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Archivale des Monats Oktober 2022

Die Festschrift des Kaufmännischen Vereins in Halle

„Am 19. Oktober 1912 blickt der Kaufmännische Verein auf ein 50jähriges Bestehen zurück.“, so die einleitenden Worte zu einer Festschrift, die ausführlich die Entwicklung dieser Institution beleuchtet und mit prächtigem Einband versehen ist.
Vor der Silhouette der Marktkirche und des Roten Turms reichen sich ein Mann und eine Frau in antiken Gewändern die Hand. Mit flügelbesetztem Helm und Flügelschuhen sowie Heroldstab ist Merkur als Gott des Handels zu erkennen. Für erfolgreiches Wirken des Vereins steht der von der Frau über dem Wappenschild gehaltene Lorbeerkranz. Neben den Initialen KV sind wiederum der Flügelhut und der charakteristische, von zwei Schlangen umwundene Stab dargestellt.
 

Ganz dem Jugendstil verpflichtet ist der von Max Paul Jentsch (1868-1944) gestaltete Einband. Er war als Zeichner für Kunst und Industrie tätig, fertigte Adressen, Diplome, Klischees und Illustrationen. Herausgegeben wurde das mit zahlreichen Abbildungen versehene Buch im Verlag Otto Thiele, bei dem auch die Hallesche Zeitung erschien.

Wie auch in zahlreichen anderen Städten entstand der Kaufmännische Verein in Halle zur Absicherung und materiellen Förderung von Kaufleuten. Dazu gehörten eine Unterstützungs-und Krankenkasse ebenso wie Maßnahmen zum Gläubigerschutz. Eine Stellenvermittlung half Handlungsgehilfen bei der Suche nach Arbeit. Besondere Bedeutung kam der kaufmännischen Aus- und Weiterbildung durch Vorträge, Vorlesungen, einer  Bibliothek und eigener Fortbildungsschule zu. Wie der Festschrift weiter zu entnehmen ist, wechselten Geschäftsstelle und Schule wegen steigender Mitglieder- und Schülerzahlen in den ersten beiden Jahrzehnten häufig den Standort. Seit 1885 befand sich das Vereinshaus am Großen Berlin, ehe 1910 ein Grundstück in der Großen Ulrichstraße 10 gemietet wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts umfasste der Verein über 800 Vertreter hallischer Firmen sowie Bank- und Handelshäuser.
Während der Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum hob Oberbürgermeister Rive die Wohlfahrts- und Bildungseinrichtungen des Vereins als vorbildlich hervor und würdigte dessen Verdienste um den Aufschwung der Stadt.


Einband der Festschrift, Entwurf Max Paul Jentsch, 1912
Ausschnitt aus dem II. Teil der Festschrift