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Ergebnisse der Städtbauwerkstatt

Fünf Architektur- und Planungsbüros (däschler Architekten BDA, Halle (Saale); Großmann-architektur, Halle (Saale); Max Dudler Architekten AG, Berlin; ZILA Freie Architekten, Leipzig und SMAQ – architecture urbanism research, Berlin) haben städtebauliche Leitbildideen für den Riebeckplatz erarbeitet. Diese wurden in einer dreitägigen Städtebauwerkstatt im Juni 2014 unter Beteiligung der Bürgerschaft entwickelt, danach noch einmal durch die Büros weiterbearbeitet und am 7. Juli 2014 einem Gutachtergremium vorgestellt. Das Gutachtergremium fasst nun die wichtigsten Erkenntnisse der Vorstellung zusammen, welche der Verwaltung als Empfehlung für ein zukünftiges Leitbild dienen sollen. Die Entwürfe im Einzelnen:

Büro Dudler
„Wir schlagen eine weitere Ebene vor, die zwischen den unterschiedlichen Maßstäben vermittelt. Es handelt sich um städtebauliche Strukturen, die einerseits alle Attribute des europäischen Stadtbaus aufweisen, andererseits in ihren Höhen und volumetrischen Konstellationen den Maßstab der modernen Stadt aufnehmen. Das bezieht sich auf stadträumliche, aber auch um gebäudetypologische Qualitäten. So entstehen Straßen, Gassen, Plätze, und Treppenanlagen, die in räumlicher Beziehung zur Altstadt, aber auch zum Riebeckplatz stehen. Für die Bebauung schlagen wir einen Gebäudetypus vor, der in seiner Basis den Maßstab und die Traufhöhe der gründerzeitlichen Stadt aufnimmt, aber an den entsprechenden Stellen darüber hinauswächst und in einer zweiten Ebene die Höhen der modernen Bauten erreicht. Damit kann eine klare Differenzierung geschaffen werden, die aber keinen Bruch, sondern Identität und Lesbarkeit schafft. An wichtigen Punkten, wie am Stadteingang oder den wichtigen Endpunkten des Raumes können Höhepunkte geschaffen werden, die im Verhältnis zur Basis deutlich hervortreten. Neben der eindeutigen Grundform des großen Raumes entsteht auch seine charakterliche Silhouette, die sich auch in der Höhenentwicklung einfügen kann in die Gesamtkomposition der Stadt. Dies können wir auch an den beschriebenen Beispielen betrachten. Die entstehenden Stadträume bieten in Form von kleinen Plätzen und Straßen Schutz und Aufenthaltsqualität. Die Nutzungen orientieren sich nach innen. Aber es bleibt die Verbindung, so wie Frankfurts Gassen am Mainufer enden und Hamburgs Straßen zur Binnenalster führen.“ 

Büro SMAQ
„Das Konzept (…) basiert auf der Reinterpretation der verschiedenen topographischen Ebenen, Stadthorizonte und Zeitschichten. 1. Die Portiers sind vier bzw. sechs figurative Solitäre, die paarweise den Verkehrsraum überkreuzende diagonale Beziehungen herstellen. Zwei von ihnen sind als 14-geschossige Hochpunkte ausgeprägt, deren Setzung die ökonomische, verkehrliche und kulturelle Verschiebung des 21. Jahrhunderts widerspiegelt. (…) 2. Zwei weitere 5- und 6-geschossige Portiers greifen unter den Straßen hindurch und schließen in einer Art Handschlag an das Rondell an. Sie aktivieren die untere Riebeckplatzebene. Bildung, Kultur und das Schaufenster des Kongresszentrums geben räumliche Tiefe und bilden die programmatische Mitte des Dienstleistungszentrums. Die Bereiche unter der Straße werden durch Oberlichter in den Verkehrsinseln großzügig belichtet und wirken in den öffentlichen Bereich hinein. 3. Die Portiers stehen vor einem baulichen Rahmen, welcher die Riegelbauten der Nachkriegsmoderne einbindet. Von dort markieren sie von den anderen Platzseiten sichtbar die Zugänge zu den anschließenden Stadtgebieten. (…) 4. Der rote Teppich greift die gründerzeitliche Schmuckfunktion des alten Platzes auf und stellt die Hochstraße als Monument der 60er/70er Jahre frei. Das bestehende Verkehrsgrün wird nicht als „Grün“ wahrgenommen. Daher soll die Vegetation eine andere Farbe bekommen: Der Flor wird durch rot und blau blühende Wiesenstauden, Gräser und Kräuter gebildet. Durch den autofreien Brückentag lässt sich die Hochstraße als benutzbares Bauwerk erfahren. Es wird für Skater, Radfahrer, Fußgänger und kulturelle Aktivitäten freigeben. Höhepunkt des Tages ist das Werfen von Samenbomben, welche die Fläche nach Aufgehen der Saat einfärben.“

