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Unantastbar: Unsere Grundrechte

Eine Marktplatz-Ausstellung der Stadt Halle (Saale) vom 22.09. bis 10.11.2020

Anlass für die Marktplatz-Ausstellung „Unantastbar: Unsere Grundrechte“ ist der erste Jahrestag des Anschlags vom 9. Oktober 2019 auf die Synagoge und den Kiez-Döner in Halle, bei dem zwei Menschen erschossen wurden.

große aufgeschlagene Bücher auf dem Marktplatz

Grund für die Ausstellung ist die zunehmende Infragestellung, Gefährdung und Bedrohung der Grundrechte wie der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland insgesamt. In Halle fordert gegenwärtig ein Rechtsextremist mit seinen regelmäßigen Kundgebungen auf dem Marktplatz die Grundrechte und deren Verteidigerinnen und Verteidiger heraus.

junges Paar steht vor aufgeschlagenem Buch mit Stimme zum AnschlagNicht zuletzt war der Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019 in mehrfacher Hinsicht ein Anschlag auf die Grundrechte wie die Menschenwürde, die körperliche Unversehrtheit und die Unverletzlichkeit der Freiheit der Person, die Freiheit des Glaubens und die Ungestörtheit der Religionsausübung. Indem die Hallenserinnen und Hallenser sich an diesem Abend vor einem Jahr auf ihrem zentralen Platz spontan zusammengefunden haben, um der Opfer zu gedenken, haben sie auch ein Zeichen gegen die Bedrohung der Grundrechte gesetzt. Daher erklärt sich die Verbindung, die in der Marktplatz-Ausstellung im Umkreis des Gedenkortes zwischen dem Anschlag und den Grundrechten hergestellt wird.

Die Marktplatz-Ausstellung „Unantastbar: Unsere Grundrechte“ soll den Hallenserinnen und Hallensern wie der halleschen Stadtgesellschaft aus aktuellem Anlass die Grundrechte - wie auch deren Grenzen ins Bewusstsein rufen. Beabsichtigt ist, den Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern wie der Stadtöffentlichkeit zu vermitteln, welche Errungenschaft die Grundrechte für unser Gemeinwesen darstellen, und gleichzeitig, dass diese keineswegs eine Selbstverständlichkeit sind und nach verschiedenen Seiten verteidigt werden müssen. Dabei besteht eine Schwierigkeit darin, dass die Grundrechte zwar unantastbar, aber nicht eindeutig und aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich interpretierbar sind. Deswegen muss die Gesellschaft sich fortdauernd über die Grundrechte verständigen - darin besteht das eigentliche Wesen der Demokratie. Dass in der Debatte über die Grundrechte, auch wenn sie kontrovers geführt wird, eine große Chance für ein respektvolles, tolerantes und gewaltfreies Zusammenleben unserer Gesellschaft liegt, möchte die Ausstellung ebenfalls vermitteln.

Die nachfolgend dokumentierten Aussagen von Hallenserinnen und Hallenser zu den Grundrechten wurden durch eine Fragebogenaktion zusammengetragen, die vom Stadtmuseum Halle in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Halle, dem Dienstleistungszentrum Bürgerbeteiligung der Stadt Halle (Saale), der Evangelischen Marktkirchengemeinde, dem Fachbereich Bildung der Stadt Halle (Saale), dem Friedenskreis Halle e. V., der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e. V., d. h. Akteuren von Hallianz für Vielfalt und Halle gegen Rechts, durchgeführt wurde.

 

 

Stimmen zu den Themen Grundrechte und Anschlag

anonym
zu den Grundrechten: Die Grundrechte bedeuten mir sehr viel. Am wichtigsten finde ich den Schutz der Menschenwürde. Dieses Grundrecht halte ich auch für besonders gefährdet, wenn ich sehe, wie politische Gegner miteinander umgehen.

zum Anschlag: Ich war in Berlin und habe mir Sorgen um meine Freunde in Halle gemacht. Außerdem wurde ich mit Vorurteilen über den „rechten Osten“ attackiert und hatte insofern Einiges zu bewältigen.

anonym
zu den Grundrechten:
Was bedeuten Ihnen die Grundrechte?    VIEL
Welches Grundrecht ist Ihnen besonders wichtig?    Art. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 13, 16a, 17
Welches Grundrecht halten Sie für besonders gefährdet?    1, 2, 3, 4, 10, 5, 16, 16a

zum Anschlag:
Wie haben Sie den Tag des Anschlags erlebt?    WIE IM KRIEG
Was haben Sie gefühlt?    ANGST, WUT, OHNMACHT
Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen?    SOLIDARITÄT HILFT ÜBERLEBEN
KANN JEDER SICH JETZT WAFFEN IN 3D AUSDRUCKEN?

Josephine A.
zu den Grundrechten: Bis Corona galten die Grundrechte für mich als stabile Säulen unseres Zusammenlebens. Sie fühlten sich wie ein Schutzkörper für den Einzelnen und die Gesellschaft an.

zum Anschlag: Ich war fassungslos, panisch und zutiefst verstört. Was passiert mit uns, dass es möglich ist, dass jemand so etwas tut. Wie allein, verlassen und ohne jeden guten Einfluss muss dieser Mensch über Jahre gewesen sein. Wie konnten wir ihn so verlassen und vergessen.

