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Heutige Potentiell natürliche Vegetation der Stadt Halle (Saale), (Karte 3)

Unter der potentiell natürlichen Vegetation wird diejenige hypothetische Vegetation verstanden, die unter den gegebenen standörtlichen Rahmenbedingungen vorkommen würden, wenn alle direkten Eingriffe des Menschen (Ackerbau, Mahd, Düngung usw.) wegfielen. Sie ist damit ein Maß für das Leistungspotential der Natur unter den gegebenen Umweltbedingungen.

Dabei ist es wichtig, dass nach dem gedanklichen Wegfall der direkten menschlichen Eingriffe sich die Vegetation nicht im Zuge einer Sukzession über einen längeren Zeitraum verändert, sondern derjenigen Klimagesellschaft entspricht, die zu diesem Zeitpunkt vorhanden wäre. Die Unterschiede zur natürlichen Vegetation erwachsen aus den durch den Menschen irreversibel veränderten Standortfaktoren. Aus methodischen Gründen bleibt der intensiv besiedelte Bereich der Stadt bei den Überlegungen zur potentiell natürlichen Vegetation ausgespart. In der Teilfortführung des LRP von 2013 wird noch einmal detaillierter auf die potentiell natürliche Vegetation eingegangen.

Wie es bereits aus verschiedenen Landschaftsräumen vorliegende Karten ausweisen und die Sukzessionsentwicklungen auf brachliegenden Flächen im halleschen Raum erkennen lassen, kann im gesamten Stadtgebiet von einer fast völligen Waldbedeckung ausgegangen werden. Dies ist auf Grund der Jahresniederschläge von über 450 mm auch möglich.

Die vorherrschende Waldvegetation differenziert sich dabei im Wesentlichen nach dem Wasserfaktor und dem Nährstoffangebot. Der Wasserfaktor reicht von ganzjährig nassen, über periodisch überfluteten bis hin zu ausgeprägt trockenen Standorten. Bezüglich des Nährstoffangebotes im Boden ist festzustellen, dass in der Saalestadt die nährstoffreichen Standorte dominieren. Nährstoffarmut herrscht nur auf den flachgründigen Porphyrkuppen und im Bereich von sandigen und kiesigen Kippsubstraten der ehemaligen Braunkohletagebaue im Osten der Stadt.

Die grundwasserfernen Standorte mit Schwarzerde-Böden würden von subkontinentalen winterlindenreichen Traubeneichen-Hainbuchen-Wäldern eingenommen. Diese Wälder sind artenreich und stark in eine obere und untere Baumschicht, eine gut ausgebildete Strauchschicht und eine Feldschicht gegliedert.

Die frischeren bis feuchten Standorte im Übergangsbereich zu den Erlen-Eschen-Wäldern der Bachtäler und in Randlage der Saaleaue dürften mit dem Auftreten von Esche, Berg-Ahorn und Feld-Ahorn edellaubholzreicher sein. Diese Waldausprägung ist als Ausbildung des Eichen-Hainbuchenwaldes in der Karte 3 des LRP dargestellt.

In den wenigen Standorten mit lokal höherer Luftfeuchtigkeit im Porphyrgebiet (z. B. Amselgrund) dürfte sich der Anteil anspruchsvoller Edellaubhölzer gegenüber der feuchten Ausprägung des Eichen-Hainbuchenwaldes noch weiter erhöhen. Für diese Sonderstandorte wird deshalb ein edellaubholzreicher Schluchtwald angenommen.

Im Bereich von flachgründigen Kuppen und exponierten Hangschultern des Halleschen Porphyrkomplexes wird die Vegetation vor allem in Südexposition waldsteppenartige Züge tragen. Unter der infolge Trockenheit aufgelockerten Baumschicht könnten sich lichtliebende und trockenheitsverträgliche Arten der Trocken- und Halbtrockenrasen einstellen. Kleinflächig sind bereits Felsfluren eingestreut (Kröllwitz). Vergleichbare Gehölzbestände sind in jungen Steinbrüchen entwickelt.

Erlenbrüche treten nur an wenigen Stellen im Stadtgebiet, besonders im Bereich verlandeter Altwasser auf. Sie werden auch als potentielle Vegetation für die größeren Lehmstiche in der Saaleaue um Planena angenommen.

Im Einflussbereich stärker fließenden Grundwassers mit nur zeitweilig stärkeren Vernässungen sind Erlen-Eschen-Wälder vom Typ des Pruno-Fraxinetum entwickelt. Hauptholzart ist neben der Schwarzerle (Ainus glutinosa) die Esche (Fraxinus excelsior). Regelmäßig treten auch Feld- und Flatter-Ulme (Ulmus minor, U. laevis), Traubenkirsche (Prunus padus) und Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) auf. Im Gegensatz zum Erlenbruch ist die Feldschicht sehr artenreich und üppig entwickelt.

Im Kontakt zu diesen Erlen-Eschen-Wäldern sind auf grundwasserbeeinflusstem Löß Wälder entwickelt, die in ihrem Bestandsaufbau große Ähnlichkeit zu den Hartholzauenwäldern der Saaleaue aufweisen. In diesem Holunder-Ulmen-Auenwald bilden Stiel-Eiche (Quercus robur), Esche und Feld-Ulme den Artengrundbestand.

In der Saaleaue ist als potentiell natürliche Vegetation ein Komplex aus Weichholzaue und Eschen-Stieleichen-Wäldern anzunehmen. Die von verschiedenen Weidenarten (Salix spec.) und der Schwarz-Pappel (Populus nigra) gebildete Weichholzaue säumt galeriewaldartig den Fluss. Für den Bereich nördlich des Burgholzes kann sogar mit einer flächigen Verbreitung gerechnet werden.

Der Weichholzaue schließt sich im Überschwemmungsgebiet der Saale und Weißen Elster großflächig der Hartholzauenwald (Eschen-Ulmen) an, der seine Bezeichnung dem dominierenden Auftreten von Hainbuche (Carpinus betulus) und Stiel-Eiche verdankt.

Eine wichtige Rolle spielen Kippenwälder auf den Abbauflächen des Braunkohlenbergbaues. In den ersten Jahrzehnten ist auf den tertiären Kippsubstraten ein kiefern- und birkenreicher Stieleichenwald als potentieller Waldtyp anzunehmen. In feuchten Senken treten Pfeifengras, Weiden und Erlen hinzu. Auf Flächen mit tiefgründiger Melioration vor der Rekultivierung ist nach einer ersten Waldgeneration durchaus bereits wieder mit einem Waldtyp zu rechnen, der dem Eichen-Hainbuchen-Wald ähnlich ist.

Als potentiell natürliche Vegetation sind deshalb im LRP 1997 nachfolgend aufgeführte Vegetationstypen dargestellt:

  • Weiden-Pappel-Wald (Weichholzauenwald)  
  • Erlenbruch-Wald
  • Hartholz-Auwald (Eschen-Ulmen-Hartholzauenwald)  
  • Erlen-Eschen-Wald
  • Schluchtwald (Edellaubholzreicher Schluchtwald)  
  • Holunder-Ulmen-Auwald
  • Eichen-Hainbuchen-Wald, feuchte Ausbildung  
  • Eichen-Hainbuchen-Wald
  • Eichen-Trockenwald mit kleinflächigen Felsfluren  
  • Eichen-Birken-Kippenwälder
  • Eichen-Birken-Kippenwälder, feuchter Ausprägung 
  • Wasser- und Röhrichtvegetation
  • Eichen-Hainbuchen-Wald, arme bzw. thermophile Ausbildung

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