Büro ZILA
„Die Entwicklung des gesamten Areals folgt dem Konzept von Transformation und Verdichtung. So erfolgt parallel mit der Umsetzung konkreter Gebäude und Bauabschnitte immer die Umformung der identitätsstiftenden Verkehrsstruktur. Zur Stärkung der Vernetzung von Innenstadt und Bahninfrastruktur wird in der ersten Phase der Eingang zur Innenstadt und der Zugang zum Hauptbahnhof baulich besetzt. Zeitgleich werden die vorhandenen Bewegungsflächen für Fußgänger und Radfahrer aufgewertet. Das Hochhaus als städtebauliche Markante visualisiert den Auftakt der zukünftigen Entwicklung des Riebeckplatzes. Danach erfolgt die Etablierung der Kopfbauten im Bereich des Nordost- und Südwest-Quadranten. Die Überformung der Ebene des Autoverkehrs wird im nächsten Schritt umgesetzt. Dabei wird die Ebene für Radfahrer und Fußgänger nutzbar gemacht und der Grünraum des Verkehrsbauwerkes aufgewertet. Abschließend werden die nördlichen und danach die südlichen Baufelder abschnittsweise entsprechend der benötigten Nutzung entwickelt. Stadtnahe Funktionen werden im Westen, größere autarke Gewerbe- und Dienstleistungsstruktur im Osten des Gesamtgebietes etabliert. Den Schluss bildet die Transformation der Hochstraße mit der Anbindung an die unteren Platz- und Verkehrsflächen.“

Büro däschler
„Halle ist wieder sichtbar": Der Tower
Die beiden Hauptschlagadern der Doppelstadt Halle – Magistrale und Boulevard - spitzen sich in einem hohen Office-Tower zu, der an der richtigen Stelle ein markantes Zeichen setzt. Er schirmt den störendsten Teil des Verkehrslärms ab, verschiebt den Platz nach Norden und schafft so die Zonierung in Weg- und Ortraum (…)
RadHighWay – die Logistikverbindung
Der (…) neue „Rad-Highway“ verbindet den Busparkplatz bzw. westlichen Bahnhofsausgang mit dem Nordostquadranten. So entsteht die lang ersehnte, flüssige niveaugleiche Radwege- und Fußgängerverbindung auf Ebene 0. (…)
Das Riebeckrondell – den gordischen Knoten lösen
Zwei neue Durchstiche in das Rondell - einer vom Nordostquadranten und einer von der Südwestseite - lassen den Ort zu einem hellen, lebendigen Fußgänger- und Radfahrer-Transitraum werden. (…)
Die Kulturlinse
Der neue südliche Durchstich verbindet das Rondell mit dem Südwest-Quadranten. Es bildet einen dem Hotel vorgelagerten Bereich aus, der für permanente Kunst (Freiraumgalerie 2.0) und auch temporäre Kunst (z.B. Freilufttheater) und Spaß (Mini-Skate-Parcours) stehen kann. Ein achtgeschossiger Ergänzungsbau schließt die offene Ecke und bildet den linken Passepartout-Rahmen für den Stadteingang.
Achtung landmark! – das wissenschaftliche Kongresszentrum
Der neue nördliche Durchstich ist sinnvoller Anschluss an die zentrale Tiefgarage und kann Auftakt sein für eine großvolumige Struktur, die sich entlang den Bahngleisen legt. Sie kann für die hervorragende, logistische Anbindung der Stadt und für den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Halle stehen. Vorgeschlagen wird hier das gedachte Kongresszentrum mit wissenschaftlichen und universitären Nutzungen zu ergänzen, so dass auch außerhalb der Kongresszeiten der zugehörige Vorplatz mit Leben erfüllt ist.
Erweiterung Charlottenviertel
In einer eigenständigen Entwicklungsstufe kann durch abschnittsweisen Abbruch der beiden sperrenden Bürogebäude an der Dorotheenstraße eine Anbindung des Charlottenviertels geschehen.“

Büro grossmann
„Die vier hohen Häuser, die schrittweise an die Eckpunkte des Verkehrskreisels gesetzt werden, definieren den Platz räumlich und spiegeln als moderne Stadttore die großstädtische Situation und den Wunsch, diese erlebbar zu machen. Für die Besucher der Stadt zeigen sie ein repräsentatives Entree und generieren eine Identifikation für die dahinterliegende bauliche Struktur. In ihrem Umfeld entstehen neue kleinere Platzbereiche mit spezifischen Nutzungen und Ausgestaltungen wie der Busbahnhof an der Südostseite oder der Stadtplatz vor dem LISA-Gebäude. Durch den Rückbau der Fragmente der ehemaligen Bebauung an der Nordseite wird die Verbindung zum Stadtpark in der Magdeburger Straße geschaffen und als „Grünes Band“ auf der Westseite bis in den Bereich der Merseburger Straße fortgeführt. Die Straßenseite soll dabei alleeartig den Verkehrsraum abgrenzen und es werden unter Einbeziehung der vorhandenen bzw. neu geschaffenen Gebäude Bereiche mit Aufenthaltsqualität geschaffen. Für die Bebauung auf der Südost- und der Südwestseite sind die vormaligen Blockstrukturen maßstabsgebend. Eine Ergänzung dieser Strukturen im Sinne einer Nachverdichtung führt hier zu einer Aufwertung. Die sich abzeichnende Raumkante gegenüber dem „Grünen Band“ wird dadurch gestärkt und wird diesem Bereich eine starke stadträumliche Identität zurückgeben. Es entstehen eigene Kieze, welche fußläufig nicht nur zentral über den Riebeckplatz verbunden sind, sondern nach Herstellung der alten Querungen der Verkehrsachsen miteinander in Verbindung stehen. Als Gegenstück zum „Grünen Band“ wird die Ostseite durch das „Steinerne Band“ neu gefasst. Eine offene Bebauung für eine gewerbliche bzw. Industrielle Nutzung, die auch den ruhenden Verkehr der Pendler in Bahnhofsnähe unterbringt. Sie bildet, unter möglicher Einbeziehung von Bahnrandflächen eine klare Grenze zum Gleiskörper und grenzt die Stadt klar ab.“

 

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