zur Startseite
Seite durchblättern:
Seite 6 / 12

Was bedeutet ein Pflegeverhältnis? 

aus Sicht der Pflegefamilie 

Mädchen springt auf mit Kreide aufgemalten KästchenAuf die Pflegefamilie kommen mit der Aufnahme eines Pflegekindes große Veränderungen zu. Durch das neue Familienmitglied müssen alle anderen Familienangehörigen innerhalb der Familie einen neuen Platz einnehmen. Das Gleichgewicht in der Familie soll bestehen bleiben. Alle Familienangehörigen wollen sich auf das Pflegekind einstellen. Die eigenen Kinder können Eifersuchtsreaktionen zeigen, auch der Partner muss Verständnis für die veränderte Familiensituation aufbringen.

Für die Pflegefamilie bedeutet die Aufnahme eines Pflegekindes die Öffnung ihrer eigenen Familie für den Pflegekinderdienst des Fachbereichs Bildung. Ebenso sind  mit der Herkunftsfamilie in der Regel Kontakte zu halten. Die Häufigkeit und die Gestaltung der Umgangskontakte  richten sich nach der Lebenssituation der Eltern, dem Alter der Kinder und dem Entwicklungsstand des Kindes.

Die Aufnahme eines Kindes aus einer anderen Familie und das daraus resultierende Zusammenleben mit allen auftretenden Veränderungen bedeutet für die Pflegefamilie aber auch Gewinn und Bereicherung ihres eigenen Lebens.

aus Sicht der leiblichen Eltern 

Eltern können aus den verschiedensten Gründen ihren Kindern manchmal nicht die notwendige Geborgenheit und Liebe, Sicherheit und Anerkennung geben. Diese Familien brauchen Hilfe, die durch ambulante Angebote, wie Erziehungsberatung und sozialpädagogische Familienhilfe, die Bedingungen innerhalb der Familie verbessern.

Manchmal reichen diese Hilfsangebote nicht aus, so dass die Aufnahme des Kindes in eine Pflegefamilie in Frage kommen kann. Wenn Eltern sich entscheiden, ihr Kind einer anderen Familie in Pflege anzuvertrauen, entstehen Gefühle von Verlust, Angst, Trauer und Konkurrenz. Wird sich unser Kind uns entfremden? Sind die Pflegeeltern die besseren Eltern und werden sie uns dies spüren lassen? Von diesen Gefühlen begleitet, fällt es Eltern nicht immer leicht, sich von ihrem Kind zu trennen und eine Pflegefamilie als Hilfe zu empfinden.

Es ist notwendig, dass leibliche Eltern und die Pflegefamilie Absprachen und Vereinbarungen treffen. Andererseits muss den Pflegeeltern ein Handlungsspielraum in der Erziehung eingeräumt und ihnen Vertrauen entgegengebracht werden.

aus Sicht des Kindes 

Kommt ein Kind in eine Pflegefamilie, bedeutet dieser Schritt die Trennung von der eigenen Familie, von seinen bisherigen Bezugspersonen, von seinem gewohnten Umfeld. Gleichzeitig lernt es neue Menschen kennen, die zu ihm in Beziehung treten. Das kann Unsicherheit, Angst und Schuldgefühle hervorrufen. Das Kind fühlt sich vielleicht bestraft, weil es die Familie verlassen muss. Es glaubt, an den Problemen seiner Familie schuld zu sein. Das Auseinandersetzen mit der neuen Familie und die ihm fremden Familienregeln und Verhaltensweisen in der Pflegefamilie verunsichern zusätzlich. Deshalb verhält sich das Pflegekind ganz angepasst. Es will es allen in der Pflegefamilie zunächst recht machen und angenommen werden.

Diese erste Phase im Pflegeverhältnis wird von den Pflegeeltern als angenehm empfunden. Hat das Pflegekind in der Familie Sicherheit gewonnen, beginnt es, die neuen Werte und Regeln seinen früheren erlernten Verhaltensweisen und Erfahrungen gegenüber zu stellen. Es vergleicht und setzt sich kritisch auseinander. Dadurch kommt es zu Konfliktsituationen, die das Familienleben belasten können.

Beide Seiten müssen also lernen, miteinander umzugehen. Wenn dies gelingt, findet das Pflegekind die Sicherheit, seine früheren Erfahrungen in Einklang zu bringen und damit leben zu können, was für einen erfolgreichen Verlauf des Pflegeverhältnisses unabdingbar ist.
 

Anzeige EVH