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Häuser und Gesichter. Halle 1983-1985

Häuser und Gesichter - Foto von Helga Paris(halle.de) Zur 1200-Jahrfeierzeigt das Stadtmuseum eine Ausstellung, die für Halle von besonderer Bedeutung ist: Die fotografische Serie von Helga Paris „Häuser und Gesichter. Halle 1983 - 1985“ sollte bereits 1986 präsentiert werden, wurde jedoch einige Tage vor ihrer Eröffnung auf „Empfehlung“ der Staatsmacht abgesagt und beim wiederholten Versuch 1987 verboten.

Der Katalog zur Ausstellung zeigte realistische, sachliche Fotografien, die offensichtlich nicht den parteipolitischen Vorstellungen von einer DDR entsprachen, in der optimistische Bürger in zweckdienlichen Wohnungsbauten lebten. Helga Paris selbst betonte: „Ich habe Halle fotografiert wie eine fremde Stadt in einem fremden Land -  versucht, alles, was ich wissen und verstehen könnte zu vergessen. So als hätte ich beispielsweise Rom fotografiert.“

Eröffnet wurde die Ausstellung am Mittwoch, dem 15. März 2006




Helga Paris, KinderHelga Paris ist als Autodidaktin keiner fotografischen Schule zuzurechnen. 1938 in Berlin geboren und dort lebend, vermied es die freischaffende Fotografin früher sogar, Fotobücher anzuschauen, um nicht beeinflusst zu werden. Mit Beginn der 80er Jahre konzentrierte sie sich auf  Porträtfotografie. In mehreren Projekten dokumentierte sie das Berliner Lebensumfeld: Kneipen, Jugendliche und Frauen bei der Arbeit. Die Aufnahmen sind mit natürlichem Licht ausgeleuchtet und in Schwarzweiß gehalten.
Helga Paris gibt dafür eine schlichte Begründung: „Es ist noch so viel zu tun in Schwarzweiß.“

Im Vorwort des Katalogs von 1986 schreibt Prof. Helmut Brade:

"Helga Paris gehört zu den wichtigsten Fotografen dieses Landes. Dass sie, die Berlinerin, in Halle fotografiert hat, war zuerst ein Zufall. Es ist gut, dass sie nicht aufhören konnte, dass sie als eine Fremde der Faszination unserer Stadt erlegen ist und tiefer eindringen wollte in ihre Wirklichkeit und ihre Geheimnisse.


Wir, die Bewohner, müssen nun die Kraft aufbringen, diese fremde Sicht aufzunehmen, vielleicht sogar, um Schlüsse zu ziehen. Das industrielle Zeitalter hat die Stadt Halle sehr verändert. Das ist Schritt für Schritt und ganz unmerklich geschehen. Luft und Wasser sind anders geworden, die Häuser und auch die Menschen. Jede Veränderung erschien innerhalb der Entwicklung sinnvoll und fortschrittlich. Zusätzlich aber sind Besonderheiten entstanden. Die Stadt ist grau, die Luft schwer, der Fluß dunkel. Die Menschen haben andere Furchen im Gesicht, einen anderen Ausdruck. Wir müssen überlegen. wie sehr die Vorteile des neuen Lebens mit manchen Nachteilen in Beziehung stehen. Eines ist sicher: der allgemeine Wohlstand war nie so groß und auch die Ansprüche sind ins Unermessliche gewachsen.