Mudar A.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind mir nicht wirklich bekannt gewesen. Ich habe sie heute vielleicht zum 2. Mal in meinem Leben gelesen, und es erstaunt mich, wie viele Rechte man in Deutschland hat. Diese Rechte, obwohl ich sie nicht oft gelesen habe, erlebe ich jeden Tag und lebe sie auch. Die Unterschiede zwischen einem Leben in Deutschland und einem in Syrien sind riesig und sehr zu spüren.
Mir persönlich ist Freiheit (Artikel 2) in allen Bereichen ein wichtiges Grundrecht, denn dies fehlte in Syrien. Artikel 4 ist auch besonders wichtig, man konnte in Syrien seine Religion nicht ändern und man musste diese nicht-auserwählte praktizieren.
Ich finde, dass Gleichheitssatz und Gleichberechtigung nicht wirklich gefährdet sind, aber trotzdem nicht im vollen Gange ausgeübt werden. In einem Gespräch mit einer Dame auf einem gemeinsamen Arbeitsplatz sagte sie mir „Du sprichst aber sehr gut Deutsch. Also wenn ich die Augen zu machen würde, würde ich denken, dass du Deutscher wärst.“
Ich hätte weinen und lachen können, weil es zwar ein Kompliment war, was meine Sprachkenntnisse anging, aber ich wurde nicht als einer von „ihrer Gesellschaft“ angesehen.

zum Anschlag: Der Tag des Anschlags war furchtbar. Ich hatte Angst. Ich meine, echte Angst um mein Leben. Ich saß mit meinen Mitbewohnern in der Küche und habe die Nachrichten verfolgt, und das war ein schreckliches Déjà-vu. Mir sind die Bilder aus Syrien durch den Kopf gegangen und ich dachte: Oh verdammt. Wie schrecklich wäre es für meine Eltern, wenn ich in DEUTSCHLAND sterben würde. Mein Weltbild hat sich seitdem geändert...

Sabine Baumgärtel
zu den Grundrechten: Mir ist Artikel 3 besonders wichtig, da ich überzeugt bin, dass man allen Menschen mit Respekt begegnen muss. Außerdem sollte man immer vom Guten in den Menschen ausgehen, um Hass aktiv entgegen zu treten.

Annegret Brodersen
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind von immenser Wichtigkeit für mich. Sie sind Garant meiner Freiheit. Oft bin ich mir im Alltag gar nicht bewußt, dass ich – wie selbstverständlich – frei entscheide, was ich tue, wohin ich gehe, wen ich treffe – und wen nicht. Ereignisse, die tief in die Grundrechte eingreifen wie der Anschlag von Halle vom 9.10.19 oder die Corona-Krise zeigen mir, dass sie eben keine Selbstverständlichkeit sind. Wir müssen die Grundrechte immer wieder aufs Neue verteidigen + unter neuen, veränderten Bedingungen durchsetzen.

zum Anschlag: Am 9.10. machte ich mich gerade fertig, um zur Arbeit zu gehen, als ich 2 laute Kracher hörte, gefolgt von etlichen Schüssen. Ich dachte, dass jemand Silvesterfeuerwerk anzündet. Als ich an der Ecke vom Bäcker Kolb ankam, lag oben vorm jüdischen Friedhof eine Gestalt auf der Erde. Es fielen wieder Schüsse, aber von Richtung Ludwig-Wucherer-Straße. Jetzt dachte ich, dass ein Tatort gedreht wird – aber wo war das Kamerateam? Die Situation war unverständlich für mich – aber Angst hatte ich nicht und ging, wie immer, die Schillerstraße zur Arbeit entlang. Ein Auto kam mir mit hoher Geschwindigkeit entgegen und bog schnell in die Humboldtstraße ein. Auf Arbeit verfolgten meine Kollegen und ich Nachrichten und Liveticker verschiedener Medien im PC bzw. Handy, als der Oberbürgermeister eine Gefahrenlage ausrief, beschlossen wir nach Hause zu gehen. Meine Wohnung befindet sich in der Humboldtstraße, ich traf an jeder Ecke Polizisten, die wissen wollten, was ich tue. Ich besuchte meine Mutter, die in der Schillerstraße wohnt. Es war dann für etliche Stunden sehr still, als Halle „heruntergefahren“ war. Gespenstisch still. Keiner ging raus, jeder blieb bei sich, Infos gab’s nur über TV. Dieser Zustand hielt bis zum Abend an. Es war eine angespannte Ruhe, in der die Whatsapp-Gerüchte-Küche brodelte. Das ging so, bis die Straßensperren geöffnet wurden.

Franziska D.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind Grundlage eines demokratischen und rechtsstaatlichen Zusammenlebens in Deutschland und sollten daher unbedingt geschützt werden. Die Meinungsfreiheit halte ich für besonders wichtig. Sie unterliegt jedoch Grenzen. Das wird oft verkannt, was ich für gefährlich halte.

zum Anschlag: Wut und Hilflosigkeit, auch Angst. Ich habe mich in Halle stets sehr sicher gefühlt, danach war es erstmal ein mulmiges Gefühl, die Ludwig-Wucherer-Straße entlang zu gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, seine Religion / seine Identität nicht frei ausleben zu können und in ständiger Sorge leben zu müssen.

