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Archivale des Monats August 2020

Zwei Fotokarten der Schiffbrücke zwischen Kröllwitz und Giebichenstein

  
Pontonbrücke über der SaaleAnsicht der Burg Giebichenstein, im vorderen Teil die PontonbrückeNur wenige Zeilen informierten die Leser des Halleschen Tageblatts vor 150 Jahren, im August 1870 zur Übergabe der neuen Schiffbrücke bei Cröllwitz an den öffentlichen Verkehr. Vier Monate zuvor, im April 1870 waren Bauunternehmen zur Abgabe von Angeboten zur Anfertigung von 14 Pontons in Eisenblech- und Schiffbauerarbeit, Lieferung von Holz und schmiedeeisernem Beschlag aufgerufen. Vorzüge und Nachteile des zukünftigen Saaleübergangs am Giebichenstein beleuchtete denn auch der Autor eines Zeitungsartikels ausführlich. So bot die Brücke einerseits die dauernde Möglichkeit zum Überqueren des Flusses, womit das mitunter lange Warten auf die Fähre entfiel. Andererseits äußerte der Autor starke Bedenken zur optischen Anmutung einer „platt auf dem Strome liegenden Schiff- oder Pontonbrücke“ und wies auf die absehbare Beeinträchtigung der beliebten Kahn- und Gondelfahrten hin.
Seit dem 20. August 1870 war dann das Passieren nach Entrichtung des Brückengeldes möglich. Der Tarif sah unter anderem 3 Pfennig pro Person, 1 Groschen für ein mitgeführtes Pferd oder ein Stück Rindvieh und 2 Groschen für ein Fuhrwerk mit Beladung vor.
Zur Gewährleistung des Schiffsverkehrs konnte ein Segment der Brücke gelöst und herausgeleitet werden. Eine völlige Demontage und Lagerung der Pontons auf einem gesonderten Platz erwiesen sich bei Hochwasser oder Eisgang als notwendig. In solchen Fällen wurde die Fähre wieder in Betrieb genommen.
22 Jahre später genügte die Pontonbrücke den Verkehrsanforderungen nicht mehr. Die Gemeinde Kröllwitz verkaufte sie an den Schiffseigner Friedrich Meye in Wettin. In der Inventarliste sind detailliert alle Bestandteile, dazu auch das Brücken-Häuschen und ein Schwimmring aufgeführt. Von 1893 bis zur Sprengung 1945 leistete die schwimmende Brücke weiter in Wettin ihre Dienste.
Das Bildmaterial der von 1870 bis 1892 genutzten Pontonbrücke ist im Gegensatz zu den unzähligen Aufnahmen der beiden Nachfolgebauten überschaubar. Vorgestellt werden hier zwei von der „Kunstdruck-Anstalt Römmler & Jonas“ 1892 herausgegebene Karten aus den Sammlungen des Stadtarchivs. Der 1871 in Dresden gegründete Verlag war für seine Serien mit Stadtansichten bekannt. Auf dem Foto „Bergschänke“ ist das auf der Kröllwitzer Seite gelegene Brückenhäuschen erkennbar. Die zweite Abbildung zeigt neben dem alten Übergang bereits Teile der neuen Stahlbrücke am Giebichenstein.
 

Bildunterschriften
1. Pontonbrücke in Richtung Kröllwitz, 1891
2. Pontonbrücke, dahinter Burg Giebichenstein, 1891

Quellen:
A 1.1.15 Kap. XV Abt. I Nr. 25
Hallesches Tageblatt, 22.04.; 27.04.1870; 28.08.1870; 05.11.1891