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Archivale des Monats April 2019

 Die Brottaxe – Bekanntmachungen aus historischen Akten

Auszug aus AkteDas im Bestand „Historische Akten“ befindliche Schriftgut zum Marktwesen enthält zahlreiche Informationen zu den halleschen Wochen-, Jahr- Korn- und Viehmärkten und Händlern im 18. Jahrhundert. Neben den Handwerkern waren die Anbieter von Lebensmitteln, die sogenannten Viktualienhändler, in großer Zahl vertreten. Auf dem „ungepflasterten Raum“ zwischen dem Roten Turm und der Kirche Unser lieben Frauen hatten z.B. die Fleischer ihre Stände.

Wie der Titel der vorliegenden Akte verrät, gibt sie Einblick in die „Brot-, Mehl-, Fleisch- und Bier-Taxe“ vor 250 Jahren. Keine Sonderangebote sondern festgesetzte Preissätze der auf dem halleschen Markt verkauften Nahrungsmittel wurden hier tabellarisch erfasst und Händlern und Käufern an öffentlichen Stellen zur Kenntnis gegeben. Die an den Ecken des Dokuments erkennbaren Löcher lassen die Verwendung als Aushang erkennen. In Abhängigkeit von der Marktlage erfolgte monatlich eine Regulierung der Preise durch Beauftragte des Markt- und Polizeiamts Halle. Zuwiderhandlungen wurden geahndet. So drohte den Schlächtern bei Verkauf von Fleisch „über die gesetzte Taxe“ hinaus Geld- oder Gefängnisstrafe.

Die Bekanntmachungen sind nicht nur eine wichtige wirtschaftsgeschichtliche Quelle, sie weisen auch auf die Ernährung des 18. Jahrhunderts. Rezepte mit „Gekröse“ und „Geschlinge“ sind in modernen Kochbüchern wohl kaum zu finden. Gemeint sind die Innereien vom Kalb, die nach den Empfehlungen in der Krünitz´schen Encyklopädie und Zedlers Lexikon in jener Zeit zur Zubereitung eines Frikassees verwendet wurden.

Abbildung:
Aushang für die im Februar 1759 geltenden Preise aus der Akte „Die Monatliche Semmel-Brodt- Mehl- Fleisch und Bier-Taxe Anno 1758/59“ (A 1.1.9 Kap. IX Abt. E Nr. 7)

 

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