Der einzelne Mensch bemerkt die Veränderungen nicht unbedingt. Er sieht seine Welt nicht von außen, er ist hineingewachsen, ist Bestandteil. Ein Fremder hat frische Sinne und wenn er zufällig Fotograf ist, die Entwicklung nicht kennt und vorurteilslos hinguckt, kann er erstaunliche Bilder machen.
Helga Paris hat von 1983 bis 1985 regelmäßig in Halle fotografiert. Ihre Wege waren nicht durch stadt- oder kunstgeschichtliche Studien beschwert, sie ist ganz ihrem fotografischen Instinkt gefolgl. Sie zeigt uns: So sieht es jetzt aus in Halle. Sie hält einen Zustand fest ohne Bewunderung und ohne Kritik. Sie wertet nicht, das ist ihr besonderes Verdienst. Sie sucht nicht das Schlimme, weil es fotografisch interessant ist. Sie sucht die Wirklichkeit, wie sie auch aussieht.
... Helga Paris hat Entdeckungen gemacht. Man wundert sich fast ein wenig über den unerwarteten Reichtum. Auch hat sie historische Dokumente geschaffen, die schon jetzt wertvoll sind. Sie hat ihre Liebe und Freundlichkeit eingebracht und Freundlichkeit und Offenheit erfahren. Ihre Bilder sind menschlich und voller Hoffnung. Sie hat nicht für sich fotografiert. sondern für uns."

Die Ausstellung, Initiativprojekt der in Halle ansässigen Kulturstiftung des Bundes, wurde vorbereitet von der Galerie Marktschlösschen und dem Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit der Stiftung Moritzburg.
Sie ist bis zum 30. April, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, zu sehen im Christian-Wolff-Haus, Große Märkerstraße 10.

Auf Grund hoher Besucherzahlen wird die Ausstellung um einen Tag verlängert. Interessierte haben nun bis zum Montag, dem 1. Mai 2006, von 10 bis 17 Uhr, die Möglichkeit sich die Fotografien von Halle im Stadtmuseum – Christian-Wolff-Haus, Große Märkerstraße 10, anzuschauen.

Das Buch zur Ausstellung

Der Mitteldeutsche Verlag edierte den Fotoband „Diva in Grau – Häuser und Gesichter in Halle“.
Seit Jahren im Buchhandel vergriffen, erlebt dieses Buch im März 2006 eine überarbeitete Neuauflage.

Diva in Grau. Häuser und Gesichter in Halle
Fotografien von Helga Paris
Mit Texten von Wilhelm Bartsch, Heinz Czechowski, Elke Erb, Jörg Kowalski, Christa Moog, Detlef Opitz
Herausgegeben von Jörg Kowalski und Dagmar Winkelhofer
Format 26,5 x 30 cm, geb., ca. 136 Seiten, ISBN 3-89812-361-8; ET: März 2006

Große Städte im Osten heißen Spreeathen oder Elbflorenz, Halle nennt man »die graue Diva« oder - wenn man das inzwischen veränderte Halle meint -  »die nicht mehr graue Diva«. Woher dieser Name kommt, wissen inzwischen nur noch Insider, für die der 1990 erstmals im Mitteldeutschen Verlag erschienene und schnell vergriffene Band »Diva in Grau« längst zum Kultbuch geworden ist.
Mehr denn je ist das Buch ein schaurig-schönes Dokument über den Zustand ostdeutscher Großstädte vor dem Ende der DDR. Er ist auch ein Beleg dafür, dass eine Gesellschaft, die dergleichen zugelassen hat, keine Zukunft haben konnte. Die ambivalenten Texte und Gedichte von Autoren zu Halle korrespondieren mit den Fotos auf spannungsvolle Weise.

Helga Paris, geboren 1938 in Gollnow (Pommern), zählt zu den herausragenden Fotografinnen Deutschlands.
Nach dem Studium der Modegestaltung in Berlin begann sie 1964 mit fotografischen Arbeiten. Sie ist seit 1996 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Heute lebt sie als freischaffende Fotografin in Berlin. Ausstellungen u. a. Musée de l’Èlysée Lausanne, Staatliche Galerie Moritzburg Halle, Martin-Gropius-Bau Berlin, Kunsthalle Malmö, Haus der Geschichte Bonn, Neue Nationalgalerie Berlin, Akademie der KünsteBerlin, Sprengel Museum Hannover.
Hannah-Höch-Preis 2004 der Berlinischen Galerie.
 

06.03.2006

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