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Archivale des Monats April 2020

Plan des Reichsbahngeländes Halle, ca. 1930, Format ca. 61 cm x 46 cm, unvollständig, ohne Maßstab
 

Die ausgewählte Archivalie ist ein Plan des Reichsbahngeländes Halle mit der Darstellung des Bereiches zwischen Delitzscher Straße und Berliner Straße. Darauf kann man die Bahnlinien für Personen- und Güterverkehr und deren Einteilung sowie Lokschuppen, Stellwerke, Laderampen und Zufahrtsstraßen erkennen. Zudem sind im oberen Bereich der Karte Gleisanschlüsse an private Industriebetriebe zu sehen. Der Plan ist leider nicht vollständig, da der untere und rechte Rand fehlen. Die Archivalie befindet sich in dem Bestand S 11.2 Karten- und Plansammlung mit der Signatur C 722. Ergänzend zu dem Schriftgut der Stadt und ihren Einrichtungen sammelt das Stadtarchiv Halle in diesem Bestand Archivalien mit Bezug zu Halle.

Auf den ersten Blick sind die Bahnanlagen und ihre Ausdehnung sehr beeindruckend. Dies kann man mit der rasanten Entwicklung des Eisenbahnknotenpunktes Halle erklären. Am 18. August 1840 wurde die Trasse Magdeburg – Halle – Leipzig feierlich eröffnet. Und da man drei deutsche Staaten miteinander verband – das Königreich Preußen, das Herzogtum Anhalt – Köthen und das Königreich Sachsen, zählt sie zugleich als die erste Fernbahn Mitteleuropas. Bis 1872 wurden fünf weitere Linien, z. B. nach Kassel und Halberstadt, durch mehrere Eisenbahngesellschaften in Betrieb genommen. Die zügige Expansion machte den reibungslosen Betrieb immer schwieriger. Rufe nach Umbauten der Bahnanlagen und einem gemeinsamen Güterbahnhof wurden laut. Doch die verschiedenen Akteure konnten sich nie einigen – meistens wegen der Kosten. Erst durch die Verstaatlichung mehrerer Eisenbahngesellschaften bis 1884 konnte die Umgestaltung der halleschen Bahnanlagen erfolgen. 1889, ein Jahr vor Eröffnung des neuen Bahnhofsgebäudes, wurde der neue Güterbahnhof für den Verkehr freigegeben.

Durch weitere Verstaatlichungen und den Ausbau des Streckennetzes wuchs das preußische Eisenbahnnetz bis 1890 stetig an und machte die Neuordnung der Verwaltung notwendig. Im Zuge dessen wurde 1895 die „Königliche Eisenbahndirektion Halle“ gebildet. Ihre Bedeutung wuchs durch den wachsenden Durchgangs- und Eigenverkehr und Halle wurde die „Dreh-scheibe“ in Preußen. Nach der Übernahme der Staatsbahnen durch das Deutsche Reich am 1. April 1920 erhielt sie die Bezeichnung „Reichsbahndirektion Halle“.

Die Entwicklung des Eisenbahnknotenpunktes Halle und des Güterbahnhofs ist damit nicht beendet. Zuletzt wurde die Anlage von 2012 – 2018 modernisiert und umgebaut. Der Grund-stein dafür wurde bereits im 19. Jh. gelegt. Und der vorliegende Plan lässt uns diese Entwicklung bestaunen.

Literatur:
Neumann, Peter: 1840 – 1990 150 Jahre Eisenbahnen in Halle (S.), 100 Jahre Hauptbahnhof Halle (S.) 1890 – 1990, Halle 1990.
Kommission „Betriebsgeschichte“ des Güterbahnhofs Halle (Hg.): 100 Jahre Güterbahnhof Halle 1889 – 1989, Halle 1988.