T. H. D.
zu den Grundrechten: Grundrechte sind in einer freiheitlichen Demokratie entscheidend! Rechte, die ausnahmslos für jeden gelten, ob arm oder reich, jung oder alt, egal welcher Herkunft, Religion usw., sind eine Errungenschaft, die wir verteidigen müssen. Es wird immer Menschen geben, die sich für besser halten, die von sich annehmen, mehr Rechte z. B. auf Arbeit, Freiheit oder Unversehrtheit zu haben als andere. Diesen Menschen müssen wir energisch entgegentreten und ihnen zurufen, dass wir es nicht akzeptieren, dass sie sich über andere stellen.
„Art 3 (3) GG: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

zum Anschlag: Der Tag des Anschlages war für mich, wie für viele andere, ein einschneidendes Ereignis. Er wird sich genauso einprägen, wie andere furchtbare Ereignisse zuvor. Viele Menschen können, auch fast zwanzig Jahre danach, noch genau sagen, was sie am 11. September 2001 gemacht haben. Ebenso geht es mir mit dem 9. Oktober 2019. Die rechtsextreme Gewalt wurde in unsere Stadt getragen. Es wurden nicht nur jüdische und ausländische Bürger aus unserer Mitte bedroht, sondern es wurde ein fanatischer Anschlag auf die ganze Stadt verübt. Jeder war betroffen. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der beiden Opfer, aber auch all jenen, die sich ängstlich und fassungslos, wie ich, zuhause verschanzt haben und um ihre Freunde und Familie bangten.

Olaf Ebert
zu den Grundrechten: Die Grundrechte Menschenwürde und Gleichberechtigung aller Menschen halte ich derzeit, angesichts der gesellschaftlichen Spaltungserscheinungen für besonders gefährdet. Deshalb setze ich mich sowohl privat als auch beruflich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Demokratie und den Schutz aller Grundrechte unserer Verfassung ein.

zum Anschlag: Ich war mit meiner Familie im Urlaub in der Toscana. Als uns die Schreckensnachricht über alle social media Kanäle erreichte, hatten wir große Angst um unsere Freunde und Nachbarn der jüdischen Gemeinde und um unsere Mitmenschen aus der Schule, Arbeit und unseren Ehrenämtern. Die bange Frage, wie sich dieser furchtbare Anschlag auf das Zusammenleben und das Klima in unserer Stadt auswirkt, ließ uns keine Ruhe: Wir mussten unseren Urlaub abbrechen und sofort nach Hause fahren.

Peter F.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind für mich sehr wichtig; ich möchte jedoch kein „Ranking“ vornehmen. Ich denke immer in größerem Rahmen und möchte Rechte nicht herabstufen, nur weil sie für mich nicht unmittelbar im Fokus stehen.
Welche Grundrechte halte ich für gefährdet – dazu habe ich schon einige Gedanken:
Schutz der Menschenwürde
Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Allgemeine Handlungsfreiheit, Freiheit der Person, Recht auf Leben, Recht auf körperliche Unversehrtheit
Gleichheitssatz, Gleichberechtigung – dieses Grundrecht, besonders der 2. Teil ist ja noch nicht einmal in allen Bereichen umgesetzt; beispielsweise zwischen Mann und Frau, Menschen mit und ohne Handicap oder Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland nach mehr als 30 Jahren deutsche Einheit.
Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit sowie die Freiheit von Kunst und Wissenschaft – dies insbesondere im Zusammenhang mit aufstrebenden politischen Strömungen und deren Rückhalt in der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang kann man natürlich alle Grundrechte als gefährdet einstufen.

zum Anschlag: Zunächst habe ich erst einmal nicht gleich realisiert, dass Terror, von dem anderswo immer wieder berichtet wurde, plötzlich ganz nahe, praktisch vor der Haustür angekommen war. Besonders bedrückend empfand ich die Sicherheitsregeln bis hin zum Nichtverlassen des Hauses und nicht an die Fenster gehen. Das öffentliche Leben (z. B. ÖPNV) wurde spürbar (hörbar) Schritt für Schritt heruntergefahren bzw. dann eingestellt. Auch das löste starke, irgendwie beängstigende Emotionen aus. Meine Frau war zu Hause, und ich bin auf kurzem Weg nach Hause gegangen. Was einen auch beschäftigt, ist die Frage: Was, wenn man selber als Bürger, der fast nichts oder nichts mehr sieht, in das Gefahrenfeld einer solchen Aktion gerät und es vielleicht nicht einmal wahrnimmt? Wut habe ich empfunden über das, was manche Mitbürger über die Medien zum Besten gegeben haben, wie Schießerei auf der Silberhöhe und Ähnliches – Wut aber auch auf die Medien, in diesem Falle die öffentlich-rechtlichen, die solche „Situationsberichte“ unrecherchiert in die Welt blasen. Es war schon ein Teil Angst, was noch passieren könnte, solange man den oder die Täter nicht gefasst hat. Es war ein Wechselbad der Gefühle – natürlich Bestürzung über die 2 Toten und die Verletzten; aber gleichzeitig Erleichterung darüber, dass es dem Täter nicht gelungen ist, in die Synagoge einzudringen und dadurch kein Blutbad entstand. Ach ja, zum Thema Wut fällt mir noch eine Begebenheit ein: Ich war noch einmal kurz in einem Supermarkt, um etwas Wichtiges noch schnell einzukaufen. Die Geschäfte schlossen ja schon nach und nach. Ein Kunde fragte, ob man denn auch schließen würde. Worauf der Mitarbeiter antwortete, dass man erst noch Weisungen von der Firmenzentrale abwarten müsse. Ist denn kaum noch jemand bereit, Eigenverantwortung zu übernehmen, auch wenn es um Leib und Leben der Menschen geht; oder ist es die Angst vor Repressalien des Arbeitgebers? Ich kann es nicht beantworten – ich zumindest finde solches Handeln, oder besser gesagt Nichthandeln, mehr als bedenklich.

