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Bodengesellschaften (Karte 12, Auszug)

Allgemeines

Der Boden ist ein wesentlicher Bestandteil der natürlichen Lebensgrundlagen und gehört neben dem Landschaftsbild, Wasser, Luft, Klima, Arten- und Lebensgemeinschaften zu den landschaftsplanerischen und naturschutzfachlichen Schutzgütern.

Er erfüllt Regulationsfunktionen im Naturhaushalt wie Filterung, Pufferung, Transformation, Bindung, Abbau, Speicherung und beeinflusst die anderen Schutzgüter erheblich. Hochwertige und besonders fruchtbare Böden erfordern daher einen besonderen Flächenschutz. Der Boden ist kaum in seiner gewachsenen Form wiederherstellbar und Bodenfläche ist nicht vermehrbar. Er ist naturgegebener Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Teil des Ökosystems mit seinen Stoffkreisläufen. Daher ist die kartographische Analyse und Bewertung des Bodens eine notwendige landschaftsplanerische Grundlage.

Die kartographische Erfassung des Bodens und seine Darstellung beruhen auf der Ausgrenzung von Bodengesellschaften (Bodenklassen), d. h. Inhaltsbestimmung der Kartierungseinheiten durch Benennung der in ihr vorherrschenden bodensystematischen Einheit bzw. einer bestimmten Klasse von Bodentypen mit gleicher oder ähnlicher Horizontabfolge.

Insgesamt werden elf Klassen gewachsenen Bodens unterschieden, welche durch den vorherrschenden Bodentyp bestimmt sind und die durch unterschiedliche Ausgangsgesteine der Bodenbildung und des Substrates weiter differenziert werden können. Dazu kommt noch eine weitere Bodenklasse. Diese umfasst die technogen veränderten Standorte und die Bergbaurestformen (Tagebaue, Halden, Kippen).

Das bodenbildende Ausgangssubstrat, insbesondere seine Korngrößenzusammensetzung und sein Nährstoffgehalt sowie sein Nährstoffnachlieferungsvermögen bestimmen die Bodeneigenschaften wesentlich. So haben sich auf den Gesteinsdurchragungen des Halleschen Porphyrkomplexes, dort wo an Erhebungen die dünne Lößdecke erodiert wurde, ebenso wie auf den permokarbonischen Konglomeraten und Sandsteinen überwiegend Berglehm-Braunerden herausgebildet. Auf den Muschelkalksedimenten sind bei Fehlen der Lößsedimente Fels- bzw. Mergel-Rendzinen entwickelt.


Boden im Stadtgebiet

Tertiäre Sedimente sind häufig nur kleinflächig bodenbildend durch Tone und Sande vertreten. Ein größeres Areal nehmen die armen Tertiärsande der Dölauer Heide ein. Sie bilden das Ausgangssubstrat von Sand-Podsolen und Sand-Braunpodsolen.

Die besten Voraussetzungen für die Bodenbildung im halleschen Stadtgebiet und damit für höchstwertige Ackerstandorte bilden die weichselzeitlichen äolischen Decken. Je nach Lößmächtigkeit, Korngrößenzusammensetzung und Degradationsstadium erfolgt die Differenzierung in Lößdecken, Sandlößdecken und Geschiebedecksande.
Löß-Schwarzerden, lehm- und sandunterlagerte, skeletthaltige Lößtieflehm- bzw. Decklöß-Schwarzerden sind die entsprechenden typischen Bodenbildungen.

Die Plateaus und Platten im nördlichen Teil der Stadt sind von den Lößsedimenten bestimmt und von Löß­Schwarzerden bedeckt. Diese Teilräume enden an der Lößgrenze und weisen hohe Bodenwerte auf. Aufgrund der hochwertigen Böden wären diese Räume geeignet, für den Flächenschutz ausgewiesen zu werden.

