lauf der Reide begleiten und der Flur ihren Namen gaben. Er steht in keinem Zusammenhang zu „Weide“ als landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Straße wurde 1925 neu benannt.

 

Würfelwiese 

Blick auf die winterlich verschneite Würfelwiese. um 1920Blick auf die winterlich verschneite Würfelwiese. um 1920Sie wurde durch ihre Nutzung zum Gemüseanbau des Klosters Neuwerk zunächst Kohlwiese genannt, auch Kleine Wiese zur Unterscheidung von der Ziegelwiese (Großer Weder). Im Rahmen der weit verbreiteten Feste um die Pfingsttage wurde am Mittwoch nach Pfingsten hier der Knoblauchsmittwoch gefeiert. Dazu wurden auch Glücksspiel- und andere Festbuden errichtet. Vom dort praktizierten Würfelspiel leitete der Volksmund den Namen Würfelwiese ab. Das Fest des Knoblauchsmittwochs wurde 1870 polizeilich verboten, wurde jedoch in unseren Tagen wiederbelebt.

 

Ziegelwiese 

Die alte Ochsenbrücke, die sich am nördlichen Ende der Ziegelwiese, an der Einmündung des Mühlgrabens in die Saale, befindet, um 1900Die alte Ochsenbrücke, die sich am nördlichen Ende der Ziegelwiese, an der Einmündung des Mühlgrabens in die Saale, befindet, um 1900Unter dem Namen „Großer Werder“ wurde die Insel im Mittelalter als Weide für das Vieh des Klosters Neuwerk genutzt. Nach der Steinmühle wurde der südliche Teil der Insel auch „Steinwerder“ oder „Steinmühlenwerder“ genannt. Seit 1693 wurde auf der Insel Lehm zum Brennen von Ziegeln in der Ziegelei des Amtes Giebichenstein (sog. Ziegelscheune) gewonnen. Die Insel wurde auf diese Weise im Niveau vertieft und begradigt und erhielt durch diese Nutzung ihren heutigen Namen. Die entstandene Aushöhlung wurde schließlich mit Wasser gefüllt und als Fontänenteich bzw. Eisbahn genutzt.
 

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