Annemarie G.
zu den Grundrechten: Die Formulierung von Grundrechten ist für mich eine der größten Errungenschaften menschlichen Zusammenlebens. Es ist frustrierend, dass vermehrt Stimmen wahrnehmbar sind, die sich gegen Werte richten, wie sie in den ersten 4 Artikeln benannt sind.

zum Anschlag: Am Tag des Anschlags habe ich mich allein in einer Wohnung nahe der Synagoge aufgehalten. Die Ungewissheit über das Geschehene und die kollektive Angst und Ohnmacht mitzuerleben, war für mich traumatisierend. Wie müssen sich erst die Menschen fühlen, die sich in der Synagoge aufhielten oder die dem Täter auf der Straße begegnet sind. Wie können Menschen, die ein solches Ereignis miterlebt haben, weiterhin Menschen verurteilen, die aufgrund von Krieg, Diskriminierung und Verfolgung fliehen, die alltäglich Gewalt erleben.

G. G.
zum Anschlag: Ich arbeitete auf einer Messe in Köln, als ich in meiner Pause mehrere Nachrichten von Bekannten und Freunden sah, ich dachte, dass mein Handy verrückt geworden wäre, alle haben gefragt, ob es mir gut ging und ob alles in Ordnung bei mir war, ob ich mich in Sicherheit befand ...
Das war nicht nur schockierend, sondern auch besorgniserregend (denn ich konnte gar nicht verstehen, was los war, bis dahin habe ich weder die Nachrichten zum Attentat lesen können, noch die mehr als 50 Benachrichtigungen durchlesen können). Ein langjähriger Freund hat mich angerufen und alles von vorne erzählt, erst da konnte ich die Dimension der Ereignisse realisieren . Das Erste, woran ich dachte, war, ich muss wissen, ob mein Mann sich in Sicherheit befand, denn der war in Halle, arbeitete als Rechtsreferendar, und für mich war das schmerzhaft, nur dran zu denken, dass ihm was passieren könnte und ich mehr als 500 km entfernt war. Die Machtlosigkeit übernahm mich. Ich habe mich wieder an die Kriegsnachrichtenzeilen von meinem Heimatland Kolumbien erinnert und an die unzähligen Attentäter. Als ob die Erbarmungslosigkeit näher als nie zuvor gewesen wäre und einfach an deine Tür klopft. Dabei habe ich mich in Kolumbien immer sicher gefühlt.

Magdalena G.
zu den Grundrechten: Die Idee einer Grundvereinbarung für ein friedliches Zusammenleben
Da es sich um Grundrechte, also eine Basis von Regelungen handelt, halte ich bis auf Artikel 6 alle Grundrechte für wichtig. Artikel 6 führt in seiner Auslegung aktuell noch zu Diskriminierungen im Bereich von Lebensgemeinschaften jenseits der heteronormativen Norm. Besonders schützenswert erachte ich, besonders aktuell, Artikel 1-5, da diese bei vielen Menschen verletzt werden, aufgrund struktureller Diskriminierungen.

zum Anschlag: Der Tag des Anschlags hat mir, wie tagtägliche Nachrichten, die Aktualität von Menschenverachtung in Form von Rechtsextremismus und Antiziganismus auf erschreckende Weise vor Augen geführt. Ich war und bin wütend und traurig und enttäuscht darüber, dass menschenverachtende Gedanken und daraus folgende Taten in der Gesellschaft toleriert und von Politikern (wie Asylrechtspolitik z. B.) geschürt werden.

Till G.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind für mich der Grundstein für unsere moderne demokratische Gesellschaft und elementar wichtig für unser gemeinsames Miteinander und ermöglichen uns so, das Leben weitgehend so zu gestalten, wie wir das möchten. Alle Grundrechte sind meiner Meinung nach gleich wichtig, sodass ein Abwägen für mich nicht moralisch möglich ist. Dennoch müssen wir jederzeit aktiv bleiben, um unsere Grundrechte weiter vor Tätern, wie z. B. in Halle und Hanau, zu schützen.

zum Anschlag: Zum Zeitpunkt der Tat war ich auf der Arbeit. Als mich dann die ersten unklaren Informationen und besorgten Nachfragen meiner Freunde und Familie erreichten, war ich schockiert, da Teile meiner Freunde und ich selber in unmittelbarer Nähe der Synagoge und des Döners wohnen. Es fühlte sich zunächst total surreal an, erst als sich alles bestätigte, traf mich die Realität erst so richtig – die Gefühlslage bleibt für mich bis heute unbeschreiblich!

