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Grundwasserbelastungskataster

Ausgangssituation

Das Stadtgebiet von Halle (Saale) besitzt einen außerordentlich komplexen und komplizierten geologisch-hydrogeologischen Bau und weist durch seine jahrhundertelange industrielle Nutzung sowie durch die intensive bergbauliche Inanspruchnahme des unmittelbaren Stadtumfelds (Braunkohlenbergbau, Kaligewinnung) starke, durch den Menschen hervorgerufene Belastungen auf.

Industrieanlagen emittierten über lange Zeiträume feste und flüchtige Abprodukte, die sich in der weiteren Umgebung ablagerten bzw. mit atmosphärischen Niederschlägen zu weiteren Reaktionen führten. Über den Belastungspfad Boden können somit Schadstoffkomponenten in grundwasserleitende Horizonte immigrieren. Kontaminationen auf Altablagerungen und Altstandorten sowie der unsachgemäße Umgang mit wassergefährdenden Stoffen führten ebenfalls zu Verunreinigungen.

Das Grundwasserbeobachtungsnetz im Stadtgebiet war in der Vergangenheit sehr inhomogen und unterstand zudem verschiedenen Rechtsträgern. Anfang der 90er Jahre stand dem Umweltamt der Stadt Halle (Saale) lediglich ein generalisierter Hydroisohypsenplan für das Stadtgebiet zur Verfügung. Bei näheren Betrachtungen wurde festgestellt, dass die gewünschten Aussagen über die wirklichen Grundwasserverhältnisse im Stadtgebiet damit nicht belegt werden können.

Mit zunehmender Bedeutung der Umweltbelange und für die Überwachung und Kontrolle bestehender Grundwasserkontaminationen war für die Stadt ein möglichst dichtes, funktionsfähiges und aussagekräftiges Grundwassermessnetz erforderlich.

Um die wissenschaftlichen Grundlagen zu verbessern, wurden die notwendigen geophysikalischen und geologischen Untersuchungen veranlasst.

Nach einer 1993 vorgenommenen ersten Inventarisierung bestand das potentielle Beobachtungsnetz aus 132 Messstellen, die sehr ungleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt waren. Zahlreiche Pegel wiesen zudem gravierende Mängel auf und waren messtechnisch unbrauchbar.
 

Aufbau des Grundwasserbelastungskatasters

Im Jahr 1993 begannen die Arbeiten zum Aufbau eines komplexen Grundwasserbelastungskatasters des Stadtgebietes Halle (Saale). Seit 1994/95 wurden durch die Stadt Halle (Saale) in enger Abstimmung mit dem Geologischen Landesamt Sachsen-Anhalt an hydrogeologischen Schlüsselpunkten sowie in umweltrelevanten Gefahrenbereichen des Stadtgebietes hydrogeologische Qualitäts-Pegelbohrungen verteuft.

In den Jahren 1995 bis 1997 wurde das Grundgerüst des Grundwasserbelastungskatasters aufgebaut, das auf einem integrierten geologisch-hydrogeologischen Raummodell des Stadtgebietes basiert und dessen Kerngerüst aus ca. 1.400 erfassten und digital ausgewerteten geologischen Aufschlüssen sowie ca. 430 Grundwassermessstellen besteht.

Schwerpunkt des geologisch-hydrogeologischen Rahmenmodells ist die Zusammenfassung und Synthese der bisher bekannten hydrodynamischen und hydrochemischen Gesetzmäßigkeiten, die für Schadstoffausbreitung und -transport von besonderer Relevanz sind. Es sollen jedoch auch bereits bekannte Grundwasserkontaminationen erfasst und hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz bewertet werden.

Seit 1995 wird in regelmäßigen Zeitabständen das Hydromonitoring-Programm des Fachbereiches Umwelt im Rahmen des Grundwasserbelastungskatasters durchgeführt. Es umfasst Stichtagsmessungen sowie die hydrochemische Untersuchung von Wasserproben. In das Qualitätspegelnetz, das vom Fachbereich Umwelt der Stadt Halle (Saale) für qualitative Untersuchungen genutzt werden kann, wurden 50 Grundwassermessstellen einbezogen. Stichtagsmessungen wurden an 60 Grundwassermessstellen durchgeführt.

