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Ehrenbürger

Dryander, Carl

Überblick

In städtischen Ehrenämtern
Carl Dryander verwaltete die Franckeschen Stiftungen

Am 19. Dezember 1892 beschlossen die Stadtverordneten der Stadt Halle einstimmig, dem unbesoldeten Stadtrat Carl Dryander anlässlich seines Ausscheidens aus dem Magistratskollegium das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.1 Nur wenige Tage später billigte der Magistrat diesen Vorschlag ebenso einmütig, so dass die notwendigen Formalitäten in Angriff genommen werden konnten.

Der Kandidat stammte aus einer alten hochangesehenen hallischen Beamtenfamilie, die um die Wende des 17. Jahrhunderts aus Merseburg eingewandert war. Sein Großvater, Hofrat Dr. Hermann Benjamin Dryander, war Universitätssyndikus, der Vater, Dr. Friedrich August Dryander, dagegen seit 1808 pfännerschaftlicher Syndikus und übernahm sieben Jahre später das bisher von seinem Vater verwaltete Amt an der Universität. Carl Dryander wurde am 30. August 1811 in Halle geboren, besuchte das Pädagogium der Franckeschen Stiftungen und studierte danach Jura an den Universitäten Halle und Berlin. Seine erste Anstellung fand er in der preußischen Hauptstadt als Obergerichtsassessor, wechselte 1843 nach Halle zurück, wo er als Syndikus der Franckeschen Stiftungen die ökonomische Verwaltung dieser berühmten Schulanstalt übernahm. Seine Fürsorge galt den „erwerbenden“ Instituten, also der Buchhandlung und der Buchdruckerei des Waisenhauses, der Cansteinschen Bibelanstalt und der Bibeldruckerei. Als Dryander am 1. April 1868 sein 25-jähriges Dienstjubiläum beging, hieß es in einem Glückwunschblatt der genannten Einrichtungen u. a.: „Die umsichtige und thätige Fürsorge, welche Sie unseren Bestrebungen für die nothwendigen Verbesserungen der technischen Zweige unserer Institute angedeihen ließen, die einsichtsvolle Unterstützung, welche Sie der speculativen und finanziellen Thätigkeit der Buchhandlung widmeten, wird Ihnen stets unsere aufrichtige und herzliche Dankbarkeit sichern.“2

1850, nach dem Tode des Vaters, berief ihn die Pfännerschaft ebenfalls zum Syndikus, wo er erfolgreich die Umwandlung zu einer modernen Unternehmergewerkschaft durchführte. Schon 1846 war der pflichtbewusste Beamte zum Stadtverordneten gewählt worden, um dann am 20. Oktober 1856 als unbesoldeter Stadtrat ins Magistratskollegium einzutreten. Seine umfassende Tätigkeit in diesem Gremium würdigt die durch Ernst Hallberg künstlerisch gestaltete Urkunde in einer aufwändigen Schmuckkassette mit Silberbeschlägen der hallischen Edelschmiede Wratzke & Steiger zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts, die erfolgt „in Anerkennung des Gemeinsinnes, welche derselbe während einer nahezu fünfzigjährigen Wirksamkeit in städtischen Ehrenämtern zunächst als Stadtverordneter, dann als Magistratsmitglied bethätigt, und in dankbarer Würdigung der grossen Verdienste, welche er sich in der Verwaltung der Kirchenangelegenheiten und der Sparkasse, sowie in manchen anderen wichtigen Aufgaben um die gedeihliche Entwicklung unserer Gemeinde erworben hat“.3

Carl Dryander starb am 17. Februar 1897 im 86. Lebensjahr und fand in der Familiengruft auf dem Stadtgottesacker seine letzte Ruhestätte. Ehrende Nachrufe des Magistrats, der Versammlung der Stadtverordneten, des Direktoriums der Franckeschen Stiftungen, der Halleschen Pfännerschaft und des Presbyteriums der Domgemeinde bezeugten die engen Verbundenheiten des Ehrenbürgers mit seiner Vaterstadt.


1 StAH, Ehrenbürgerrecht Bl. 175.
2 StAH, Familienarchiv Nr. 3305.
3 StAH, Ehrenbürgerrecht Bl. 186. 

Beruf/Funktion

Jurist, Syndik. d. Fra. Stiftungen, Stadtrat 

Jahr der Verleihung

1892 

Geburtsdatum

30.08.1811 

Geburtsort

Halle 

Sterbedatum

17.02.1897 

Ort der Beisetzung

Halle, Stadtgottesacker 

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