Tizian G.
zu den Grundrechten: Grundrechte geben uns die Freiheit, uns zu entfalten und unsere individuellen Interessen und Bedürfnisse auszuleben. Das besteht in vielerlei Hinsicht und war in unserer Geschichte nicht immer gegeben. Gerade deshalb sind sie eine große Errungenschaft, die es zu schützen gilt. Besonders wichtig ist natürlich die Menschenwürde, auf der alles aufbaut.

zum Anschlag: Der Anschlag stellte einen Angriff gegen die Grundrechte dar und damit zugleich einen Angriff gegen unsere höchste Werteordnung, also auch gegen die gesamte Gesellschaft – uns alle. Auch deshalb war es umso schrecklicher zu erleben. Plötzlich war die Gefährdung der Grundrechte umso spürbarer. Gleichzeitig ist es sehr schlimm, was den Betroffenen individuell passiert ist. So etwas vor der eigenen Haustür zu erleben, löst eine unfassbare Mitbetroffenheit aus.

Khalel H.
zu den Grundrechten: Mir ist der Schutz von Ehe und Familie wichtig, da man eine Familie gründen kann, wenn man möchte, und durch den Staat unterstützt wird. So muss man sich keine Sorgen machen.

zum Anschlag: Ich bin spazieren gegangen und weil ich niemanden gesehen habe, fragte ich einen Kioskbesitzer, was passiert ist. Ich konnte nicht glauben, dass so etwas in Halle passiert. Es war unglaublich. Aber trotzdem ist die Welt gefährlicher als diese Situation.

Sebastian H.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte schützen den Freiheitsraum jedes Einzelnen und bilden die Werteordnung unseres Landes. Die Religionsfreiheit (Art. 4) ist für mich das persönlichste Grundrecht. Aktuell schränken einige Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Grundrechte ein (z. B. Artikel 8), daher sollten sie sorgfältig geprüft werden.

zum Anschlag: Ich war mit meiner Familie auf der Heimreise aus dem Herbsturlaub. Unterwegs haben wir uns noch über die Montagsdemos und den 9. Oktober 1989 in Halle  unterhalten. Von Freunden erhielten wir dann die Nachricht, dass es in Halle „eine Schießerei“ gäbe – Näheres war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erfahren. Ich bekam Angst und rief meine Eltern in Halle an.

Khalil J.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte Deutschlands bedeuten mir, dass wir in einem demokratischen Land leben und die Rechte, die Würde und die Meinungsfreiheit dadurch gewährleistet sind. Beispielsweise ist meine Würde unantastbar, d. h. niemand kann darüber bestimmen, wann und wie mein Leben endet. Meine Rechte sind garantiert: Ich darf über mein Leben bestimmen, wie, wo und wann ich leben möchte und niemand anders. Solange ich mich an die Regeln halte, darf ich meine Meinung so ausdrücken, dass ich keine Angst haben muss, verhaftet oder ein gezieltes Opfer von Rechtsextremismus zu werden.

zum Anschlag: An dem Tag befand ich mich in meiner ersten Uni-Vorlesung des Öffentlichen Rechts mit dem Ziel über die Grundrechte Deutschlands zu lernen. Direkt danach hörte ich, dass diese Grundrechte für Ausländer wie mich direkt in der unmittelbaren Nähe meiner Wohnung durch einen Rechtsextremisten massiv bedroht wurden.

Henriette K.
zu den Grundrechten: Das ist eine schwierige Frage, da ich die Grundrechte in ihrer Gesamtwirkung schätze & als essenziell empfinde. Sollte ich mir dennoch einige raussuchen, würde ich das ASYLRECHT (welches auch unzulänglich vollzogen wird) und das RECHT AUF MEINUNGSFRREIHEIT nennen. Nur durch Letzteres kann eine Gesellschaft entstehen, die sich durch das Mitwirken aller weiterentwickelt.

zum Anschlag: Ich war Zuhause in meiner Wohnung (am Reileck) und hatte die erschreckende Nachricht in einem Gruppenchat zunächst für einen Witz gehalten. Danach rief ich meine Freund*innen an, um sie zu warnen, da viele von ihnen gerade draußen unterwegs waren. Ich hatte mehr Angst um andere als um mich selbst. Es war ein komisches Gefühlsgemisch aus einer gewissen Sensationsneugier (erschreckenderweise!), Wut und Angst.

