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Saalehochwasser 2013

Ursache und Verlauf des Hochwassers

Die außergewöhnlich ergiebigen Niederschläge im Verlauf des Monats Mai und insbesondere Anfang Juni 2013 führten in weiten Teilen Deutschlands zu großräumiger Wassersättigung der Böden oder sogar zur Überstauung von Bodenflächen.

Im Einzugsgebiet von Saale und Weißer Elster wurden Niederschlagsmengen beobachtet, die vielfach dem zwei- bis dreifachen der durchschnittlichen Monatswerte entsprachen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden für Sachsen-Anhalt Gebietsniederschlagshöhen von 223 Prozent und für den Freistaat Thüringen von 264 Prozent ermittelt. Hinzu kommende Starkniederschläge ließen die Pegelstände in vielen Flussgebieten sprunghaft ansteigen.

Hochwasserverlauf im Gebiet der Saale mit Ilm, Unstrut und Weißer Elster

An der Saale und ihren bedeutenden Zuflüssen, insbesondere Ilm und Weiße Elster, wurden auf Grund des flächendeckenden, langanhaltenden Dauerregens noch nie beobachtete Höchstabflüsse registriert.
Dabei konnten die Saale-Talsperren im Oberlauf anfangs erhebliche Wassermengen aus dem oberhalb gelegenen Einzugsgebiet zwischenspeichern und die Zuflüsse zur Saale im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kapazität wirksam reduzieren. Nachdem auch die Talsperren kein Wasser mehr aufnehmen konnten, erreichte der Höchstwasserstand am Pegel Camburg-Stöben in der Nacht vom 2. zum 3. Juni 2013 488 cm (im Vergleich zum Aprilhochwasser 1994 um 13 cm höher).

Gleichzeitig ereignete sich eine weitere extreme und so in der bisherigen Pegelstatistik noch nicht aufgetretene Hochwassersituation im gesamten Einzugsgebiet der Weißen Elster. Vom Oberlauf in Sachsen bis zur Mündung in die Saale in Sachsen-Anhalt wurden hier zwischen dem 2. und 4. Juni 2013 zum großen Teil neue Pegelhöchststände registriert. Zur Reduzierung des Hochwasserabflusses im Stadtgebiet Leipzig wurde am 3. Juni 2013 die gezielte Flutung des Zwenkauer Sees (130 m³/s) eingeleitet. Am selben Tag erfolgte eine weitere Abflussreduzierung der Weißen Elster durch die Öffnung des Nahlewehres und der Flutung von Auenwaldpoldern (ca. 10 Mio m³). Diese Maßnahmen stellten sich als Glücksfall für Halle (Saale) heraus, da somit eine weitaus gefährlichere Situation für die Stadt verhindert werden konnte.

Der extrem hohe Zufluss aus der Pleiße und der trotz Rückhaltemaßnahmen immer noch enorme Abfluss der Weißen Elster führten am sachsen-anhaltinischen Pegel Oberthau mit ca. 500 m³/s zu einem neuen Höchstwasserabfluss (Beobachtungsreihe 1973-2013). In der Folge wurde unterhalb der Mündung der Weißen Elster in die Saale am Pegel Halle-Trotha UP am Morgen des 5. Juni 2013 ebenfalls ein neuer HHW (höchstes Hochwasser) von 816 cm erreicht, der den hier bisher geltenden HHW vom 16. Januar 2011 (700 cm) um 116 cm und den Richtwert der Alarmstufe 4 damit um 186 cm übertraf.
Dieser Wasserstand entspricht in Bezug auf eine normale Wasserführung der Saale von 2,10 m einem Wasserstand von 6,06 m über normal und überschritt den bis dahin erfasste Höchststand von 7,00 m (15.03.1947) um 1,16 m.

Im Laufe der Hochwasserentwicklung wurde der Gimritzer Damm der Hauptschwerpunkt der Hochwasserabwehr. Durch den hervorragenden Einsatz aller Hilfsorganisationen, der Bundeswehr und der Bevölkerung konnte ein Deichbruch an dieser Stelle verhindert werden und weite Teile von Halle-Neustadt und damit ca. 40.000 Einwohner vor einer Überflutung geschützt werden.

Zusammenarbeit aller Kräfte

Die in den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten angesiedelten unteren Katastrophenschutzbehörden haben sich mit den von ihnen gebildeten Katastrophenschutzstäben und Technischen Einsatzleitungen als tragende Grundstruktur für die Katastrophenabwehr bewährt. Dabei waren die Ortskenntnisse der unteren Katastrophenschutzbehörden im Regelfall von entscheidendem Vorteil.

In Halle (Saale) wirkten mehrere Faktoren zusammen, um die bedrohliche Hochwassersituation zu meistern und die Schäden für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. So standen umfangreiche Service-Informationen für Bürgerinnen und Bürger und die Helfer vor Ort zur Verfügung. Es fanden täglich Pressekonferenzen statt, drei Bürgertelefone waren rund um die Uhr erreichbar. Weiterhin wurden alle Informationen auch über soziale Netzwerke weitergeleitet. So konnten die Helfer durch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Halle (Saale), aus dem Saalekreis und aus dem gesamten Bundesgebiet in hervorragender Weise unterstützt werden.

Insgesamt waren in der Saalestadt während der Hochwassersituation 2.629 offizielle Kräfte im Einsatz, die gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern von überall her die Hochwassermaßnahmen umsetzten.

Diese Kräfte setzten sich zusammen aus:

  •  Bundeswehr
  •  Polizei
  •  Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
  •  Deutsches Rotes Kreuz
  •  Technisches Hilfswerk
  •  Arbeiter-Samariter-Bund
  •  Malteser Hilfsdienst
  •  Freiwillige Feuerwehren
  •  Berufsfeuerwehr
  •  Rettungsdienst
  •  Stadtverwaltung
  •  Stadtwerke Halle GmbH

Digitalisierung und Geobasisdaten

Zu den Geobasisdaten gehören die Daten der Landesvermessung, wie digitale Orthophotos, digitale Landschafts- und Geländemodelle oder die digitalen Topographischen Karten, die Daten des Liegenschaftskatasters sowie die Daten der Grundlagenvermessung zur Sicherstellung des einheitlichen Raumbezugs. Die Geobasisdaten des Landes werden vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation erzeugt und allen Behörden und kommunalen Gebietskörperschaften im Rahmen von sogenannten Geoleistungspaketen bereitgestellt.

Die hier dargestellte Karte ist als Arbeitskarte auf der Digitalen Stadtgrundkarte der Stadt Halle (Saale) digitalisiert worden und nicht als amtlich festgestellte Hochwasserkarte zu sehen. Sie spiegelt die Überflutung am 5.6.2013 wider und ist das Ergebnis aus Luftaufnahmen, Vermessungen und Berichten von Augenzeugen.
 

Quelle:
Bericht der Landesregierung zur Hochwasserkatastrophe 2013; Hochwasserbericht 2013 Stadt Halle (Saale)