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Standort 1: Riebeckplatz.   Was sind uns die Hochhäuser wert?

Der Ort

Der Riebeckplatz ist einer der größten innerstädtischen Verkehrsknoten in Deutschland und wichtigstes Eingangstor der Stadt Halle. Mit seinen beiden 22-geschossigen Punkthochhäusern ist er der mächtige Höhepunkt der Magistrale, an der sich die Städtebauliche Moderne mit einer Kette von Punkthochhäusern entfaltet. Für das Großensemble zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone Leipziger Straße wurde vor 40 Jahren ein ganzes Altstadtquartier beseitigt. Aber erst mit einem weiteren, 2006 fertig gestellten Totalumbau für 35 Millionen Euro ist der Stadt eine gute Verkehrsregelung für alle Verkehrsteilnehmer gelungen. Den Umbau löste ein großes Straßenbahnprojekt entlang der Magistrale aus, das Neustadt mit der Innenstadt verknüpft und inzwischen allseits anerkannt wird – gerade auch von den Neustädtern. Täglich kreuzen tausende Passanten und Radfahrer und bis zu 85.000 Fahrzeuge des Nah- und Fernverkehrs den Platz, dazu fahren die Straßenbahnen im Minutentakt.

Das Thema

Die greifbaren Vorzüge des Platzumbaus beschränkten sich bislang auf den Verkehrsknoten selbst. Die um 80 Prozent gesunkenen Unfallzahlen und die urbane Platzgestaltung sind ein großer Erfolg. Aber die beiden Hochhäuser standen auch noch im Abschlussjahr der IBA komplett leer. Das Umfeld des Platzes wird als desolat eingeschätzt, es fehlt das „urbane Flair“. Steht ein weiterer Umbau an?
Die leeren Hochhäuser am Riebeckplatz stehen für Vieles: für den klassischen Konflikt zwischen städtebaulich Wünschenswertem und wirtschaftlich Realisierbarem, für Stadtsymbol und Doppelstadt. Sie stehen für die Kunst, die richtigen Prioritäten des Stadtumbaus zu setzen bei knappen Mitteln und schrumpfender Nachfrage. Und nicht zuletzt stehen sie für die Fähigkeit und Bereitschaft der Hauptakteure, bald zu einem Konsens zu finden.

Die Fragen

Welche Rolle spielen die Hochhäuser für die Stadt und speziell den Riebeckplatz?
Wie realistisch ist eine Sanierung und Wiedernutzung der Hochhäuser bei stadtweit schrumpfender Nachfrage und hoher Verkehrsbelastung? Welche Opfer wären dafür zu erbringen?

Das IBA-Projekt

Im Mittelpunkt stand der „Hochhaustisch Riebeckplatz“. Seine Aufgabe war es, eine fundierte Entscheidung zur Zukunft der Hochhäuser vorzubereiten. Alle Optionen standen dabei offen : Erhalt der Hochhäuser, Neubau von einem oder zwei Hochhäusern oder neue Lösungen ohne Hochhäuser. Der Entscheidungsbefugnis der Eigentümerin (Hallesche Wohnungsgesellschaft HWG) und der Stadt wurde damit nicht vorgegriffen. Diskussionsgrundlage war ein von der HWG im Jahre 2007 ausgelobter Hochbauwettbewerb zum Erhalt der Hochhäuser und dessen Weiterbearbeitung im Jahre 2008 einschließlich umfangreicher Kosterermittlungen und einer vertiefenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchung.

Der Hochhaustisch tagt am 27.08.08 im Dorint-Hotel. V.r.m.l.: P. Kramer, Prof. T. Sieverts und Dr. T. Pohlack (stehend), OB D. Szabados, Dr. F. BusmannDer Hochhaustisch tagte am 27.08.08 und am 26.03.09, jeweils mit Vertretern des Bauministeriums Sachsen-Anhalt, der Ratsfraktionen, der Verwaltungsspitze, der Geschäftsführung und des Aufsichtrates der HWG, des Architekturkreises Halle und der IBA-Koordinierung. Externe Moderatoren leiteten die Diskussion, unabhängige Experten für Statik, Brandschutz und Energieeinsparung wirkten mit. Er kam zu einem klaren Ergebnis:
Eine den heutigen technischen und rechtlichen Anforderungen genügende umfassende Sanierung führt zu extrem hohen Bau- und Betriebskosten bei ungünstiger Raumausnutzung. Die daraus resultierenden hohen Mieten sind nicht zu erwirtschaften bzw. müsste die Marktmiete mit einem hohen öffentlichen Zuschuss von über 6 Mio EUR pro Haus aufgestockt werden. Ein Erhalt der Hochhäuser, obschon für viele wünschenswert, ist nicht mehr zu rechtfertigen. Neubaulösungen wurden ebenfalls mit hoher Priorität untersucht. Auch hier ergab sich keine realisierbare Alternative.

eingerüstetes Hochhaus mit Minibagger auf Baugerüst, im Hintergrund ist die Pauluskirche zu sehenDas Ergebnis des Hochhaustisches hat eine kritische öffentliche Diskussion ausgelöst und den Versuch, den Abbruch der Hochhäuser durch ein Bürgerbegehren zu verhindern. Die eindeutigen Befunde des Hochhaustisches wurden jedoch kommunalpolitisch nicht mehr in Frage gestellt. Im Juni 2010 startete die HWG den Abbruch des nördlichen Hochhauses.

Die „endgültige“ Gestaltung der Abbruchstandorte bleibt dringlich. Stadt und HWG arbeiten an einem Konzept zur Zwischennutzung.
 

Logo IBA Stadtumbau 2010

Wegweiser

Standort

Riebeckplatz
06112 Halle (Saale)

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Ansprechpartner

Projektbetreuung Stadt Halle (Saale)

Michael Kettel 

0345 221-4881

0345 221-4851

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HWG

Dr. Heinrich Wahlen, Geschäftsführer

0345 5272000

E-Mail

 

Christian Zeigermann

0345 5271718

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