 Lisa K.
zu den Grundrechten: Für mich sind die Grundrechte lebenswichtig, elementar zum glücklich sein. Sie sind nicht nur Fundament für ein friedliches Miteinander in der Welt, in der ich lebe. Sie erlauben mir eine freie, selbstbestimmte, unversehrte Lebensgestaltung und befähigen mich gleichzeitig, andere Menschen mit anderen Ansichten und Lebensentwürfen gleichermaßen zu respektieren! Müsste ich wählen, dann den „Schutz der Menschenwürde“, weil er für mich über allen anderen steht. Doch schützenswert sind sie alle!

zum Anschlag: Ich war auf der Arbeit, als ich es hörte, und konnte es nicht fassen. Zu dem Zeitpunkt gab es aber noch nicht alle bzw. teils unklare Informationen darüber. Als ich nach Hause fuhr, in unmittelbarer Nähe der beiden Anschlagorte, war ich aufgeregt, überall Stau, Blaulicht. Zu Hause verfolgte ich die Nachrichten, dann traf es mich wie ein Schlag: tiefe Betroffenheit, Trauer, Unverständnis, Schock: eine Mischung an Gefühlen, die ich nur selten hatte und daher kaum beschreiben kann. Die Frage „warum“, die niemand beantworten kann.

Helena-Elisabeth Kleine
zum Anschlag: Zum Zeitpunkt des Anschlages war ich mit meiner FSJ-Seminargruppe auf dem Marktplatz. Als wir davon erfuhren, kamen wir gerade von den Hausmannstürmen herunter. Da der zweite Teil der Gruppe gerade den Aufstieg begonnen hatte, mussten wir warten, bis sie wieder unten waren, um unser weiteres Vorgehen zu besprechen. In dieser Zeit ist mir viel durch den Kopf gegangen: Wie friedlich das Paulusviertel von dort oben ausgesehen hatte; wie meine Mutter einmal sagte, so etwas würde in Halle nie passieren; wie viele Menschen, die mir wichtig sind, täglich durch die betroffenen Straßen gehen.
Als plötzlich jemand sagte, der Attentäter würde eventuell über den Markt fahren, bekam ich Angst um mein eigenes Leben.
Als die Entscheidung fiel, dass wir nach Hause gehen sollten, hörten die Gedanken nicht auf. Ich war total aufgelöst und verwirrt. Die Nachrichten im Fernsehen fühlten sich nicht real an. Das waren die Orte, die meine Kindheit geprägt hatten – und trotzdem kam es mir vor, als wären die Bilder an einem anderen Ort gedreht worden.

Heinrich Kunze
zu den Grundrechten: Für mich sind Grundrechte enorm wichtig, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten. Besonders wichtig ist mir das Grundrecht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ich halte das Grundrecht von Artikel 2 für besonders gefährdet.

zum Anschlag: An diesem Tag war ich in der Deutschen Angestellten Akademie und im Technischen Arbeitszentrum im Zuge der Berufsvorbereitung. Dadurch habe ich den Anschlag nur nebenbei mitbekommen. In meinem Umfeld habe ich von verschiedenen Leuten etwas darüber gehört. Letztendlich war ich schockiert und sprachlos.

Jorge L.
zu den Grundrechten: Freedom. And I think that it is the most endangered in Germany (freedom of mobility and speech). As a foreigner, sometimes we receive some rude comments on the streets, and of course after the first experience, one can be afraid of sharing with others their nationality. This also avoids cultural exchange that can be very valuable for nationals that want to learn more about other international people.
Freiheit. Und ich denke, dass die gefährdetsten in Deutschland Freizügigkeit und Meinungsfreiheit sind. Als Ausländer ist man manchmal mit rüden Kommentaren auf der Straße konfrontiert, und natürlich teilt man nach der ersten Erfahrung anderen Menschen ungern mit, dass man Ausländer ist. Es wird auch kultureller Austausch verhindert, der sehr wertvoll sein kann für deutsche Staatsbürger, die mehr über Menschen aus anderen Nationen erfahren möchten.

zum Anschlag: Having heard about the high safety and quality life in Germany, I was really surprised that something like this was happening just a few blocks away from my apartment.
Nachdem ich von dem hohen Sicherheits- und Lebensstandard in Deutschland gehört hatte, war ich wirklich überrascht zu hören, dass so etwas nur ein paar Ecken von meiner Wohnung passiert.

Su. Ma.
zu den Grundrechten: Ich finde Gleichberechtigung, insbesondere Frauenrechte, sehr wichtig, weil es mir ein Gefühl von Freiheit und Sicherheit gibt.

zum Anschlag: Ich war an diesem Tag in der Sprachschule. Wir mussten mit verschlossener Tür warten und wurden dann schnell nachhause geschickt. Die ganze Stadt war leer, und mein Telefon klingelte, weil meine Familie von außerhalb wissen wollte, was los war. Alle hatten Angst. Ich wünsche mir, dass dieser Tag nicht nochmal kommt.

I. P.
zum Anschlag:
1. Gedanke: Falschmeldung in 13.00-Nachrichten
2. Gedanke: Entsetzlich. Und das in Halle? Nein!
3. Gedanke: Schreibe ich Stephan B. und teile ihm mit, wie die Bevölkerung reagiert. Biete ich ihm damit eine Bühne, will ich nicht!
Das anfängliche Entsetzen besteht noch zur Zeit der Gerichtsverhandlung.

