zur Startseite
Seite durchblättern:
Seite 10 / 13

Archivale des Monats September 2022

Eine seltene Ansicht der Moritzburg

2021 konnte der Bestand „Sammlungen“ des Stadtarchivs durch eine Mappe mit Ansichten der Stadt Halle zwischen 1840 und 1890 bereichert werden. Auf die einzelnen Seiten sind Stiche, Aquarelle, Drucke, Bleistiftzeichnungen geklebt. Neben den hier wohl als Bildvorlagen dienenden Grafiken finden sich Zeichnungen von Schülern der Franckeschen Stiftungen. An der dort integrierten Lateinschule und Realschule wurden wöchentlich vier Stunden Zeichenunterricht erteilt. Neben Theorie der Perspektive erhielten die Schüler Gelegenheit zum Zeichnen nach der Natur. Dazu standen Vorzeichnungen jeglicher Art zur Verfügung, wozu sicher auch die Grafiken der Mappe gehörten.
Ein sehr seltenes Bildmotiv wählte der Schüler Grassmann mit der 1857 datierten Ansicht. „Das Innere der Moritzburg“. In dieser Zeit waren militärische und gewerbliche Einrichtungen dort untergebracht und viele Hallenser kannten die Moritzburg von innen überhaupt nicht.
Hinter einem mit Bäumen umstandenen Rondell erhebt sich die langgezogene Ruine des Westflügels mit dem spätgotischen Eingang und dem markanten Kielbogenportal. Links schließt sich ein 1750 errichtetes Fachwerkhaus an, welches als Waffenlager und Werkstätten der Schuster und Schmiede diente und Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. An dessen Stelle sieht der Besucher heute den 1902-1904 errichteten Museumsbau, der dem Thalhaus nachempfunden wurde. Dieser ehemalige Amtssitz des Salzgrafen hatte 1882 bei der Neugestaltung des Hallmarkts weichen müssen. Außerdem befand sich im Hof der Moritzburg ein rechts im Bild dargestelltes Gebäude.

Dieses und andere Ansichten der Mappe deuten auf zeichnerisches Talent der Schüler hin. Zum Urheber der vorgestellten Zeichnung konnte bisher nichts Näheres ermittelt werde

 
Grassmann, Das Innere der Moritzburg, Bleistiftzeichnung 1857