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Stadtmuseum: Endspurt in der Moderne-Sonderausstellung

(halle.de/ps) Mehr als 5.000 Besucherinnen und Besucher haben bis Mitte Mai  die Sonderausstellung anlässlich des Bauhausjubiläums „100 Jahre Bauhaus" besucht. Einen Monat vor der Finissage am 16. Juni lädt das Stadtmuseum ein, an weiteren Höhepunkten des Begleitprogramms Mai/Juni teilzunehmen.

  • 5. Juni, 18 Uhr: Vortrag: Von Visionen und Utopien: Ungebaute Architektur der Moderne; Dr. Ruth Heftrig, Kunsthistorikerin
  • 9. Juni, 15 Uhr: Letzte Führung durch die Sonderausstellung: Mit Bubikopf und Fransenkleid. Auf Schaufensterbummel durch die modernen Kaufpaläste Halles; Ute Fahrig, Kuratorin der Sonderausstellung

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Auf 400 qm Ausstellungsfläche zeigt das Stadtmuseum Halle noch bis zum 16. Juni 2019, wie die wachsende und aufstrebende Industriestadt Halle nach den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren des 1. Weltkrieges einen eigenen Weg in die Moderne ging. Um den Anforderungen großstädtischer Entwicklung zu genügen  – ausreichend Wohnraum, Energie, Bildung und Unterhaltung –, entstand eine Vielzahl von Gebäuden im Stil des Neuen Bauens, die das Stadtbild Halles bis heute prägen. Halle war und wurde zwar keine Stadt des radikalen Bauens, aber die Stadtväter bewiesen Mut, denn 1927 lobten sie einen umfangreichen Architektur-Wettbewerb aus, an dem unter anderem Walter Gropius teilnahm. Die Modernität zeigte sich nicht nur in der Architektur dieser Gebäude – auch das, was in ihnen passierte, war von Umbruch und Veränderung geprägt: Zeitgenössische Möbel, Hausrat, Kleidung sowie Fotografien geben einen Eindruck vom Neuen Leben im Halle der 1920er Jahre.

Der zeitliche Rahmen der Ausstellung reicht vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die späten dreißiger Jahre hinein, weil die Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht immer die formale Fortführung des Neuen Bauens beendete.

Interaktive Stationen laden zum Schauen, Hören und Ausprobieren ein. An einer Tanzstation kann ein moderner Tanz aus den 20er Jahren erlernt werden und zu besonderen Terminen ist das Abspielen eines originalen Grammophons möglich. Der Besucher kann durch eine Ladenzeile mit zeitgenössischer Kleidung gehen und die Auslagen bestaunen.

Die Sonderausstellung  - verantwortlich kuratiert von Ute Fahrig - präsentiert ca. 400 Objekte, die zu knapp 70 Prozent aus den Sammlungen des Stadtmuseums stammen. Der Ausstellung stand ein Budget von 125.000 Euro zur Verfügung, die Hälfte gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt. Der Dank des Stadtmuseum Halle gebührt neben dem Land Sachsen-Anhalt für die großzügige finanzielle Förderung zahlreichen Partnern, wie den Stadtwerke Halle GmbH, der Tanzschule Eichelmann, der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Gartenstadt Halle eG, dem Bauverein Halle Leuna sowie der Wohnungsgenossenschaft Halle-Süd e.G. Namhafte institutionelle und private Leihgeber  - wie die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg (Halle), die Sammlung Burg Giebichenstein – Kunsthochschule Halle, das Stadtarchiv Halle  - haben das Projekt mit ausgesuchten Exponaten unterstützt.  Die Modesammlerin Josefine Edle von Krepl, konnte gewonnen werden, die Schau mit wundervollen Kleidern  sowie zahlreichen Accessoires der zwanziger Jahre auszustatten. Auch dokumentieren Ausschnitte aus der umfangreichen fotografischen Arbeit des halleschen Fotografen Gert Schütze die Vielzahl noch heute in Halle existenter  moderner Bauten.

Besondere Objekte in der  Ausstellung (Auswahl):
Fassadensteine und Figuren vom Kaufhaus C.A. Ritter (1926/28)
Das Bemerkenswerte an den Figuren ist, dass sie als „entartete Kunst“ 1938 durch das nationalsozialistische Regime entfernt wurden, durch Einlagerung aber bewahrt werden konnten.  Es ist eine Ironie des Schicksals, da vom restlichen Haus durch einen Bombentreffer 1945 und nachfolgenden Abriss nichts mehr steht.
Das 1928 fertiggestellte Ritterhaus in der Leipziger Straße war der unternehmerische und auch architektonische Höhepunkt der hallischen Traditionsfirma Carl Friedrich Ritter. Unter Leitung des Architekten Bruno Föhre  - er zeichnete auch für die Kaufhäuser Lewin sowie Pottel & Broskowski verantwortlich -  entstand von 1926 bis 1928 das neue Kaufhaus Ritter. Die Fassadensteine und Figuren wurden von Ludwig Vierthaler (Hannover) für das neue Kaufhaus gestaltet.

