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Ehrenbürger

Kühn, Prof. Dr. Julius

Überblick

Unvergessener Landwirt
Julius Kühn erforschte Pflanzenkrankenheiten 

Am 27. September 1895 reichte der Stadtverordnete Dr. Oscar
Förtsch der Stadtverordnetenversammlung den Antrag ein, dem
Direktor des landwirtschaftlichen Instituts der Universität Halle,
Professor Dr. Julius Kühn, anlässlich seines 70. Geburtstages am 23. Oktober 1895 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Halle zu verleihen.1 Die Abgeordneten stimmten diesem Ersuchen einstimmig in ihrer Sitzung vom 30. September zu.

Julius Kühn gehört zu den Pionieren der Landwirtschaftswissenschaften, dessen Lebenswerk noch heute
unvergessen ist. Der Gelehrte stammte aus Pulsnitz, wo er am 23. Oktober 1825 als Sohn eines Landwirtschaftsinspektors geboren wurde. Er besuchte eine technische Bildungsanstalt in Dresden bis 1841, um dann in der landwirtschaftlichen Praxis zu arbeiten. Schon bald war Kühn Verwalter und sammelte auf den verschiedensten Gütern wichtige Erfahrungen. Er begann mit Untersuchungen über Pflanzenkrankheiten, die er über Jahrzehnte fortführte. Um sich zu vervollständigen, studierte Kühn 1855/56 in Bonn, promovierte in Leipzig über den Getreide- und Rapsbrand und habilitierte sich noch in dem letzteren Jahr an der landwirtschaftlichen Akademie Proskau. Das Hauptwerk des Gelehrten erschien 1859 unter dem Titel „Krankheiten der Kulturgewächse, ihre Ursachen und ihre Verhütung“ und erregte großes Aufsehen. Preisgekrönt wurde seine zwei Jahre später veröffentlichte Schrift „Die zweckmäßigste Ernährung des Rindviehs von wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten“. Kein Wunder, dass die Universität Halle, als sie einen landwirtschaftlichen Lehrstuhl einrichten wollte, Julius Kühn zum ersten Ordinarius im April 1862 wählte. Schon im folgenden Jahr übernahm er das Direktorat des landwirtschaftlichen Institutes. Der Gelehrte erhob durch seine Forschungen und umfassende Lehrtätigkeit die Landwirtschaftslehre in den Rang einer naturwissenschaftlich orientierten Disziplin.

Die Bedeutung von Kühns akademischer Wirksamkeit für die Universität und Stadt Halle wird auch im Text der Urkunde vom 1. Oktober 1895 hervorgehoben. Danach hatten Magistrat und
Stadtverordnetenversammlung beschlossen, „dem Director des landwirthschaftlichen Instituts der vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg, Herrn Geheimen Ober-Regierungsrath, Professor Dr. Julius Kuehn, dem weltberühmten Gelehrten, dem großen Förderer der Landwirthschaft, in
Anerkennung seiner hervorragenden Bedeutung für die Wissenschaft und seiner erfolgreichen Wirksamkeit als Lehrer der akademischen Jugend, sowie in dankbarer Würdigung seiner Verdienste um die hiesige Universität und das Wohl unserer Gemeinde das Ehrenbürgerrecht der Stadt Halle zu verleihen“.2

Die feierliche Überreichung des Dokuments durch Oberbürgermeister Staude und Stadtverordnetenvorsteher Prof. Dr. Wilhelm Dittenberger fand am Morgen des Geburtstages in der Wohnung des Jubilars statt. Der Ehrenbürgerbrief3 enthält in reich verzierter Renaissanceschrift auf Pergament den Text, der eingerahmt ist von einer globenartigen Malerei, die Blumen und Früchte als Fries zeigt und von der hallischen Malerin Margarethe von Brauchitsch geschaffen wurde. Die Ledermappe zeigt in der Mitte das Stadtwappen, von einem Eichenkranz umgeben.

Kühn verstarb am 14. April 1910 in Halle und wurde auf dem
Nordfriedhof bestattet.


1 StAH, Ehrenbürgerrecht Bd. 2 Bl. 16.
2 Ebd. Bl. 20.
3 StAH, Urkundenbestand Nr. 639. 

Beruf/Funktion

Universitätsprofessor, Direktor des landwirtschaftlichen Instituts 

Jahr der Verleihung

1895 

Geburtsdatum

23.10.1825 

Geburtsort

Pulsnitz 

Sterbedatum

14.04.1910 

Ort der Beisetzung

Halle, Nordfriedhof 

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