zur Startseite
Seite durchblättern:

Persönlichkeiten

Alle Persönlichkeiten Strukturansicht
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZAndere

Ehrenbürger

Herzfeld, Ludwig

Überblick

Ein Mann mit Zivilcourage
Geheimer Justizrat Ludwig Herzfeld – erfolgreicher Verteidiger im Sozialistenprozess von 1888

Am 10. Oktober 1899 stellte Oberbürgermeister Gustav Staude an die hallische Stadtverordnetenversammlung den Antrag, dem
Justizrat Ludwig Herzfeld das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.1 Der Anlass war das 60-jährige Amtsjubiläum des verdienten Juristen, der zugleich mit seiner Gattin im selben Monat das Fest der goldenen Hochzeit feiern konnte. Ludwig Herzfeld stammte aus der kleinen schlesischen Landstadt Guhrau, wo er als Sohn eines Kaufmanns am 12. September 1819 zur Welt kam. Mit seinem Bruder bezog er das evangelische Gymnasium in Glogau, um dann an der Universität Berlin die Rechte zu studieren. Er bestand 1840 das Auskultatorexamen und arbeitete dann beim Landgericht Görlitz und dem Oberlandesgericht Glogau. Die Assessorprüfung folgte 1846 in Berlin. Herzfeld war in verschiedenen Bereichen tätig, ehe er sich Ostern 1849 als Rechtsanwalt und Notar in Sprottau niederließ. Hier wirkte er schon als Stadtverordneter, ging aber 1870 nach Halle. Er baute sich eine umfangreiche Praxis auf und schuf sich durch sein kommunalpolitisches Engagement einen guten Ruf.

Herzfeld war ein Mann mit Zivilcourage und vertrat seine Ansichten mit seltener Unerschrockenheit. So verteidigte er wiederholt durch das Bismarcksche Sozialistengesetz verfolgte Sozialdemokraten und erreichte im großen so genannten Sozialistenprozess im Februar 1888 vor dem Landgericht Halle durch seine präzise Verteidigung den Freispruch aller Angeklagten.

Die Stadtverordneten billigten einmütig die vorgeschlagene Ehrung Ludwig Herzfelds. Der Text der Verleihungsurkunde bestätigt, dass ihm das Ehrenbürgerrecht „in Anerkennung des stets opferwilligen Gemeinsinnes, welchen derselbe viele Jahre hindurch in städtischen Ehrenämtern bestätigt, und in dankbarer Würdigung der großen Verdienste, welche er sich im öffentlichen Bauwesen, in der Sparkassen- und Finanzverwaltung sowie in vielen anderen wichtigen Aufgaben um die gedeihliche Entwicklung unserer Gemeinde erworben hat“2, verliehen worden sei.

Der Text war auf Pergament geschrieben und mit farbigen Initialen verziert. Die zylinderförmige silberne Kapsel, auf einem Untergestell ruhend, war eine Arbeit der hallischen Firma Wratzke & Steiger. Am 2. November 1899 bedankte sich Justizrat Herzfeld beim Magistrat und schrieb: „Die hiesigen städtischen Behörden haben durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an mich meine geringen Verdienste um das Gemeinwesen unserer Stadt Halle in einer Weise belohnt, wie meine kühnsten Hoffnungen nicht zu erwarten berechtigt waren, und die Art, wie die Überreichung des Ehrenbürgerbriefes durch die berufensten Vertreter der Stadtgemeinde an dem Tage der fünfzigsten Wiederkehr meiner ehelichen Verbindung mit meiner Gattin erfolgte, hat für uns beide Ehegatten die Feier dieses Tages zu einer besonders ehrenden gemacht.“3

Am 1. Januar 1900 schied Herzfeld aus dem juristischen Staatsdienst aus. Neun Jahre später an seinem 90. Geburtstag erhielt er den Titel Geheimer Justizrat. Der Ehrenbürger starb im 92. Lebensjahr am 24. August 1911 und wurde auf dem Nordfriedhof zu letzten Ruhe gebettet.


1 StAH, Ehrenbürgerrecht Bd. 2 Bl. 29 f.
2 Ebd. Bl. 31.
3 Ebd. Bl. 33. 

Beruf/Funktion

Rechtsanwalt, Verteid. im Sozialistenprozess 

Jahr der Verleihung

1899 

Geburtsdatum

12.09.1819 

Geburtsort

Guhrau 

Sterbedatum

24.08.1911 

Ort der Beisetzung

Halle, Nordfriedhof 

 

Anzeige HWG

Anzeige Dorint Hotel - Charlottenhof Halle (Saale)