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Ehrenbürger

Franz, Robert

Überblick

Begabter Liederkomponist
Robert Franz amtierte von 1859 bis 1867 als Universitätsmusikdirektor 

In seiner Sitzung vom 30. Dezember 1884 beschloss der Magistrat der Stadt Halle, dem Komponisten, Dirigenten und Universitätsmusikdirektor Robert Franz anlässlich der Feier des 200-jährigen Geburtstages Georg Friedrich Händels am 23. Februar 1885 das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.

In dem Schreiben an die Stadtverordnetenversammlung, dem Ersuchen zuzustimmen, heißt es u. a.: „Die hohen Verdienste, welche dieser Componist um die Musik – besonders auch um Händels Werke – erworben hat und die allgemeine Anerkennung, welche er dafür in den musikalischen Kreisen der ganzen gebildeten Welt gefunden, lassen es gewiß gerechtfertigt erscheinen, daß wir ihn in der vorgeschlagenen Weise ehren […]“.1

Robert Franz stammte aus einem alten Hallorengeschlecht und wurde am 28. Juni 1815 in einem Haus auf der Brunoswarte als Robert Franz Julius Knauth geboren. Er besuchte die Franckeschen Stiftungen, um später in Dessau eine musikalische Ausbildung aufzunehmen. Der junge Künstler übernahm 1844 das Organistenamt an der Ulrichskirche und leitete von 1842 bis 1867 die hallische Singakademie, die 1907 seinen Namen annahm. Schließlich erhielt er 1859 das Amt des Universitätsmusikdirektors, so dass er im musikalischen Leben der Stadt eine beherrschende Stellung innehatte. Trotzdem hat der Komponist ebenso schwer um Anerkennung ringen müssen wie der Praktiker, der Bach und Händel in eigenen Bearbeitungen zur Aufführung brachte. Sein Leben und Wirken wurde seit den sechziger Jahren von zunehmender Taubheit überschattet, so dass er schließlich alle öffentliche Tätigkeit einstellen musste. Äußerer Anlass dieser hoch verdienten Ehrung war der bevorstehende 70. Geburtstag des Komponisten. Die Stadtverordneten stimmten dem Vorschlag des Magistrats zu, so dass das Dokument ausgefertigt werden konnte.

Im Text des Ehrenbürgerbriefes heißt es u. a.: „Wir wünschen, daß der Genannte die Verleihung dieser höchsten bürgerlichen Auszeichnung als die Bethätigung dankbarer Anerkennung der unvergänglichen Verdienste entgegennehmen möge, die er sich in reicher schöpferischer Tätigkeit, wie in liebevoller Förderung des Verständnisses unserer klassischen Meister um die deutsche Musik erworben hat.“2 Robert Franz, der als feinsinniger Liederkomponist schon früh die Anerkennung Robert Schuhmanns errang und später die Freundschaft Franz Liszts gewann, hat diese hohe Ehrung seitens der Vaterstadt mit großer Freude entgegengenommen. In seinem Dankschreiben vom 2. März 1885 heißt es u. a.: „Gereicht eine solche Auszeichnung schon an und für sich zu hoher Ehre, so wird diese für mich noch wesentlich dadurch gesteigert, daß die Berufung zum Ehrenbürger mit der Feier des zweihundertjährigen Geburtstags Händels, des großen Tonmeisters, zart und sinnig in Verbindung gebracht worden ist.“3

Robert Franz war eine populäre, stadtbekannte Persönlichkeit, die einen großen Freundeskreis um sich scharte. Der Künstler starb am 24. Oktober 1892 und fand auf dem Stadtgottesacker seine letzte Ruhestätte.


1 StAH, Ehrenbürgerrecht Bl. 126e.
2 Ebd. Bl. 126d.
3 Ebd. Bl. 128. 

Beruf/Funktion

Komponist, Dirigent, Universitätsmusikdir.

Jahr der Verleihung

1885 

Geburtsdatum

28.06.1815 

Geburtsort

Halle 

Sterbedatum

24.10.1892 

Ort der Beisetzung

Halle, Stadtgottesacker 

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