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Die Halle-Störung

Mitten durch das Zentrum der Stadt verläuft im Untergrund zwischen Rathaus, Händel-Denkmal und Marienkirche eine tektonische Bruchlinie. Dieser verdankt die Stadt Halle (Saale) ihre Entstehung. Die tektonischen Verhältnisse begünstigten das Zutagetreten von salzhaltigen Quellen, die wiederum Ausgangspunkt für den wirtschaftlichen Aufstieg und den Reichtum der Stadt waren.

Die "Halle-Störung" gehört zu einem den mitteldeutschen Raum durchziehenden System von Verwerfungen. Im Gebiet der heutigen Stadt Halle begann sich die Erdkruste vor mehr als 65 Mio. Jahren an einer dieser Verwerfungen aufzuspalten. Eine Hochscholle hob sich um mehrere hundert Meter gegenüber einer Tiefscholle heraus. Daraufhin zerbrachen dort angrenzende Gesteinsschichten und wurden zum Teil aufgerichtet. Diese geologischen Veränderungen, die vermutlich zahlreiche Erdbeben verursachten, erstreckten sich über einen Zeitraum von 30 Mio. Jahren. Heute sind die tektonischen Bewegungen allerdings abgeklungen.

Das Relief der Stadt wurde durch die "Halle-Störung" wesentlich geprägt. So ist die Senke im Stadtzentrum Folge der unterirdischen Auslaugung der an der Verwerfung aufgestiegenen Zechstein-Salze. Der Untergrund der Stadt gliedert sich in drei Bereiche. Zur Hochscholle zählen u. a. Rive-Ufer, Burg Giebichenstein, Klausberge und die nördliche Altstadt. Die Störungszone wird von Hansering, Waisenhausring, Moritzzwinger sowie Hallorenring begrenzt und zeigt sich ebenso im Gebiet der Franckeschen Stiftungen. Die Tiefscholle umfasst u. a. weite Teile der südlichen Kernstadt, die Stadtteile Ammendorf, Silberhöhe und Neustadt.

Die tektonischen Verhältnisse entlang der ”Halle-Störung” begünstigten das Aufsteigen von Solequellen, wegen der sich vor etwa 5000 Jahren erstmals Menschen im Gebiet der heutigen Stadt Halle ansiedelten. Solebrunnen und Salzgewinnung wurden zum Kennzeichen der ”Salzstadt” Halle.

Ab dem 14. Jahrhundert wurden verschiedene Brunnen zur Salzgewinnung genutzt. Ende des 15. Jahrhunderts gab es 116 Siedehütten in der Stadt. 1721 nahm die königliche Saline ihren Betrieb auf. 1964 wurde sie stillgelegt. Mittlerweile sind alle Brunnen versiegt, nachdem Anfang des Jahrhunderts noch mehr als 10.000 Tonnen Salz pro Jahr gewonnen wurden.

Heute zeugt der Gutjahrbrunnen in der Oleariusstraße noch von den besonderen geologischen Verhältnissen im Stadtgebiet. Einen Blick auf die Halle-Störung als geologische Besonderheit ermöglicht seit Mai 2006 das nahe der Marktkirche errichtete Geoskop.

Weitere Informationen: www.halle.de/VeroeffentlichungenBinaries/237/129/br_geologischer_lehrpfad_2006.pdf

Quelle: Landesamt für Geologie und Bergwesen

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