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Archivale des Monats Juni 2020

 Plakat zum Motorrad- und Wagenrennen auf der Halle-Saale-Schleife

Plakat zum ersten Motorrad- und Wagenrennen auf der Halle-Saale-Schleife am 25. Juni 1950; 83,5 cm x 59 cm (StAH S 17 PB XXIX / S. 25)Am 25. Juni 1950 „dröhnten … zum ersten Male auf der in erstaunlich kurzer Zeit erbauten Halle-Saale-Schleife die Motoren der Rennfahrzeuge.“ Die am Folgetag erschienene Regionalausgabe der „Freiheit“ berichtete ausführlich über das von der Motor-Sport-Gemeinschaft Halle veranstaltete Rennen. Nach Angabe der Zeitung umsäumten Tausende sportbegeisterte Zuschauer die Strecke und jubelten den Siegern zu. „Auf dem Wege zur Rennstrecke aber boten sich Bilder, die den Laien lustig erschienen, für den begeisterten Motorsportler jedoch als zur ‚Zunft‘ gehörend betrachtet wurden. Mit Klappstühlen, Leitern und Bohlen ging es durch die mit dem blauen Fahnentuch der Jugend geschmückte Mansfelder Straße zur Rennstrecke, wo diverse ‚private Tribünen‘ errichtet wurden.“, heißt es in der Reportage weiter. Ab 8.30 Uhr rollten dann auf der 5.256,5 Meter langen Strecke die Rennwagen und Motorräder.

Nicht zuletzt durch Aushänge an Litfaßsäulen war das Ereignis angekündigt worden.
In der Plakatsammlung des Stadtarchivs Halle wird ein Plakat zu diesem ersten, vor 70 Jahren gestarteten Rennen bewahrt. Gedruckt wurde es im graphischen Großbetrieb C. G. Röder in Leipzig, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Werkstatt Carl Gottlieb Röder für das Drucken von Musiknoten entstanden war. Mit „halle graphik WINTER“ wird der bisher nicht näher zu ermittelnde künstlerische Urheber bezeichnet. Möglicherweise handelt es sich um den aus Weißenfels stammenden Helmut Winter (1924 - 2015), der als Schüler von Walter Funkat in Halle kurz nach Ende des II. Weltkrieges eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker absolvierte und in den 1970/80er Jahren in Kärnten tätig war. Die Gestaltung legt eine Verbindung zur Kunsthochschule Burg Giebichenstein nahe.

Ein roter Rennwagen mit Fahrer bestimmt das Bild. Durch grafische Betonung der Reifenrotation vermittelt sich das Tempo des Fahrzeugs. Auf den Veranstaltungsort weist im Hintergrund die charakteristische Kulisse der „Fünf Türme“ mit der Marktkirche und dem Roten Turm. Dazu benennt das geschwungene Schriftband die Rennstrecke und weist auf ihren kurvenreichen Verlauf. „Das Ganze wirkt etwas altertümlich und schwerfällig, hat dennoch ästhetische Reize.“, so das spätere Urteil zum Plakat aus kunstgeschichtlicher Sicht. Dennoch reflektiert die Gestaltung schon die dem Rennsport eigene Rasanz und Verwegenheit.

Neben weiteren Plakaten, Fotos und Plaketten erinnert eine Straßenbezeichnung westlich der Peißnitzinsel an die bis 1967 und letztmalig 2010 durchgeführten Rennen und damit an einen bedeutenden Abschnitt der halleschen Sportgeschichte.

Literatur:
Freiheit, Nr. 145, 26.06.1950
Sylke Wunderlich: Plakatkunst in der SBZ/DDR 1945/1949 – 1969, Geschichtliche Entwicklung und Gestaltung eines künstlerischen Mediums. Diss. Leipzig 2003