Die Auswahl der Pegel für das Dauermonitoring erfolgte auf der Basis einer detaillierten Auswertung von vorliegenden Mess- und Untersuchungsreihen. Auf der Grundlage einer zusammenfassenden Auswertung der vorliegenden, seit 1995 durchgeführten jährlichen chemischen Grundwasseruntersuchung wurden der Grundchemismus der unterschiedlichen Grundwasserleiter bewertet und Grundwasserbelastungsbereiche definiert. Die chemische Untersuchung der Proben erfolgte auf ausgewählte Grundparameter und die durch die Auswertung der im Rahmen des Grundwasserbelastungskatasters durchgeführten Untersuchungen ermittelten typischen Schadstoffe.

Im Rahmen der vorgenommenen Stichtagsmessungen wurde und wird das Pegelverzeichnis ständig aktualisiert. Damit wurde eine fundierte Grundlage geschaffen, auf die im Schadensfall zur Festlegung relevanter Mess- oder Probenahmestellen rasch zurückgegriffen werden kann.

Die Ergebnisse gestatten eine Kontrolle und Bewertung der im Stadtgebiet bestehenden Grundwasserkontaminationsschwerpunkte sowie von Veränderungen im Chemismus des Grundwassers.

Fortführung des Grundwasserbelastungskatasters

Im Ergebnis der bisherigen Bearbeitung, die in enger Kooperation und mit Unterstützung der Fachbehörden (Staatliches Amt für Umweltschutz/Regierungspräsidium/ Landesverwaltungsamt, Geologisches Landesamt Sachsen-Anhalt/Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt) und gefördert durch das Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt erfolgte, kann eingeschätzt werden, dass umfangreiches Datenmaterial zusammengetragen und ausgewertet wurde und so eine solide und ausreichende Basis für das hydrogeologische Raummodell der Stadt Halle (Saale) gelegt werden konnte.

Damit sind sowohl fundierte Grundlagen für planerische Tätigkeiten (Standortentwicklung) erarbeitet, als auch die Voraussetzungen für eine vorausschauende Überwachung potentieller Gefahrenbereiche in Bezug auf Altlasten und altlastverdächtige Flächen in der Stadt geschaffen worden. Die komplexe Nutzung des hydrogeologischen Raummodells der Stadt Halle (Saale) und seine immer breitere Anwendung durch die kommunalen Fachabteilungen erfordert eine weitere Qualifizierung des vorhandenen umfangreichen Datenbestandes und dessen fortlaufende Pflege, als auch eine Ergänzung des bereits bestehenden hydrogeologischen Beobachtungsnetzes im Stadtgebiet und dessen weitere fachtechnische Überwachung und Kontrolle.

In einem speziellen Untersuchungsprogramm wurden 1999 in fünf Schwerpunktbereichen eingehende Untersuchungen hinsichtlich der Grundwasserdynamik, Schadstoffbelastung und Schadstofftransport durchgeführt mit dem Ziel, die Schadstoffbelastungsbereiche abzugrenzen. Diese Arbeiten erfolgten in den besonders umweltrelevanten Stadtbereichen Halle-Ost, Halle-Ammendorf, Saaleinsel, Halle-Paulusviertel, Halle-Neustadt.

Um ein schnelles Handeln zu ermöglichen, werden sämtliche erfassten Daten in das Grundwasserbelastungskataster eingepflegt. Auf der Grundlage der aktuellen Daten werden Gefahren erkannt und Gefahrenabwehrmaßnahmen festgelegt. Es bleibt daher nach wie vor eine wichtige Aufgabe, sämtliche im Bearbeitungsjahr ermittelten geologische, hydrogeologische und hydrochemische Daten und Erkenntnisse in das Grundwasserbelastungskataster zu übernehmen sowie bereits vorhandene Daten zu aktualisieren.

Dabei werden einerseits geplante Arbeiten zur Kenntnisstandserweiterung fachtechnisch vorbereitet und betreut. Andererseits werden alle ermittelten Daten gemäß den Erfordernissen der Landesdatenbank Sachsen-Anhalt aufbereitet und standortkonkret mit den bereits vorliegenden umfangreichen Datenbeständen des geologisch-hydrogeologischen Raummodells abgestimmt. Damit werden auf das Grundwasser bezogene umweltrelevante Gefährdungspotentiale auch in Zukunft genauer erkennbar.

Die nachfolgenden Karten stellen vorwiegend den Bearbeitungsstand des Jahres 1999 dar und geben einen Überblick über das grundsätzlich vorhandene Material, das in der jeweils aktuellen Fassung bei der Unteren Bodenschutzbehörde der Stadt Halle verfügbar ist.

Quellen und Karten des Kapitels 2.1.: G.E.O.S. Halle, Niederlassung der G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH, (Bearbeiter Frau Lauer), IDU Ingenieurgesellschaft für Datenverarbeitung und Umweltschutz mbH, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen

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