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Ehrenbürger

Dehne, Albert

Überblick

Engagierter Industrieller
Albert Dehne und Louis Jentzsch gemeinsam ernannt 

Während der Magistrat der Stadt Halle am 6. November 1903 eine Ehrung für den Fabrikbesitzer Louis Jentzsch vorschlug, beschloss die befragte Stadtverordnetenversammlung am 16. November jenes Jahres nicht nur ihn, sondern auch den Geheimen Kommerzienrat Albert Dehne zum Ehrenbürger zu ernennen.1 Zum ersten Male waren damit zwei hallische Industrielle in der Reihe der Ausgezeichneten, zu der bisher vorwiegend Staatsbeamte, Künstler und Kommunalpolitiker gehörten.

Albert Ludwig Georg Dehne stammte aus Halle, wo er am 13.
September 1832 als Sohn eines Hauptsteuer-Amtsassistenten geboren wurde. Er erlernte das Handwerk eines Mechanikers und Optikers und eröffnete 1857 eine Werkstatt in der Großen Märkerstraße. Sie entwickelte sich rasch zur Armaturenfabrik und dann zu einer der bedeutendsten Maschinen- und Armaturenfabriken und Eisengießereien. Sie wechselte schon 1862 aus der Altstadt in die Schimmelstraße. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gelang dem Dehneschen Unternehmen der Durchbruch, denn damals führte die Zuckerindustrie Filterpressen ein, die das Werk in hervorragender Qualität in 800 Variationen lieferte. Daneben produzierte man Armaturen für Wasser- und Gasleitungen, Kanalisationen, Pumpen und Dampfmaschinen; die Eisengießerei stellte um 1890 täglich 20000 Kilo fertigen Guss her. Insgesamt beschäftigte die Dehnesche Fabrik in dieser Zeit zwischen 800 und 900 Arbeiter und eroberte sich einen Spitzenplatz innerhalb der Branche. Albert Dehne kümmerte sich leidenschaftlich um die kommunalen Belange seiner Vaterstadt und gehörte 13 Jahre der Versammlung der Stadtverordneten als Abgeordneter an. Zweifelsohne gehörte er zu den reichsten Industriellen der Stadt Halle, die sich in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in atemberaubendem Tempo zur Industriegroßstadt entwickelte.
Bei zahllosen Anlässen unterstützte er humanitäre, kommunale und wissenschaftliche Projekte, für die er bedeutende Summen bereitstellte. Am bekanntesten ist seine Spende von 250000 Mark für das große Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Poststraße (heute Hansering), das vom Architekten Bruno Schmitz, Schöpfer des Kyffhäuserdenkmals, 1901 erbaut und nach 1945 abgetragen wurde. Auch seine Frau Antonie war stark engagiert und kümmerte sich um die Kranken- und Verwundetenpflege, gehörte ab 1882 dem Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins an, dessen Vorsitz sie 1901 übernahm. Im Jahre 1896 gründete sie die Kinderheil- und Pflegestätte in der Ludwigstraße 37, die in jeder Weise gefördert wurde.

Die Ehrenbürgerurkunde für Albert Dehne rühmt ihn als „den Begründer unserer blühenden Maschinenindustrie“, dem die Auszeichnung zuteil wird „eingedenk seiner früheren sehr ersprießlichen Wirksamkeit als Stadtverordneter und in dankbarer Anerkennung seines allezeit, namentlich bei Errichtung unseres Kaiserdenkmals in hervorragender Freigebigkeit betätigten Gemeinsinns“.2 Der Königliche Geheime Kommerzienrat und Ehrenbürger Albert Dehne verstarb nach langer schwerer Krankheit im 74. Lebensjahr am 9. Februar 1906 und fand auf dem Stadtgottesacker seine letzte Ruhestätte. Der Magistrat benannte schon 1902 eine neue Straße, die vom Markt zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal führt, nach dem Industriellen, die allerdings auf Drängen von Parteifunktionären im März 1959 umbenannt werden musste. Durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 19. Dezember 1990 wurde erneut eine Straße nach Dehne benannt.


1 StAH, Ehrenbürgerrecht Bd. 2 Bl. 45 f.
2 Ebd. Bl. 48. 

Beruf/Funktion

Unternehmer, Besitzer einer Maschinenfabrik 

Jahr der Verleihung

1903 

Geburtsdatum

13.09.1832 

Geburtsort

Halle 

Sterbedatum

09.02.1906 

Ort der Beisetzung

Halle, Stadtgottesacker 

 

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