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Archivale des Monats Januar 2021

 Der Werbekalender der Firma Tittel 1907

Vorderseite des Kalenders Monate Januar – JuniRückseite des Kalenders Monate Juli - DezemberBereits im vorigen Jahrhundert verschenkten Firmen zum Jahreswechsel besonders gestaltete Kalender als Werbeartikel. Ein Beispiel ist der beidseitig bedruckte Wandkalender der Firma Franz Robert Tittel aus den Sammlungen des Stadtarchivs. Mit Abbildungen und Schmuckelementen war er Gebrauchsgegenstand und Raumdekoration zugleich.
Unter der Vielzahl der Bildelemente dominieren Firmen-Name, Reklametafeln sowie Ansichten des Geschäftshauses und der Moritzburg. Hinzu kommen Landschaftsdarstellungen als Sinnbild der Jahreszeiten. Die übrige Fläche füllen Jugendstil-Ornamentik und Wappen mit Bezug zum Goldschmiedehandwerk und zu Halle aus.  Daneben nimmt die Monatsübersicht einen vergleichsweise kleinen Raum ein. Neben den rot markierten Feiertagen finden sich auch hier Hinweise auf Geschenke zu jedem Anlass. Mit handschriftlichen Namenseinträgen versehen diente dieser Kalender vielleicht als Merkhilfe für Geburtstage von Verwandten und Bekannten.

Der Gold- und Silberschmied Franz Robert Tittel (1860-1936) führte seit 1885 Juweliergeschäfte an mehreren Standorten, bevor er das Grundstück Schmeerstraße 12, Ecke Zapfenstraße, erwarb und dort ein neues Haus errichtete.
Zwischen dem Alten Markt und dem Marktplatz gelegen, war das im Oktober 1906 eröffnete Geschäft gut erreichbar. Nach beiden Straßenseiten erstreckte sich eine große Schaufensterfront und lud zum Betrachten der „echten Silberwaren, versilberten Metallwaren, Edelzinn- und Nickel-Waren“ ein. In Wort und Bild wies Tittel mit seinem Kalender auf die neuen Verkaufsräume hin und warb für das umfangreiche Sortiment. Mit dieser vom Trauring bis zu silbernen Kaffeegeschirren reichenden Vielfalt konnte er sich neben anderen bedeutenden Juweliergeschäften der Stadt wie Firma Hermann Walter und Wratzke & Steiger behaupten.  Dazu machte er sich als Gründer des Heide-Vereins einen Namen und organisierte während des I. Weltkriegs in seinem Geschäftshaus eine Kriegsgefangenenfürsorge. Durch die zunehmende Spezialisierung auf Besteck und das in den 1930er Jahren als Souvenir verkaufte Silberbesteck mit Hallorenmotiv wurde Firma Tittel auch überregional bekannt.

Grafische Umsetzung und Druck des Kalenders erfolgten bei der Lithographischen Kunstanstalt der Gebr. Keil, die ihren Sitz am Steinweg 25 in Halle hatte. Die Anwendung der Lithografie als damals gebräuchlichstes Verfahren für farbige Drucksachen ermöglichte eine Auflage von 20000 Stück.