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Archivale des Monats November 2020

Ein Brillenrezept des Augen-Optik-Geschäfts „C. W. Trothe“, 1940  

Ältere Geschäftsbriefe und Firmenrechnungen enthalten neben den Absenderangaben oft reich gestaltete Briefköpfe mit Werksansichten, Produktwerbung und Darstellung erworbener Auszeichnungen.  Nicht nur von Sammlern, auch als wichtige Quelle für die Wirtschaftsgeschichte einer Region werden sie in Museen und Archiven bewahrt.  In der Briefkopfbogensammlung des Stadtarchivs befindet sich neben solchen Dokumenten kaufmännischer Korrespondenz auch ein Brillenrezept des Augen-Optik-Geschäfts „C.W. Trothe“. Das Formular vermittelt bereits in Kürze Informationen zum Gründungsjahr und wichtigen Firmeninhabern und somit ein Stück Firmengeschichte des heute noch in Halle ansässigen Optikunternehmens.

Im Juni 1817 zeigte der „Mechanikus und Optikus“ Wilhelm Trothe (1785 - 1845) im Hallischen Patriotischen Wochenblatt einem „geehrten Publikum … ergebenst an, …“, dass bei ihm auch „alle Sorten Augengläser, als Brillen in verschiedenen Fassungen, Lorgnetten …“ und andere Artikel zu haben sind. Das Rezept weist jedoch dessen Sohn Carl Wilhelm Trothe (1817 - 1883) als Namensgeber der Firma aus. Der geschäftstüchtige Optiker bot z. B. 1847 neben selbst gefertigten Brillen auch Guckkästen und Projektionsgeräte wie Laterna magica und Camera obscura an.

Als Inhaber ist der Diplom-Optiker Erich Norgall (1886 - 1970) angegeben. Von 1916 bis 1969 lenkte er die Geschicke des Geschäfts und sicherte dessen Erhalt in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Zudem vertrat er als Obermeister gebietsübergreifend die Interessen der Optiker.

Das seit den 1930er Jahren genutzte Logo als Kombination eines waagerechten und senkrechten Balkens mit zwei Brillengläsern weist auf den Anfangsbuchstaben des Firmennamens. Es wird leicht abgewandelt auch heute noch bei „Trothe-Optik“ verwendet.

Das Rezept für eine Fernbrille wurde für Dr. Erich Neuss (1899 - 1982) ausgestellt, der als langjähriger Leiter des Stadtarchivs und Verfasser zahlreicher regionalgeschichtlicher Publikationen bekannt geworden ist.

Literatur:
Hallisches Patriotisches Wochenblatt, 14. Juni 1817 und 4. Dezember 1847
200 Jahre Trothe-Optik. Sehenswert seit 1817, Halle 2017