Drei Kilovolt-Niederspannungsanlage (ca. 1930)
Die Anlage ist „Brücke“ zum Korrespondenzstandort Historisches Technikzentrum der Stadtwerke GmbH in der Turmstraße. Sie versorgte das Wohngebiet am Passendorfer Weg bis in die 1990er Jahre hinein mit Strom und gestaltete damit das Leben auf teilweise 45qm Wohnfläche (noch) komfortabler.

Fotografien und Dokumente aus dem Nachlass von Jenny Gertz (1926-1931)
Jenny Gertz gründete 1932 in Halle ein europaweit einzigartiges „Haus der Tänzer“, wo sie neue Tanzspiele für Jugendliche aus Arbeiterfamilien entwickelte. Jenny Gertz führte mit ihren Schülerinnen und Schülern deutschlandweit Tanzstücke auf, die als moderne Arbeiterkultur und neue proletarische Festkultur gefeiert wurden. Die Kinder ihrer Kurse kamen aus einfachen Verhältnissen und erhielten individuelle Förderung und Erziehung in der Gemeinschaft. Gertz´ Zeugnis der Sammelschule Süd (1931) belegt die Wertschätzung ihrer Arbeit als Leiterin des Bewegungsunterrichts. Im „Haus der Tänzer“ tanzten ihre Schülerinnen und Schüler in der Schule, aber auch im Freien, bekleidet und unbekleidet, inspiriert durch die Nacktkulturbewegung. Fotografien aus dem Nachlass von Jenny Gertz wie beispielsweise  „Tanzende Kinder der weltlichen Sammelschule Süd (Lutherschule) Halle“ (1928) geben einen Einblick in die Welt der Visionärin.

Architekturmodell „Stadtkrone“ und Kohlezeichnungen von Peter Behrens
Das posthume weiß-strahlende Modell (2011) steht in großem Kontrast zu den stark akzentuierten, mitunter düster anmutenden Kohlezeichnungen des Architekten (1927/28).
Peter Behrens, wie auch Walter Gropius, reichten Entwürfe für den städtischen Wettbewerb „Stadtkrone“ ein. Im Ausstellungskapitel "Visionen" ist es anregend zu beobachten, wie sich die Ästhetik der Modelle von jenen der Zeichnungen der Architekten unterscheidet und welche Spannung sich daraus ergibt. Hochspannung gar herrscht zum Beispiel bei dem Entwurf von Peter Behrens im Wettbewerb "Stadtkrone".

Nachbildung eines Karl Völker-Bildes aus „Schützenhaus“ Lerchenfeldstraße
Karl Völker (1889-1962), Mitglied der „Novembergruppe“, schuf die (verlorenen) Wandbilder für den Sitzungssaal des Büro-, Druck- und Verlagshaus der KPD. Das Haus in der Lerchenfeldstraße (früher „Glauchaisches Schützenhaus“) war von der KPD gekauft und im Auftrag der dort ansässigen Produktiv-Genossenschaft durch den Architekten Martin Knauthe (1889-1942) in den Jahren 1925/26 umgestaltet worden. Im Hintergrund stand die mit 30.000 Mitgliedern stärkste KPD-Bezirksorganisation Deutschlands.  Der hallesche Maler Henri Deparade (1951) wurde 1986 mit der Neufassung der Wandgemälde beauftragt. Als Grundlage dienten u.a. die expressionistischen Deckenbilder der Dorfkirche St. Ulrich in Schmirma, die Völker 1921/1922 gemalt hatte. Diese waren, wenn auch in sehr schlechtem Zustand, in der DDR erhalten geblieben.

Blick hinein in eine Kleinwohnung
Um Wohnungsnotstand der damaligen Zeit zu bewältigen, entstanden vor allem im halleschen Süden neue Siedlungen nach den Prinzipien des Neuen Bauens: Licht, Luft und Sonne. Die in rationeller Bauweise errichteten Wohnungen mit kleinen Räumen waren praktisch und boten in ihrer Einfachheit eine gute Lebensqualität. In der Ausstellung werden mit  originalen Einrichtungsgegenständen, wie beispielsweise Küchenbuffet und Kleiderschank inklusiver neuer technischer Geräte, wie Staubsauger, Gasherd und Waschmaschine, eine komplette Kleinwohnung nachgebildet. Ebenso werden Wandtapetenentwürfe der damaligen Zeit aus den Sammlungen der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) hier gezeigt.

Kleider und Accessoires der 20er Jahre
Der größte Teil der ausgestellten Kleider und Accessoires stammt aus der Modesammlung von Josefine Edle von Krepl. Sie betrieb die erste private Modeboutique der DDR in Berlin und verkaufte dort auch selbst entworfene Modelle. Drei Monate vor der Grenzöffnung 1989 verließ Josefine Edle von Krepl  die DDR und nahm ihre umfangreiche Kleidersammlung mit. In über fünfzig Jahren hat sie von allem etwas zusammengetragen: Alltags- und Festkleider, Taschen, Hüte, Fächer und Schmuck. Teile der Sammlung  - 10 Kleider und zahlreiche Accessoires  - werden in der Sonderausstellung präsentiert.

22.05.2019

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