Die 60 bis 80 cm mächtigen Humushorizonte der Schwarzerden sind sehr erosionsanfällig. Bei bedeutender Reliefenergie sind die mächtigen Schwarzerdehorizonte bereits erodiert worden, so dass Löß-Rendzinen an deren Stelle getreten sind und an den Hangfüßen und in Tälchen Kolluvialschwarzerden ausgebildet wurden, wie beispielsweise bei Mötzlich.

Im Nordwesten bei Tornau ist inselförmig ein Gebiet von Griserden bestimmt. Dabei handelt es sich um durchschlämmte Lößschwarzerden, die vermutlich nicht ununterbrochen landwirtschaftlich genutzt wurden, sondern zeitweilig von Wald bedeckt waren.

Ist das Bodensubstrat des Sandlöß besonders schluffreich, dann sind Braunschwarzerden der dominierende Bodentyp, so bei Reideburg und Büschdorf.

Sowohl in der Saaleaue wie in der Elster-Luppe-Aue bildet vorwiegend schluffreicher Auenlehm das Ausgangssubstrat der Bodenbildung. Durch periodisch und episodisch schwankenden Grundwasserstand wird immer wieder ein Umlageprozess in Gang gesetzt, der zur Bildung von Auenton-Vega und Auenschluff-Vega-Böden führte.

Schwarzstaugleye kommen in der Dölauer Heide und zwischen Nietleben und Zscherben vor.

Grundwasserbeeinflusste und -bestimmte Böden (Grundgleye, Niedermoore, Anmoorgleye) treten örtlich in den großen Flussauen auf. Sie sind jedoch in den Tälern der kleinen Vorfluter des halleschen Raumes die dominanten Bodengesellschaften. Flächig dominieren Schwarzgleye im oberen Reidetal und im Götschetal nördlich von Halle sowie in den Bachtälchen, die von Westen zur Saale orientiert sind. Im Mündungsbereich der Kabelske und an der unteren Reide zwischen Bruckdorf und Büschdorf ist der Talboden mit Niedermoor- und Anmoorgley-Böden bedeckt.

Der besiedelte Bereich des Stadtgebietes wird von anthropogen stark überprägten Böden bestimmt. In Abhängigkeit von der Siedlungsgeschichte und je nach vorherrschender Nutzungsform sind mehr oder weniger mächtige Kulturschichten vorhanden. Die Bodentypen sind stark von der derzeit vorhandenen Nutzung geprägt. Die Grenzen der in der Karte ausgewiesenen Bauflächen der Siedlungen und des siedlungsnahen Umlandes begrenzen die Verbreitungsareale der ausgewiesenen natürlichen Bodengesellschaften und weisen eigenständige, durch anthropogene Aktivitäten und Prozesse geprägte Böden auf.

Für Flächen außerhalb des Siedlungsgebietes wird in der Karte auch die natürliche Ertragsfunktion betrachtet. Besonderen Ausdruck findet die standörtliche Bodenfruchtbarkeit durch die kartographische Darstellung der Bodenwertzahlen, welche aus den Ergebnissen der Reichsbodenschätzung ermittelt worden sind. Bodenwertzahlen, die aus dem Ackerschätzungsrahmen vom Wert 7 bis zum Wert 100 reichen, sind in vier Gruppen zusammengefasst und als Kartierungseinheiten ausgewiesen. Als Datenmaterial dienen die ermittelten Werte, welche auf das Ackerland bezogen wurden. Im Einzelnen werden unterschieden:

  • sehr gute Böden mit Wertzahlen von 81 bis 100,
  • gute Böden mit Wertzahlen von 61 bis 80,
  • mittlere Böden mit Wertzahlen von 41 bis 60 und schließlich
  • geringe und schlechte Böden mit Wertzahlen kleiner/gleich 40.

Ein Vergleich der Karte der Bodengesellschaften und des Vorkommens bedeutsamer Bereiche für den Arten­ und Biotopschutz zeigt, dass vorwiegend Böden extremer Standorte bedeutsam sind, also trockene Böden oder solche mit stau­ oder grundwasserbestimmtem Bodenfeuchteregime sowie flachgründige, nährstoffarme Standorte.

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