zur Startseite
Seite durchblättern:
Seite 3 / 3

Archivale des Monats Februar 2021

Eine Werbeschrift der HABÄMFA

Werbeschrift „MULTIPLEX“, 1950, 29,5 x 21 cm, VorderseiteWerbeschrift „MULTIPLEX“, 1950, 29,5 x 21 cm, VorderseiteRückseiteRückseiteVor einer „MULTIPLEX“ verweist ein strahlender Bäcker auf seine Backwaren und verspricht besseres Brot durch gemischtes und gesiebtes Mehl. Auf den folgenden Seiten des farbig bebilderten Prospekts finden sich nähere Informationen und Darstellungen zu dieser neuartigen Mehlmisch- und Siebanlage. Unter dem Arbeitsplatz sind die Tröge für Lagerung, Mischen und Sieben des Mehls und der Maschinenantrieb angeordnet. Vor allem kleinere Bäckereien wird diese Werbeschrift über die platzsparende Anlage der „Habämfa“ angesprochen haben.

Wie diese und andere Werbe- und Informationsschriften in der zeitgeschichtlichen Sammlung des Stadtarchivs belegen, war Halle bereits um 1900 ein Zentrum des Bäckereimaschinenbaues. Zahlreiche Fabriken produzierten hier verschiedene speziell für das Bäckereigewerbe bestimmte Einrichtungen, von Teigteil- und Knetmaschinen über Schlag- und Rührmaschinen bis hin zu Backöfen und Sackausklopfmaschinen.  Zahlreiche Neu- und Weiterentwicklungen in dieser Branche gehen auf hallesche Firmen zurück.  So ließ sich die Hallesche Bäckereimaschinenfabrik Rausch & Filbry, die seit Gründung 1919 unter dem Logo „Habämfa“ (Hallesche Bäckereimachinenfabrik) firmierte, die MULTIPLEX wohl schon vor dem II. Weltkrieg patentieren. Nach Kriegsende war die alte Firma enteignet und zusammen mit der ehemaligen Firma „Eberhardt“ als nunmehr volkseigener Betrieb „VEB Habämfa“ einer Vereinigung volkseigener Maschinenbaubetriebe, der VVB NAGEMA, zugeordnet worden.  Das vorgestellte, doppelseitige Werbeblatt erschien 1950 als Nachauflage einer älteren Schrift, wobei die ursprüngliche Firmenbezeichnung und Adresse unter einem schwarzen Balken verschwanden und der aktuelle Name hinzugefügt wurde.

Mit vollautomatischen Bäckereimaschinen und kompletter Fertigstellung von Großbäckereien im In- und Ausland erlangte die HABÄMFA auch zu DDR-Zeiten Bedeutung. Nach Privatisierung 1990 stellte sie 1994 ihren Betrieb ein.