Alina R.
zu den Grundrechten: Grundrechte sollen die solide Basis eines freiheitlichen, friedlichen gemeinschaftlichen Lebens sein. Die Verstärkung und Verbesserung des täglichen Auslebens der Grundrechte sollte zu unserer kontinuierlichen Aufgabe gemacht werden – aktuell scheinen uns mehrere von ihnen ins Vergessen geraten zu sein.

zum Anschlag: Der Anschlag hat mein Verständnis vom sicheren Leben in Deutschland als Migrantin zerstört. Ich war an dem Tag im betroffenen Viertel und fühlte mich wie in einem schrecklichen Film. Seitdem lebe ich mit einem starken Gefühl von Gefahr vor allem gegen meine engsten Freund*innen, da viele von ihnen bereits unter alltäglichem Rassismus leiden. Als Teil der migrantischen Community in Halle fühle ich mich von der Mehrheitsgesellschaft alleine gelassen.

D. R.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland sind im Einklang aller 19 Artikel wichtig. Eine Hervorhebung einzelner Artikel finden bei mir folgende Gewichtung: Artikel 2, Artikel 4, Artikel 6, Artikel 9, zuzüglich aller anderen, deren Stellenwert unabhängig sortiert wird. Gefährdet sehe ich besonders den Artikel 16a, da dieser sehr variabel ausgeübt wird und sich in unserem Grundgesetz widerspricht, siehe Artikel 16, 16a, 18.

zum Anschlag: Ich war an diesem Tag nicht in Halle und erfuhr es am Mittag durch einen Anruf meiner Tochter. Verständlicherweise war ich geschockt und ängstlich um alle Freunde und Bekannte. Die Kontakte nach Hause wurden verengt und stündlich telefoniert. Ängste, nicht alle erreicht zu haben, überflogen mich. Meine Gedanken gingen immer im Kreis. "Warum in Halle? Das passiert doch immer nur weit weg von uns." Am Abend habe ich über regionale Nachrichten das Geschehen glaubhaft
vermittelt bekommen. Als ich dann ein paar Tage später nach Hause kam, spürte ich die vorhandene Unruhe in der Stadt deutlich. Nach wie vor bin ich beunruhigt, dass ich einer solchen Situation eventuell beiwohnen könnte.

Ann-Kathrin S.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sichern einen Lebensstil, der es mir erlaubt, meine Interessen, Überzeugungen, aber auch Sexualität angstfrei auszuleben und mitteilen zu können. Das ist mir möglich, weil ich ein Recht auf freie Entfaltung meiner Persönlichkeit, auf Leben und körperliche Unversehrtheit habe. Für besonders gefährdet halte ich das Recht auf Gleichbehandlung bzw. Gleichheit vor dem Gesetz, unabhängig von Geschlecht, Religion, Herkunft usw.

zum Anschlag: Zur Zeit des Anschlags befand ich mich in meiner Wohnung. Auch, wenn die Situation für mich dadurch nicht direkt bedrohlich war, fehlte mir das erste Mal in meinem Leben das Gefühl für Sicherheit, die sonst so selbstverständlich erschien. Noch Tage danach hielt das komische Gefühl an, nicht mehr sicher zu sein, sobald man das Haus verlässt.

B. S.
zu den Grundrechten: Man nimmt viele Rechte als Selbstverständlichkeit wahr, oft ist deren Wichtigkeit erst in Bedrängnis klar (→ körperl. Unversehrtheit).
Artikel 3 – was nutzt Freiheit der Berufswahl, wenn Ausübung beschränkt wird, Frau zwangsläufig Mini-Job o. ä. tun muss?

zum Anschlag: Wechsel von der Arbeit zum Ehrenamt, dort Tat-Nachricht, Schockstarre bei Polizeiaufmarsch etc. – Enkel in Sicherheit, umso deutlicher Angst u. Not Anderer spürbar, zusätzlich Erinnerung an Berichte (Groß-)Eltern vom Krieg – Dauer nur Stunden, wie „überlebt“ man das tage-/wochenlang? Erleichterung bei „Täter-Fang“ (Sohn gesund) – tiefe Betroffenheit angesichts Opfern (1 flüchtig gekannt) & Frage, was ist Mensch wert?

Sola
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind das Wichtigste auf der Welt (nach den Menschenrechten), denn sie zeigen auf, was einem Menschen, egal in welcher Situation er sich befindet, zusteht. Paragraph 1 (die Würde des Menschen ist unantastbar) ist der wichtigste Paragraph, denn er fasst alle anderen Paragraphen zusammen. Ich sehe den Paragraphen 20a  als besonders gefährdet, da er den Klimaschutz vorschreibt, dessen einziger Anwalt die Klimagerechtigkeitsbewegungen sind.

zum Anschlag: Während des Anschlags war ich in der Arbeit. Abends habe ich auf Twitter von dem Anschlag erfahren und bin sofort zur nächsten Soli-Demonstration gefahren. Ich war überglücklich, dass trotz der kurzen Zeit, die seit dem Anschlag vergangen sind, mehr als 100 Menschen da waren.

Valeria Sivtsova
zu den Grundrechten: Die Würde ist am Wichtigsten für mich. Meine Freiheit endet dort, wo das Recht anderer Menschen beginnt. Egoismus und Minderwertigkeitskomplexe lösen bei Vielen Wut auf Schwächere aus.

zum Anschlag: Ich war in Spanien und bekam Nachrichten von meinen Freunden von der ganzen Welt. Zwei Stunden konnte ich meine Mutter nicht erreichen. In der Synagoge befanden sich viele Bekannte von mir. Es tat mir im Herzen furchtbar weh.

Ulrike T.
zu den Grundrechten: Zunächst ist es wunderbar, dass „Grundrecht(e)“ [Hervorhebung durch die Autorin] bedeutet, dass es sich um Rechte handelt, die für jeden einzelnen Menschen immer und überall gelten – egal wer er oder sie ist! Jede und jeder kann dieses Geschenk des (Grund-)Rechte-Habens für sich annehmen … und in zweiter Linie dann darüber nachdenken, wie er oder sie selbst handeln kann, um andere durch sein Denken und Verhalten auch in den Genuss der Rechte kommen zu lassen: den anderen achten und ihn/sie in seiner/ihrer Würde anzunehmen. Würde ist ein sehr schönes, ein wenig altertümliches Wort und ich denke, dass sich daraus, dass jeder Mensch Würde besitzt, all die anderen (Grund-)Rechte ableiten lassen. Die Würde eines Menschen macht uns ebenbürtig und gleich wertvoll, ich kann meinen Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen, ihn/sie wertschätzen und dies in meinem Verhalten ausdrücken.

zum Anschlag: Ich war selbst nicht in Halle, habe aber durch eine Freundin aus Frankreich (!) schon kurz nach dem Anschlag davon erfahren. Die Selbstüberschätzung und Menschenverachtung des Attentäters haben mich wütend gemacht. Dass sich jemand anmaßt, andere Menschen aufgrund ihres Glaubens töten zu „dürfen“, macht mich fassungslos. Gleichzeitig hatte ich Sorge, dass noch weitere Menschenleben bedroht werden.
Ich war auch wütend, weil Halle dadurch einen schlechten Ruf bekommt – weltweit verbinden jetzt Menschen Halle mit dem Attentat, so wie wir es tun, wenn wir beispielsweise Christchurch hören. Ich habe sehr gehofft, dass der (oder die) Attentäter schnell gefasst werden, damit die Bedrohung der Menschen bald beendet sein würde. Und ich war sehr froh, als diese Meldung von der Festnahme in den Nachrichten gesendet wurde. Mich hat auch die Frage beschäftigt, was dazu geführt hat, dass der Attentäter diese Geisteshaltung entwickeln konnte. Wie viel Unzufriedenheit mit seinem eigenen Leben und Minderwertigkeit muss er verspürt haben! Ich war und bin dankbar, dass die Tür der Synagoge dem Angriff standgehalten hat und damit die Menschen glücklicherweise geschützt waren. Dennoch ist es für sie sicher eine prägende Erfahrung, so bedroht worden zu sein. Bedrückend ist, dass Menschen, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren, dies mit ihrem Leben bezahlen mussten.

André Thiel
zu den Grundrechten: Alle Grundrechtsartikel 1-19 sollten für alle Menschen der Erde gelten! Artikel 2 und 5 sehe ich besonders gefährdet!

zum Anschlag: Laufen nur „noch“ bekloppte Menschen herum? Dass kommt davon, wenn man an Bildung und politischer Bildung spart.

Gunter W.
zu den Grundrechten: Die Grundrechte sind für mich das Fundament der Demokratie in Deutschland. Besonders wichtig sind für mich Artikel 1, Satz 1 – Die Würde des Menschen ist unantastbar – und Artikel 16a, Satz 1 – Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

zum Anschlag: Die Informationen haben sich an diesem Tag überschlagen. Was war wirklich passiert? Was waren fake news? Ich war sehr verunsichert und habe gehofft, dass es nicht noch mehr Opfer gibt.

Jens W.
zu den Grundrechten: Ich empfinde es als ein großes Privileg, in einem Land zu leben, in dem die Grundrechte in dieser Form festgeschrieben sind und geschützt werden, und dass diese Rechte von allen gelebt werden können. Sie sollten nicht missbraucht werden.

zum Anschlag: Für unsere Familie war es ein schlimmer Tag: der Umgang mit dem Terror in unserer Stadt und mit der fast unmittelbaren Verbreitung der Tat über soziale Medien war sehr belastend. Ich glaube, es war auch die Absicht des Mörders, mit der medialen Verbreitung seiner Tat den Terror zu streuen. Würde ich den Mörder unterstützen, wenn ich auf unsere Ängste genauer eingehen würde?

Uwe Willamowki
zu den Grundrechten: Artikel 1,2 und 5 stehen bei mir im Vordergrund.
§ 1 Die Würde des Menschen ist unantastbar
§ 2 Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Recht auf Leben, Recht auf körperliche Unversehrtheit ( egal welche Hautfarbe oder Glauben)
§ 5 Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit sowie die Freiheit von Kunst und Wissenschaft
Diese Grundrechte sind mir besonders wichtig.